RabenZeit

Auf der Suche nach dem goldenen Zeitalter.

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Keine Hoffnung für Afrika !?

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Der Präsident des afrikanischen Staates Simbabwe, Mugabe, ist indessen aus seinem vierwöchigen Urlaub zurück gekehrt. Derweil hat sich die Cholera im Land (und über die Landesgrenzen hinaus) weiter ausgebreitet. Die Zahlen der Infizierten und Toten hat dabei schon die Anzahl des „Worst Case Szenarios“ der Weltgesundheitsorgansiation (WHO) erreicht. [Q]

Während in dem Land die Bevölkerung stirbt hat sich der Despot Mugabe jetzt mit der Opposition auf eine neue Regierung geeinigt. Unter dem Druck der afrikanischen Nachbarländer musste der Oppositionsführer die Stelle des Ministerpräsidenten annehmen, während die Regierungssprecher klar machen, dass die ganze Macht doch in den Händen des Präsidenten und damit Mugabes bleiben wird. [Q]

Wieso die afrikanischen Staaten an Mugabe festhalten und damit an dem Mann, der das Land in den Ruin geführt hat, bleibt mir ein Rätsel. Ebenso kann ich noch nicht sehen, dass mit der Regierungsbeteiligung der Opposition ein Fortschritt hinsichtlich Demokratie und Menschenrechte zu verzeichnen ist, wenn Mugabe die Politik des Landes weiterhin bestimmen darf.

Die Afrikanische Union (AU) fordert derweil die europäischen Staaten und die USA auf ihre Sanktionen gegenüber Simbabwe aufzuheben und finanziell zu unterstützen. Dies auch, damit sich die humanitäre Lage verbessert. [Q] Auch wenn unbestritten ist, dass den Menschen vor Ort in Not geholfen werden muss, so bin ich doch der Meinung, dass Europa und die USA hier hart bleiben sollten.

Wer der Ansicht ist, dass ein Despot, der mit fast 100.000 US-Dollar in Urlaub fliegt, und Waffen aus China importiert, während in seinem Land eine Inflation über 200 Millionen Prozent herrscht und die Cholera wütet, weiter die Macht in einem Staat ausüben soll, der darf auch gerne dem Staat helfen und damit eine Regierung stützen, welche die Menschenrechte mit Füßen tritt.

Auch die aktuellen Nachrichten über die weiteren Pläne hinsichtlich des Völkermords in der Darfur-Region und den, wie schon länger vermutet, wieder aufflammenden Kämpfen im Süden des Sudan, lassen keine große Hoffnung aufkommen. Wie kann es sein, dass die Regierung, der viele Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, die Friedensmission von UN und Afrikanischer Union (AU) auffordert ihre Leute aus einer 30.000-Einwohner-Stadt abzuziehen, damit man dort Rebellen bekämpfen kann? [Q]

Unter dem Vorwand der Rebellenbekämpfung werden seit Jahren in Darfur ganze Städte niedergebrannt und die Einwohner, Männer, Frauen und Kinder, hingeschlachtet. Das ist auch der Grund, warum vor dem Internationalen Strafgerichtshof eine Anklage gegen den sudanesischen Staatchef wegen Völkermords in Vorbereitung ist. Nachdem einige Länder mit guten wirtschaftlichen und/oder politischen Beziehungen zum Sudan schon auf eine Aussetzung des Verfahrens gedrängt haben, hat jetzt auch die Afrikanische Union gefordert auf die Anklage zu verzichten. [Q]

Wenn Staatsführer, die seit Jahren die Menschenrechte mißachten und gegen die eigene Bevölkerung handeln, von der Afrikanischen Union (AU) unterstützt werden, dann lässt das nicht sehr hoffnungsvoll an eine friedliche Zukunft des afrikanischen Kontinents glauben.

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Written by Rabe

1. Februar 2009 at 19:11

6. RabenFlug: Von Gott, Despoten, Tieren und Zellen.

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Atheisten-Kampagne: Mit dem Slogan „Es gibt wahrscheinlich keinen Gott. Jetzt mach Dir keine Sorgen und genieße das Leben.“ fahren indessen Busse durch Großbritannien. Eine Kampagne von Atheisten, die wohl bald auch in anderen Ländern forgeführt wird. Sie richtet sich gegen religiösen Fanatismus und soll eine Debatte über Gott hervor rufen, wofür 140.000 Pfund Spenden eingegangen sind. [Q] Meiner Ansicht nach sei jedem freigestellt, an was er glaubt und den Glauben nicht für Gewalt mißbraucht. Aber den Sinn einer solchen Kampagne kann ich irgendwie nicht erkennen. Das Geld wäre woanders sicher besser angelegt gewesen.

Mugabe macht Urlaub: Während in dem Land weiterhin eine Cholera-Epedemie wütet, jede Hoffnung auf etwas Demokratisierung schwindet und die Inflation bei 231 Prozent liegt, hat Mugabe, wie schon berichtet, einen einmonatigen Urlaub angetreten. Die Frau des 84-jährigen hat dafür eine Summe von 92.000 US-Dollar von der simbabwischen Zentralbank abgehoben, nachdem wohl ein großer Teil seines Vermögens schon ins Ausland verschoben wurde. Ein Vermögen, das er sich sicher nicht redlich verdient hat. Seinen Urlaub verbringt der Despot übrigens in Malaysia, wo er sich auch einem Gesundheits-Check unterziehen will. [Q]

Massensterben geht weiter: Auch wenn die Menschheit immer wieder daran arbeitet sich selbst auszurotten, so ist sie doch in der Tierwelt weitaus erfolgreicher, denn das Artensterben hält unvermindert an. Die Menschenaffen könnten nach Einschätzung der Umweltschutzorganisation WWF bald verschwunden sein und in Deutschland sind 67% aller bekannten Amphibien bedroht.  [Q] In Südafrika hat letztes Jahr auch die Wilderei von Nashörnern stark zugenommen. Vermehrt nutzen die Wilderer auch automatische Waffen, um einigen Asiaten das angeblich potenzsteigernde Horn zu beschaffen. [Q]

Einzelhaft für Oppositionspolitikerin: Von der Verhaftung der Oppositionssprecherin Bertukan Mideksa habe ich ja schon kurz berichtet. Nach Informationen von Amnesty International wird die 34-jährige in Äthiopien in einer zwei Quadratmetergroßen Zelle ohne Fenster gefangen gehalten. Jeder kann mal gerne austesten, was man so alles auf 1 x 1 m machen kann – oder eben nicht. Äthiopien ist der drittgrößte Empfänger von Entwicklungshilfe, da könnte man schon erwarten, dass die Geldgeber Druck ausüben könnten – wenn sie denn wollten. [Q]

Written by Rabe

12. Januar 2009 at 15:19

Vergessenes Afrika:

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Während sich die Welt auf den Konflikt in der Region Nahost stürzt, wo Israel darum bemüht ist die Hamas zu schwächen, was ihr dank zahlreicher palästinensischer Hamas-Gegner auch gelingen könnte, wird Afrika wieder vergessen. Gestern habe ich über die neuesten Entwicklungen im Sudan geschrieben, aber fast ganz Afrika ist derzeit ein einziger Krisenherd. Über viele Geschehnisse ist dabei der normale Medienkonsument gar nicht informiert, weil man diese Informationen schon gezielt suchen muss. Hier sind einige davon:

Äthiopien

In der vergangenen Woche wurde ein Gesetz erlassen, dass alle NGOs (Nichtregierungsorganisationen), die über 10% ihrer Finanzierung über das Ausland erhalten (also fast alle), als „ausländische Organisationen“ verboten werden, wenn sie unter andrem in den Bereichen Menschenrechte, Frauengleichstellung, Kinder- und Behindertenrechte und demokratische Rechte tätig sind. [Q] Zudem kann eine eigens eingerichtete Regierungsbehörde bei kleinsten Verstößen gegen bürokratische Vorgaben NGO-Vertreter bis zu drei Jahren ins Gefängnis bringen. [Q]

Am 29. Dezember 2008 ist die Sprecherin der politischen Opposition Äthiopiens verhaftet worden, die 34-jährige ehemalige Richterin und Vorsitzende der Einheitspartei für Demokratie und Gerechtigkeite (UDJP) Bertukan Mideksa. Ein weiteres Alarmzeichen in einem Land, in dem Ministerpräsident Meles Zenawi und seine Äthiopische Revolutionär-Demokratische Volksfront (EPRDF) autokratisch regiert und keine Opposition duldet. Amnesty International bezichtigt zudem die Regierung zahlreicher Menschenrechtsverletzungen. [Q]

Guinea

Ich weiss nicht, wer es überhaupt mitbekommen hat, aber in Guinea hat Ende Dezember das Militär geputscht.Am 22. Dezember 2008 verstarb Präsident Lansana Conté, der 1984 durch eine Putsch an die Macht kam, was wohl die Initialzündung für den aktuellen Putsch gewesen ist. Die Macht hat als neuer Präsident der Junta-Chef Moussa Dadis Camara übernommen und mit ihm der „Nationalrat für Entwicklung und Demokratie“ (CNDD).

Indessen hat die Junta den Bankmanager Kabiné Komara zum neuen Regierungschef ernannt. Komara hat in den USA und Frankreich studiert, bevor der 53-jährige unter anderem bei verschiedenen internationalen Finanzinstitutionen gearbeitet hat. Bei Vertretern der wichtigsten Industriestaaten und internationalen Organisationen wird derweil um Verständnis für die Machtübernahme geworben. Ebenfalls wurden freie Wahlen in Aussicht gestellt. [Q]

Auch wenn der Putsch weltweit verurteilt wurde und die Afrikanische Union (AU) die Mitgliedschaft Guineas ausgesetzt hat, besteht durch die Bestellung eines international erfahrenen Zivilisten und der Aussicht auf demokratische Wahlen auch Hoffnung, dass der unblutige Putsch auch seine guten Seiten haben wird. Es bleibt abzuwarten und die Entwicklungen im westafrikanischen Land zu beobachten, aber ich bin verhalten optimistisch.

Kongo

„Im Kongo gibt es keine humanitäre Lösung für den Konflikt“, sagt UN-Flüchtlingskommissar António Guterres vor dem UN-Sicherheitsrat, und konstatiert, dass die Gewalt im Kongo zu den Konflikten zählt, die in der Weltöffentlichkeit kaum Beachtung finden.

Im Osten der Demokratischen Republik Kongo bleibt die Sicherheitslage weiterhin äußerst gespannt.Weiterhin kommt es in der Region zu Massakern und Gräueltaten an der Zivilbevölkerung, während aus der Krisenregion Nord-Kivu alleine im August 2008 etwa 250.000 Menschen vertrieben wurden. Nach Schätungen der UN mussten weitere 50.000 zwischen September und November vor der Gewalt fliehen, hinzu kommen seit Mitte Dezember etwa 50.000 Menschen, die aus der Provinz Orientale vertrieben wurden. [Q]

Simbabwe

Die Zahl der an Cholera infizierten Menschen ist auf 36.000 gestiegen und man rechnet schon damit, dass die Zahl bald auf 60.000 Menschen steigen wird. Obwohl Cholera einfach innerhalb von 48 Stunden heilbar wäre, sind schon ca. 1.800 Menschen daran gestorben. [Q] Anstatt die Hilfsorganisationen in ihren Bemühungen zu unterstützen den Menschen zu helfen und die Krankheit einzudämmen, werden Ärzte und Krankenschwestern von der Polizei mit Knüppeln zusammengeschlagen, weil sie ein Gehalt fordern, mit dem sie wenigstens die tägliche Busfahrt zum Krankenhaus bezahlen können, und wird dem Westen vorgeworfen die Cholera sei nur eine Verschwörung, um einen Vorwand für eine militärische Intervention zu haben. [Q]

Hatte sich Mugabes Regierungspartei und die Opposition, die Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC), die bei den Parlamentswahlen trotz Repressalien gesiegt hatte, schon im September 2008 unter internationalem Druck auf eine Machtteilung geeinigt, ist dieses Abkommen bisher nicht umgesetzt worden. Der 84-jährige Despot kündigte indessen an, dass er im Februar, unabhängig von den Verhandlungen mit der Opposition eine Regierung ernennen will. Aktuell ist er aber erstmal im Auslandsurlaub, um „über die Lage in Simbabwe zu reflektieren“. [Q]

Während Mugabe sich seinen Urlaub gönnt wurden am Mittwoch nach wochenlangen Festnahmeaktionen gegen Oppositionelle sieben Mitglieder des MDC wegen der angeblichen Planung eines Bomebnanschlags angeklagt worden. Unter ihnen ein Berater des MDC-Vorsitzenden und laut Abkommen eigentlich zukünftigen Ministerpräsidenten Morgan Tsvangirai. Auf die Anklage wegen Terrorismus, Banditenwesen und Aufruhr steht die Todesstrafe. [Q]

Zeitgleich wird die Pressefreiheit weiter eingeschränkt, indem man von ausländischen Journalisten für eine Jahres-Akkreditierung insgesamt 30.000 US-Dollar verlangt, von Simbabwesischen Journalisten, die für ausländische Medien berichten, sind 4.000 US-Dollar pro Jahr fällig. Die Mediengesetze gelten weltweit zu den restriktivsten Bestimmungen und man droht ebenfalls damit die Arbeit der internationalen Presse im Land zu verbieten, da sie den Präsidenten nicht im Zusammenhang zitieren würde. [Q]

Sudan

Ergänzend zu meinem gestrigen Beitrag über die Lage im Sudan bin ich heute noch über einen Artikel zu dem Thema vom 03.12.2008 gestoßen, der sich mit der Lage der Ermittlungen gegen den sudanesischen Präsidenten durch den Internationalen Strafgerichtshof befasst. In diesem Artikel, den man hier findet, findet sich auch folgender Abschnitt: „Russland, China, die Afrikanische Union (AU), die Arabische Liga und die Bewegung der Blockfreien Staaten drängen auf eine Aussetzung der Ermittlungen des IStGH für ein Jahr gemäß Artikel 16 des Statuts des Gerichtshofes. Offiziell begründen diese Staaten, die vielfältige politische und wirtschaftliche Beziehungen mit dem Sudan unterhalten, ihre Initiative mit ihrer Sorge um Frieden in der Region.“

Written by Rabe

10. Januar 2009 at 13:22

4. Rabenflug: Das Sterben geht weiter.

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Israel: Heute hat Lila in ihrem Blog „Letters from Rungholt“ in einem Rückblick für Neuleser die in ihrem Blog genannten Einschläge von Quassam-Raketen in Israel zusammen getragen. Leider hat sie recht behalten, dass die Weltgemeinschaft erst aufschreit, wenn Israel sich dagegen zur Wehr setzt. Interessant ist auch das Muster von Friedensgesprächen zwischen Israel und den Palästinensern in Lizas Welt.

Simbabwe: Vor etwas über einem Monat waren es noch 313 Tote, indessen sind mehr als 1.622 Menschen an der Cholera gestorben und 32.519 sind erkrankt [Q]. Zahlen, die dazu führen, dass das Land wieder bei uns Schlagzeilen macht – und prompt werden unsere Politiker wieder aktiv und drängen Mugabe auf eine Umstellung seiner Regierung. Schade, dass nur ein Mindestmaß an Toten die Politik zum Handeln zu bewegen scheint.

Kongo: In den Medien ist es wieder still geworden um den Kongo. Dabei gibt es auch aus dem Kongo Neuigkeiten, denn das Morden hat nicht mit der Medienpräsenz in Deutschland geendet. Allein über die Weihnachtsfeiertage hat die ugandische „Widerstandsarmee des Herrn“ (LRA) im Kongo in regelrechten Massakern über 400 Menschen ermordet [Q]. Als würde das nicht ausreichen, meldete die WHO (World Health Organisation) am Freitag, dass wieder die Krankheit Ebola ausgebrochen ist [Q].

Nachruf: Leider hat Peter Hetzler sein Blog „Total Global“ aus Zeitgründen einstellen müssen. Ich freue mich aber, dass er seine Seite „Monopolis“ fortführen wird.

Written by Rabe

4. Januar 2009 at 13:48

Reisende in Sachen Simbabwe.

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Mit einer Reisesondergenehmigung ist Morgan Tsvangirai, der politische Gegner Mugabes bei der Präsidentschafswahl und designierte Ministerpräsident Simbabwes, derzeit in Europa unterwegs. Einen Reisepass hat der Mann bisher von der amtierenden Regierung des Landes nicht erhalten. Trotzdem hat man ihn nicht wie viele andere Afrikaner an der europäischen Außengrenze interniert bzw. abgeschoben, doch sprach er in Paris von einer katastrophalen Lage in seinem Heimatland, die nicht eine Folge einer Naturkatastrophe ist, sondern von Missmanagement und Korruption. [Q]

2008-11-25-tsvangirai

Gestern traf Tsvangirai dann in Berlin ein, wo er mit Hermann Gröhe, Staatsminister bei der Bundeskanzlerin, ein Gespräch über „die schwierige innenpolitische und erschreckende humanitäre Lage Simbabwes“ führte. [Q] Im Sommer wurde ein möglicher US-Präsidentschaftskanidat von der Bundeskanzlerin persönlich empfangen – aber der designierte Premierministers eines Staates, der Hilfe zur Demokratisierung nötig hat und in diesem Entwicklungsprozess auch symbolische Unterstützung gebrauchen kann, wird nur von einem Staatsminister empfangen. Ein klares Symbol für den geringen Stellenwert, den die demokratische Entwicklung Afrikas in Berlin hat.

Im Juli 2007, anläßlich des 89. Geburtstags von Nelson Mandela, wurde der Ältestenrat, „The Elders“ gegründet, zu denen auch die Nobelpreisträger Desmond Tutu (Erzbischof), Kofi Annan (ehemals UN-Generelsekretär) und Jimmy Carter (ehemals US-Präsident) zählen. Diese Gruppe international anerkannter, altgedienter Politiker und Menschenrechtler versucht nach eigenem Verständnis in schwierigen Situationen auf Grundlage ihrer Erfahrung zu vermitteln und mit Rat weiterzuhelfen. Wenn man die Situation in Simbabwe betrachtet kann man sicher davon sprechen, dass in dem Land guter Rat teuer und hilfreich wäre.

Daher machten sich die beiden Friedensnobelpreisträger Jimmy Carter und Kofi Annan mit der Menschenrechtlerin Graça Machel auf um am vergangenen Samstag das afrikanische Land zu besuchen, um sich ein Bild über die humanitäre Lage zu machen. Doch in Harare, der Hauptstadt Simbabwes, schrieb die staatlich kontrollierte Zeitung „The Herald“ am Donnerstag von „The Elders“ als „Clique von Persönlichkeiten, die dem Land feindlich“ gesinnt seien. Aus Regierungskreisen verlautete, dass die Visite ungelegen komme und die Presse stellte sich die Frage, in welchem Auftrag die Gruppe einreise und wem sie Bericht erstatte. [Q] Kommentare, die sowohl die Presse- als auch die Meinungsfreiheit in Simbabwe in Frage stellen – was aber nicht wundert in einem Land, das die Menschenrechte nicht achtet und in dem Demokratie nur eine Farce ist.

2008-11-25-elders

Carter, Annan und Machel sind enttäuscht, „dass die Regierung von Simbabwe uns die Einreise nicht erlaubt und nicht kooperiert“. Jimmy Carter stellt fest, dass es das erste Mal sei, dass er für eine Mission kein Visum erhalte und Annan erläutert: „Wir haben unseren Besuch abgesagt, weil die Regierung von Simbabwe uns deutlich zu verstehen gegeben hat, dass sie nicht mit uns zusammenarbeiten möchte“. [Q] Daraufhin haben sich die Drei mit Flüchtlingen und Exilanten aus Simbabwe sowie mit Botswanas Präsidenten, einem Kritiker Mugabes, getroffen.

Das Fazit: Das Land könne in einigen Monaten zusammen brechen. Nach Hyperinflation und Hungersnot ist indessen die Cholera ausgebrochen, der laut Angaben der UNO schon 313 Menschen zum Opfer gefallen sind. Die medizinische Versorung des Staates ist ebensowenig in der Lage die Cholera sinnvoll zu bekämpfen, wie Anthrax (Milzbrand), an dem im Südwesten schon zwei Menschen und 150 Tiere verstorben sind. [Q] Ich bin gespannt, ob „The Elders“ mit ihrer Einschätzung recht behalten …

Written by Rabe

25. November 2008 at 22:39

Sudan und Simbabwe.

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2008-11-16-afrika

Der Kongo ist derzeit wieder in den Nachrichten, doch auch im Sudan und in Simbabwe, den beiden afrikanischen Ländern, über die ich schon öfters in meinem Blog geschrieben habe, geht das Leben und damit die Konflikte und Krisen weiter. Aus dem Grund hier eine kleine Zusammenfassung über die Neuigkeiten aus diesen beiden Ländern, die nur selten die Präsenz in den Medien erreichen, die sie an sich verdient hätten.

Sudan und die Region Darfur:

Während der internationale Strafgerichtshof in Den Haag den sudanesischen Präsidenten Omar Hassan al-Bashir wegen Völkermordes und Kriegsverbrechen vor Gericht stellen will, hat dieser am Mittwoch eine „umgehende Waffenruhe ohne Bedingungen“ für Darfur versprochen. „Wir werden sofort eine Kampagne starten, um die Milizen zu entwaffnen und den Waffengebrauch unserer Streitkräfte einzuschränken.“ Anders: Die Rebellen legen die Waffen nieder und das Militär wird weniger schiessen. Dass die „Bewegung für Gleichheit und Gerechtigkeit“ (JEM) davon nicht ganz so begeistert ist, erscheint logisch. Die JEM fordert politische Autonomie für Darfur und eine gerechte Beteiligung an den Rohstoffen der Region. [Q] Dass durch den Völkermord in der Region Darfur ein Waffenembargo über den Sudan verhängt wurde verwundert daher nicht, doch mit Geld kann man bekanntlich alles kaufen. So hat der Sudan in den vergangenen Wochen ein Dutzend Kampfflugzeuge aus Russland geliefert bekommen. [Q]

Simbabwe

Die humanitäre Lage in dem Land, in dem vier Millionen Menschen mit Lebensmitteln versorgt werden müssen, verschlechtert sich auch auf dem medizinischen Sektor. Die Cholera ist ausgebrochen und indessen auch in der Hauptstadt angelangt – ein Umstand, mit dem das Gesundheitswesen des Landes natürlich überfordert ist. [Q] Indessen ist es wegen des Konfliktes in Simbabwe zu einem afrikanischen Sondergipfel gekommen. Der Diktator Mugabe und die Opposition streiten sich jetzt schon etwas länger über eine Gewaltenteilung. Mugabe darf schon das Präsidentenamt und den Oberbefehl über die Armee behalten. Diese Zugeständnisse der Opposition reichten dem alten Mann aber nicht und er wollte auch Teile des Innenministeriums haben – und das wurde ihm von den anderen afrikanischen Staaten jetzt auf dem Kongress zugestanden. Damit hat er weiterhin alle Machthebel in der Hand und es nährt den Verdacht, dass die Opposition nur als Staffage in die Regierung kommen soll, um den internationalen Druck zu verringern. So schnell scheint es in dem Land ergo keine Veränderung zu geben. Zudem stellt es den Willen und die Fähigkeiten der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft (SADC) in Frage Rechtsstaatlichkeit zu gewährleisten. [Q]

Leider ist auch hier, in beiden Fällen noch keine Lösung in Sicht, in erster Linie verhindert durch alte Männer, die mit ihren Getreuen an der Macht hängen und diese durch jede Änderung des Status quo gefährdet sehen. Und wenn nicht ihre Macht, dann den Reichtum, der sich aus der Macht und der rücksichtslosen Ausbeutung der Ressourcen des Landes ergibt. Zur Sicherung ihrer Macht begehen sie seit Jahren Menschenrechtsverletzungen, während die „Weltengemeinschaft“ hilflos zuschaut bzw. sich nicht zu ausreichenden Maßnahmen bereit erklärt und damit selbst die UN-Mission in der Region Darfur zu einer Farce ohne wirkliche Ergebnisse werden lässt. Daher ist es umso wichtiger, dass diese Länder und die Millionen von betroffenen Menschen nicht in Vergessenheit geraten.

Written by Rabe

16. November 2008 at 15:27

Millionär werden – in Afrika.

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2008-11-15-simbabwedollarIch bin wahrscheinlich nicht der einzige Mensch der sich fragt, wie man schnell und einfach zum Millionär werden kann. Während ich immer noch auf einen Lottogewinn warte hat sich jetzt eine andere Möglichkeit ergeben, für die der simbabwische Diktator Präsident Mugabe unseren Dank verdient: Auf Grund einer Inflation von 213 Millionen Prozent im Juli wird es künftig drei neue Scheine des Simbabwe-Dollars geben. Auch wenn man schon im Laufe des Jahres zehn Nullen von den Geldscheinen hatte streichen lassen, so ist es jetzt doch Zeit für einen 100.000-, einen 500.000- und einen 1.000.000-Geldschein. Wenn nun ein 100.000-Simbabwedollarschein umgerechnet den Wert eines US-Dollars hat kann man in Simbabwe schon mit 10 US-$ Millionär werden. [Q]

Die Wirtschafts- und Finanzpolitik von Mugabe und seiner Regierung ist aber auch in anderen Punkten rekordverdächtig: 80 % beträgt die Arbeitslosenquote in Simbabwe. Anders gesagt: Nur 20% der Bevölkerung geht arbeiten, aber fast alle Einwohner werden bald Millionäre sein (wenn nicht wieder ein paar Nullen bei der Währung gestrichen werden). Etwas ärgerlich ist jedoch, dass man für seinen Millionen-Dollar-Schein nur fünf Laibe Brot kaufen kann. Die Yacht und den Privatjet kann man da wohl nicht mit der ersten Millionen finanzieren.

Aber nicht jeder muss auf Flugzeuge verzichten, so ist der Sudan (wenn er auch wahrscheinlich weniger Millionäre aufweisen kann als Simbabwe) eindeutig besser dran. Das Land im Herzen Afrikas, das bekanntermaßen in der Region Darfur ein wenig Völkermord betreibt, hat sich einige neue Flugzeuge geleistet: Kampfjets vom Typ MIG-29. Ein Dutzend dieser Jagdmaschinen wurden in den vergangenen Monaten aus Russland in den Sudan geliefert. Sudan ist eines der ärmsten Länder der Erde, aber man muss halt Prioritäten setzen. [Q]

… und in Afrika geht das Leben weiter – irgendwie.

Written by Rabe

15. November 2008 at 01:51