RabenZeit

Auf der Suche nach dem goldenen Zeitalter.

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Nach Nargis nichts Neues.

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Ein Jahr und zwei Tage ist es her, als ich das erste Mal das Land Burma (oder Birma oder Myanmar) unter dem Titel „Hilfe für Myanmar !?“ in meinem Blog erwähnte. Damals hatte der Wirbelsturm „Nargis“  Verwüstungen angerichtet, die groß genug waren, um die Medien und damit die Welt auf das Land aufmerksam zu machen. Aus aller Welt versuchte man zu helfen, auch aus Deutschland, wo auch ich für eine deutsche Katastrophenschutzorganisation auf gepackten Koffern saß. Doch das Regime des Landes ließ nur begrenzt Hilfe zu und die Welt regte sich über die Machthaber auf – die BILD sprach schon von der Option einer Militäraktion in Myanmar.

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Ein Jahr später sind dieselben Machthaber noch immer die unangefochteten Herrscher über das Land – aber Niemand spricht mehr drüber. Die Medien haben das Interesse verloren und damit erlischt auch das öffentliche Interesse. Während die „Burmariders“ vor einem Jahr durch die Talkshows gereicht wurden nimmt nur selten noch Jemand von ihnen Notiz. Auch durch Erdbeben, das wenige Zeit später das Medieninteresse nach China lenkte, nahm die Welt immer weniger Notiz von Birma,.

Das Land versinkt wieder in die Tiefen der öffentlichen Unwissenheit, bis die nächste Katastrophe oder ein Mangel an sonstigen Nachrichten Burma wieder zum Inhalt der Massenmedien macht. Derweil kann die Militärjunta weiterhin in Seelenruhe ihren Krieg gegen das eigene Volk führen.

Weiterführende Informationen: Nach Nargis ist vor dem Völkermord | Frösche statt Reisessen | Nargis – Das Trauma bleibt | Burma-Opfer haben noch immer kaum Nahrung | Noch immer herrscht Not im Irrawaddy-Delta in Burma | Die doppelte Katastrophe von Burma

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Written by Rabe

11. Mai 2009 at 23:13

THW-Hilfe kommt an.

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Drei Wochen ist es jetzt her, dass der Wirbelsturm „Nargis“ über die Küste von Myanmar hinweg gefegt ist. Vor (wenn ich mich nicht verzählt habe) elf Tagen ist das Team und das Gerät der SEEWA (Schnelle Einsatz-Einheit Wasser Ausland) der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) in Rangon mit weiteren deutschen Hilfsgütern entladen worden. Gestern Abend endlich wurden die ersten Trinkwasseraufbereitungsanlagen in das betroffene Irradwaddy-Delta, genauer gesagt nach Bogale, verlegt und in Betrieb genommen.

In der bisherigen Zeit in Rangon, in der die Helfer auf Grund der Vorgaben der Militärjunta nicht in das betroffene Gebiet reisen durften, wurden lokale Mitarbeiter der Malteser in die Handhabung der deutschen Trinkwasseraufbereitungsanlagen (TWAA) unterwiesen. Diese sollten dann die Anlagen im Katastrophengebiet betreiben. Auf Grund der öffentlichen auch in Myanmar durch die Medien verbreitete Erklärung der Regierung internationale Hilfe stärker als bisher zuzulassen, wird die TWAA in Bogale nun von deutschen Helfern betrieben. [Q]

Zeitgleich zeigt China, dass es auch anders gehen kann. Die Volksrepublik hat direkt internationale Hilfe angefordert und stellt über ihre staatliche Fluggesellschaft sogar kostenlose Flugkapazitäten zur Verfügung. Es mag bei dieser offensiven Organisation auch nicht wundern, dass das SEEWA-Team, das gestern mit Gerät nach China geflogen ist, dort schon die Einsatzräume mitten im Katastrophengebiet zugewiesen bekommen hat. Ohne große Zeitverzögerung wird dort, unter anderem in der Nähe eines Feldlazaretts des DRK (Deutsches Rotes Kreuz), die Produktion von frischem Trinkwasser beginnen können. [Q]

Da das THW eine deutsche Organisation ist, wird das Wasser dabei den deutschen Vorschriften entsprechen. Ein mitgeführtes Trinkwasserlabor wird dafür das produzierte Wasser ständig auf seine Bestandteile überprüfen. Diese ganzen Arbeiten erfolgen in der Mehrzahl durch die ehrenamtlichen Helfer des Technischen Hilfswerks, die von heute auf morgen ihren Arbeitsplatz und ihre Familie für einige Wochen verlassen haben, um den Menschen in Myanmar zu helfen. Entsprechend erfreulich ist es, die beiden Teams im Einsatz zu sehen.

Katastrophe in Myanmar No. 08:

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Am vergangenen Donnerstag sprach die Regierung von Myanmar noch von 34’273 Todesopfern und 27’836 Vermissten. Innerhalb weniger Stunden sind diese offiziellen Zahlen am Sonntag korrigiert worden: Nun spricht die Militärjunta von 77’738 Todesopfern und 55’917 Vermissten. Schätzungen unabhängiger Hilfsorganisationen sprechen derweil von 128’000 Toten und 220’000 Vermissten. Bis zu 2,5 Millionen Menschen sollen insgesamt betroffen sein – und benötigen internationale Hilfe.

Während nach offizieller Bekanntgabe die Schulen am 02. Juni wieder öffnen sollen hält die Anzahl der Flüchtlinge im Land (von den stark betroffenen in die weniger betroffenen Gebiete) an. Die lokalen Machthaber in Labutta haben indessen begonnen diese wieder in ihre Dörfer zurück zu senden – ohne dass deren Versorgung sichergestellt wäre. Zwar hat die Junta am Wochenende einen Ausflug für die internationale Riege der Botschafter organisiert, dabei aber die zu besichtigenden Orte selber festgelegt, so dass man hier im Grunde von einer „Propagandaveranstaltung“ sprechen kann.

Der Stab von „United Nations Disaster Assessment and Coordination“ (UNDAC) haben vorgestern als Teil des Teams von „Association of Southeast Asian Nations“ (ASEAN) einige betroffene Gebiete besucht. Als Beispiel Mawlamyinegyun: Hier existieren indessen 15 von der Regierung organisierte Camps mit Notunterkünften für 6’749 Personen. Die Bevölkerung der Stadt betrug vor der Katastrophe 346’000; laut offizieller Zählung wurden 4’463 Personen getötet, 6’075 sind vermisst und 76’277 haben ihre Häuser verloren. Ich gehe davon aus, dass die Schätzungen höher liegen, denn die Stadt liegt in der Klasse „Priorität 1“ nach der Klassifizierung der UN: mindestens 75 % der Bevölkerung sind betroffen.

Darüber hinaus die Arbeit der UN ist weiterhin stark eingeschränkt. Zum einen haben internationale Mitglieder der UN-Organisationen immer noch keine Erlaubnis in die betroffenen Gebiete zu reisen und zum anderen werden die erforderlichen Kommunikationsmittel immer noch am Zoll zurück gehalten. Jeder Hilfsorganisation wurden meines Wissens nach einige Mobiltelefone mit Karten zugestanden, die diese beim staatlichen Kommunikationsbetrieb käuflich erwerben dürfen. Es dürfte klar sein, dass basierend auf lediglich diesen Kommunikationsmittel und auf Grund der strengen Reglementierung von Internetzugängen die Koordination der Hilfeleistungen schwierig ist.

Unabhängig von den ganzen Einschränkungen, mit denen die Machthaber derzeit die internationale Hilfe behindern, sind im Land viele Freiwillige unterwegs, um den Betroffenen zu helfen. Dabei handelt es sich um einheimische Mitarbeiter ausländischer Hilfsorganisationen oder Myanmarer, die selber in der Katastrophenhilfe aktiv sind, wie zum Beispiel in der „Myanmar Red Cross Society“ (MRCS). Die Ehrenamtlichen dieser Organisation versorgen, unter anderem mit Hilfslieferungen des Roten Kreuzes aus aller Welt, täglich 57’000 Bedürftige in der Katastrophenregion. Sicher nicht ausreichend, aber hier wird durch die Zivilgesellschaft ein wertvoller Anfang gemacht.

Derweil denkt man bei der UN schon über die reine Not- und Soforthilfe hinaus. Durch den Zyklon ist eine der wichtigsten Anbaugebiete des Landes für Reis zerstört worden. Es ist also für Myanmar auch in den nächsten Monaten eine entsprechende Nahrungsmittelknappheit zu erwarten, die internationale Hilfe erforderlich machen wird. Auch das Vieh hat zum großen Teil die Katastrophe nicht überlebt, ebenfalls fehlt Saatgut. Der Wiederaufbau, der in den nächsten Monaten ansteht, wird meines Erachtens nicht ohne internationale Hilfe realisierbar sein.

Quelle: UN-OCHA Situation Report Myanmar – Cyclone Nargis (No. 14) > PDF-Datei.

Written by Rabe

19. Mai 2008 at 17:10