RabenZeit

Auf der Suche nach dem goldenen Zeitalter.

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Was ich noch sagen wollte …

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Ich bin zurück. Zurück in der Realität. Den Großcon-Jetlag habe ich auch überwunden. Leider. Die Zeit in den Drachenlanden war viel zu kurz. Und ich kann nur sagen: Meine Entscheidung dieses Jahr das Drachenfest statt dem CoM zu besuchen war absolut richtig (Begründung hier). Aber da ich mich nicht wiederholen will: Meine Review findet man hier.

Es gibt aber auch ein paar Dinge, die keinen Eingang in meine Review gefunden haben, da ich mit stärkerer zeitlicher Distanz dazu was schreiben wollte.

Knüppeltag
Viele (einige?) Larper scheinen der Ansicht zu sein, dass ein Charakter auch eine Kopfbedeckung braucht. Auch ich finde einen Hut ganz groß und oute mich als Anhänger des „Blöden-Hut-Credos“. Aber dann einen „Knüppel-Tag“ auszurufen und mit einem Mob durch die Stadt zu ziehen, um jeden Unbehüteten mit dem (Polster-)Knüppel auf den Kopf zu hauen, finde ich idiotisch. Weil das augenscheinlich dem Gedanken entspringt, dass die Leute, die keinen Hut tragen, damit erzogen werden einen zu tragen – oder entsprechend bestraft werden. Unter eigentlich erwachsenen Menschen (auch bzw. trotz unseres seltsamen Hobbies) meines Erachtens ein Unding.

Steampunk
Mich fasziniert das Genre, ich finde die Ausstattung toll, mir gefällt die Kleidung – aber verdammt noch mal nicht auf einem Fantasycon. Ja, wir spielen Fantasy (die angebliche Entschuldigung für alle Entgleisungen). Ja, jeder soll spielen, woran er Spaß hat (so lange er nicht andere zwingt auf seine Weise Spaß zu haben). Ja, jeder interpretiert unsere Fantasywelt anders und setzt auch unterschiedliche Grenzen. Aber wo es ein eigenes Genre mit eigenen Cons gibt, hört für mich einfach die Kompatibilität mit Fantasy auf. Natürlich ist das subjektiv, aber mich stören einfach Mediziner aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert mit entsprechend aufgeklärtem Weltbild (Götter und Magie sind Unsinn, etc.) und Aktenkoffern. Und die Ausstattung und das Kostüm auf dem Foto vom CoM ist beispielsweise toll, aber gehört m.E. einfach nicht auf ein Fantasy-Con.

Hexenjäger und andere Hypes (was sicher falsch geschrieben ist)
Wenn man so die Fotos vom CoM betrachtet, wie dieses hier, dann stellt man fest, dass der Boom an Hexen-/Dämonen-/Geisterjägern, auf den ich schon mal hier hingewiesen habe, ungehindert anhält (auch wenn die Kostüme zugegebenermaßen toll aussehen). Und wenn ich so in meinem Umkreis höre, wo weitere solche Charaktere am entstehen sind, dann wird der Boom auch weiter anhalten. Dabei scheinen Warhammer und die literarische Figur van Helsings die Grundlagen aller diesbezüglichen Charaktere zu sein. Irgendwie scheint das der Parallelhype zu sein zu den Landsknechten, die sich in den vergangenen Jahren auch so stark vermehrt haben, dass sie auf dem Drachenfest (Kurzform: DF, damit ich es nicht ständig ausschreiben muss) sogar schon ein eigenes Lager hatten. Wobei man ehrlich sagen muss: Ein schön anzusehener Hype.

Ich bin ja nur froh, dass es nach dem Film „300“ keinen Hype gegeben hat und wir von ganzen Phalanxen knapp bekleideter Spartianer verschont geblieben sind. Mehrheitlich wäre der Wunsch wahrscheinlich Vater des Gedanken gewesen was die dafür erforderliche Körperästhetik angeht. Wobei ich es schon etwas seltsam finde, wenn man einen Barbaren spielt, der faktisch nur eine Leder-Badehose anhat – auch wenn der durchtrainierte Körper durchaus gepasst hat. Auch wenn ich mich immer frage, ob man die Rolle nicht nur spielt, weil man seinen Körper zeigen will: Jedem wie er möchte.

Tänzerinnen
Zumal sich natürlich die Frage stellt, ob nicht viele Frauen auch nur Tänzerinnen spielen, weil sie wollen, dass die Männer sie mit Gier in den Augen und Sabber im Mundwinkel betrachten. Ich habe Nichts dagegen und schaue mir natürlich gerne hübsche Tänzerinnen an. Achtung! Ich betone „hübsche Tänzerinnen“. Das beinhaltet, dass sie hübsch sind, was nicht zwingend dürr oder dem uns von den Medien aufgedrängten Schönheitsideal entsprechend bedeuten muss. Aber wenn die Speckrollen beim bauchfreien Tanzgewand mehrfach vorhanden sind hat das mit dem Ästhetikempfinden der breiten Masse sicher nur noch wenig zu tun. Haben diese Leute, die so fast nur Hohn und Spott ernten, keine ehrlichen Freunde und/oder keinen Spiegel? „Hübsche Tänzerin“ bedeutet aber auch, dass die Person sich zur Musik bewegen kann und auch ihre Kleidung nicht einfach eine schwarze Jogginghose und ein weißes Top ist – wir sind schließlich immer noch auf einem Con, bei dem (anders wie bei P&P) auch die optische Darstellung gefragt ist. Musste ich mal los werden, denn auf dem DF gab es ein entsprechendes Beispiel.

Kostüme
Ja, das ist das Gleiche wie „Gewandung“. Finde den Begriff nur irgendwie passender. Gab es auf dem Drachenfest viele. Logisch. Es gab richtig gute Kostüme, es gab aber auch schlechte Kostüme. Finde ich toll, denn wenn alle nur Kostüme hätten, bei denen ich neidisch wäre, müsste ich mich vielleicht für mein Kostüm schämen. Aber da es ja Leute gibt, die sich wenig Mühe mit ihrem Kostüm machen muss ich mich nicht schämen, kann sogar stolz sein und habe nebenbei noch Leute, auf die ich hinab schauen und über die ich lästern kann. Ist nicht nett, macht aber zuweilen Spaß (also mir, nicht den Betroffenen, die es aber normalerweise nicht mitbekommen) und ich halte es zudem für menschlich. Was mich aber gewundert hat: Viele Leute laufen noch mit den Polsterwaffen hinter dem Gürtel rum. Das habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen, da es ja Waffenholster für den Gürtel indessen erschwinglich an jeder Ecke zu kaufen gibt (zumindest sind sie weitaus günstiger als die Polsterwaffe selbst). Und verdammt, das ist doch echt unbequem!

Orks
Wow. Die Orks machen schon was her, wenn sie alleine oder gemeinsam unterwegs sind. Da bekommt man schon Angst und macht um sie einen weiten Bogen. Seit dem Film „Herr der Ringe“ hat sich die Orkszene gewandelt, wenn ich an die frühere Darstellung denke. Es macht einen tollen Eindruck. Einen etwas anderen Blick erhält man jedoch, wenn man mit Leuten spielt, die schon lange vor dem Film Orks gespielt haben. Zu einer Zeit, als ein Ork noch anders ausgesehen hat (also keine Maskenteile, nur Schminke, etc.) – wie hier. Also als ein Ork noch nicht zwingend ein „Mordor-Ork“, also ein Ork im Stil vom HdR-Film sein musste. Das scheint aber indessen so zu sein, weshalb viele altgediente Orkspieler nicht als Ork zu einem Großcon fahren. Weil sie ohne ein „Mordor-Ork“ zu sein gar nicht ernst genommen werden und ein Ork 2. Klasse (wenn überhaupt) wären. Schade, denn ich kenne auch richtig gute Orkspieler, die nicht im Stil von HdR rumlaufen …

Das waren noch ein paar Punkte und ein paar Gedanken von mir, die ich so nicht in meiner Review schreiben wollte (diese und dieser Text hier sind ja auch so lang genug). Ich persönlich hatte zumindest auf dem Con verdammt viel Spaß und es steht schon fest, dass es nicht mein letzter Besuch in den Drachenlanden gewesen sein wird. Dazu aber sicher irgendwann mehr und detaillierter.

Stand der Dinge: Fotografie und Larp.

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Verdammt, ich habe das dumme Gefühl, dass ich mich gerade hinsichtlich des Blogs wieder in einer Talsohle befinde. Entweder schreibe ich mehrere Artikel pro Tag oder lange Zeit gar nix. Aber da es genug Pflichten im Leben gibt muss man sich nicht noch mit dem Blog eine Pflicht auferlegen – ergo bleibe ich dabei zu schreiben, wenn ich Lust und Zeit habe. Wobei das Erste mit dem Zweiten zusammen hängt, denn wenn ich wenig Zeit habe, habe ich auch selten den Kopf genug frei, um Lust zu haben.

Und wenn ich den Kopf frei habe (oder frei haben will), dann schnappe ich mir aktuell lieber meine Kamera und mache mich auf den Weg. Der Kauf der Nikon D3000 war definitiv eines der besten Ideen, die ich in den letzten Monaten gehabt habe. Auch wenn ich natürlich schon ständig neidisch auf die professionellen Kameras und tollen Objektive und was einem an dem Hobby Fotografie noch so arm machen kann schiele muss ich mehr und mehr erkennen, dass es im Endeffekt nicht auf das Equipment ankommt, sondern auf das richtige Auge. Selbst die beste Technik kann das nicht ersetzen.

Was ich so an Feedback bekomme scheine ich das Auge zu haben. Und Jeder ist eingeladen mit Lob und auch konstruktiver Kritik (schließlich will ich mich verbessern) nicht zu sparen, indem er oder sie auf meiner Fotoseite www.eifelrabe.de ein oder mehrere Kommentare hinterlässt ;-) Wobei ich, wie an obigem Bild zu sehen, auch Photoshop nutze, um die meines Erachtens passende Bildaussage zu erlangen. Möchte aber betonen, dass ich mich als photoshopender Fotograf und definitv nicht als fotografierender Photoshoper verstehe.

Näher rückt auch das Drachenfest, wie schon mal angekündigt. Der Packstress wirft seine Schatten voraus und hoffentlich eine fröhliche und gemütliche Woche im Land der Drachen. Natürlich werde ich mit Askir dort sein, denn schließlich will ich es in den Tavernen gemütlich angehen lassen und nicht in irgendwelchen Schlachten in vorderster Reihe stehen. Meine Kamera jedoch werde ich nicht mitnehmen, nur eine Kompaktkamera, denn ich will ja nicht, dass meinem Equipment etwas passiert. Etwas Anderes wäre es, wenn ich als Confotograf dort wäre, was ich auch gerne machen würde. Auf dem Con „Schattenthal 4“ habe ich das auf Bitten der Orga gemacht und die Fotos kann man hier finden. Also: Wer einen Confotografen braucht kann mich ja gerne mal fragen.

Das muss für heute als Zwischenstand aber reichen ;-) Vielleicht komme ich ja nach dem Drachenfest mal wieder dazu mehr zu schreiben …

Written by Rabe

20. Juli 2010 at 22:03

Fundstück 036: Geschichtsirrtümer.

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Die Welt früher war anders, als man sie heute aus vielen Filmen, Romanen oder als Rollenspieler kennt oder zu kennen glaubt. Ein Ritter kann nicht ein Pferd für den Preis von zwei Kühen kaufen, sich mit einem eisernen Schild, einem Streitkolben und einer stählernen Ritterrüstung eindecken, von seinem einzigen Diener, dem Knappen, per Kran in die Steigbügel heben und sodann in gestaffelter Formation in die Schlacht gegen die Phalanx der barbarischen Kelten gallopieren, denn so war es einfach damals nicht. Die oben geschilderte Szene enthält zum Beispiel bezogen auf die „echte Welt“ ganze dreizehn sachliche Fehler. Verwundert? Wenn ja, dann schmöker bei uns mal ein bisschen…

http://geschichtsirrtuemer.teucom.net/wp/

Wald + Schnee + Askir :

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 Mein Larp-Charakter Askir aus Aventurien
mit seiner Kleidung (u.a. dem neuen Mantel)
auf dem Weg durch einen winterlich verschneiten Wald.

Written by Rabe

1. Februar 2010 at 10:26

Regelfetischisten marschieren.

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Kennst Du auch diese Menschen, die auf jeder noch so irrelevanten Regel rumkauen und jeden Verstoß anprangern, als ging es dabei um ihr Leben? Für die ein Regelverstoß eigentlich mit einer Todesstrafe oder zumindest lebenslanger Ächtung und Bann bestraft werden müssten? Leute, die scheinbar die Ansicht vertreten, dass unreglementierte Freiheiten des Individuums nur zu einem Untergang der Zivilisation führen können und Vertrauen in den gesunden Menschenverstand ja ganz nett ist, aber nur Gesetze und Regeln absolute Gewissheit bieten, dass es so läuft, wie es laufen soll? Die der unverrückbaren Ansicht sind, dass ihre Standards die einzige seeligmachende Art und Weise auf richtige und sinnvolle Weise zu leben darstellen und unbedingt auch für alle anderen Leute zu gelten haben?

Anders gesagt: Mir (und Dir) kann man nicht vertrauen selber eine gute und richtige Entscheidung zu treffen. Daher ist es zwingend erforderlich, dass man bevormundet und sich immer und überall an von irgendjemand aufgestellte Regeln zu halten hat. 

Oh, natürlich gibt es Regeln, die das menschliche Zusammenleben organisieren müssen, weil wir sonst als Gesellschaft nicht funktionieren können. Es gibt über viele Dinge einen gemeinsamen Konsens, welche Regeln einfach zwingend erforderlich sind, wie z.B. „Du sollst Niemanden töten“. Aber gerade in Deutschland scheint es oft, dass man einfach alles regeln muss. Im Endeffekt bleibt uns nur noch wenig Freiraum für Kreativität, denn alles ist normiert und festgelegt. Meist sogar über unsere Köpfe hinweg.

Und wenn dann diese Regelfetischisten mal anfangen sind sie ja auch kaum zu bremsen, oder !? Als wäre es nicht schlimm genug, dass unser Leben in den Bereichen Staatswesen, Arbeit und Finanzen schon mit tausenden von Regeln gepflastert wäre gilt es dann ja auch noch die vielleicht noch nicht bis in den letzten und kleinsten Winkel unseres Daseins mit Regeln ausgefüllten Bereiche unseres Lebens mit eben jenen zu füllen: Unsere Freizeit und unsere Hobbies. Und damit beziehe ich mich hier (wen wundert es?) auf das Liverollenspiel bzw. Larp.

Ich sehe Regelwerke als Richtlinien und nicht als festgeschriebene Gesetze, an der man sich auf Strafe im genauen Wortlaut des Wortes zu halten hat. Sie geben mir eine grobe Anleitung für ein Spiel, das aber erst durch die Kreativität des einzelnen Spielers wirklich Leben erhält. Mir ist dabei schönes Rollenspiel und eine tolle Show wichtiger als das sture Nacheifern vorgekauter Anleitungen.

Wenn ich mir im Zuge meiner Rezension zum neuen DragonSys-Regelwerk 3rd Edition (hier und hier) einige Diskussionen im Netz durchlese und ich mich dabei noch an eine Diskussion in einem Larp-Forum vor einigen Monaten erinnere, dann muss man feststellen, dass es im Larp Leute zu geben scheint, die der Ansicht sind, dass gutes Rollenspiel nur auf Grundlage von starren Regeln erfolgen kann und dass das Rollenspiel besser wird je mehr Sachen festgeschrieben sind. Und wehe man weicht auch nur einen Hauch von diesen Regeln ab, denn das Argument, dass es doch toll ausgespielt war ist hinfällig. Schließlich definiert sich gutes Rollenspiel nur durch strikte Einhaltung der Regeln.

Ohne dass man für den Zauber „Versteinern“ eine echte Fossilie nutzt und zerstört (Wer auf die Idee kam hat auch ein gestörtes Verhältnis zu Zeugnissen der Erdgeschichte, oder !?) und die vorgegebenen Wörter nach „Liber Magica“ aufsagt wird man nach diesen Leuten kein Ergebnis erzielen. Auch wenn der weitaus längere Zauberspruch viel besser ist und auch die Komponente gut aussieht. Aber der Spruch kann nicht schöner klingen und die Komponente besser zum Charakter und der Situation passen – wenn es im Regelwerk anders vorgesehen ist, kann und darf es kein besseres und stimmungsvolleres Rollenspiel sein.

Ich könnte das jetzt noch länger ausführen, denn es gibt genug Beispiele für den Klang der Marschmusik der Regelfetischisten und Du weißt sicher, was ich meine und worauf ich hinaus will. Zum Einen die Feststellung, dass mein Larp nicht das Larp von anderen Leuten sein muss. Ebenso wenig muss das Larp der Regelfetischisten mein Larp sein. Und darüber bin ich echt froh. Aber ich könnte kotzen, wenn ich während des Spiels von Regelfetischisten belästigt werde und sie mein Spiel stören. Ich will nicht während des Spiels, während einer laufenden Aktion belehrt und erst recht nicht bevormundet werden.

Ich will meinen Mitspielern nicht über Regeln diskutieren. Ich möchte mit ihnen interagieren und mich von gutem Rollenspiel überraschen und fesseln lassen.

Written by Rabe

27. Januar 2010 at 10:25

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Rezension | DragonSys 3rd Edition | Teil 1

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Wie schon in einem vorherigen Beitrag angekündigt habe ich mir das Larp-Regelwerk DragonSys in der 3rd Edition gekauft – und jetzt ist die Zeit gekommen für eine Rezension. Dabei werde ich diese in verschiedene Teile gliedern (wahrscheinlich vier Stück), weil es doch etwas länger werden könnte. Gerade falls eine Diskussion auftreten sollte (was ich  hoffe) sind Sinnabschnitte ebenfalls sinnvoll.

Rein optisch kommt das Regelwerk sehr schick daher. Dabei lässt es sich hinsichtlich Schriftart und -größe gut lesen, trägt mit seinem Layout aber auch dem Fantasy-Genre Rechnung. Mit 79 Seiten ist es schmaler als die bisherigen DragonSys-Regelwerke, zumal es auch Trankregeln  und die Magieregeln beinhaltet – für nur 9,90 €. Nur fehlt eine Übersichtstabelle, damit man nicht immer im Buch die einzelnen Fähigkeiten heraus suchen muss. Dabei richtet sich das Buch mit den meisten Erläuterung an Anfänger im Hobby-Larp, wobei mir die Larp-Philosophie, die durch klingt, an sich gut gefällt:

Alles in allem: LARP findet zum Vergnügen der Teilnehmer statt. Daher ist es eigentlich das Wichtigste, dass möglichst jedermann sich gut amüsiert.

Mehr muss man an sich nicht über das Thema verlieren, so dass man sich der Charaktererstellung zuwenden kann. Dabei orientiert sich die 3rd Edition an der Classic-Version und 2nd Edition, so dass der universelle Charakter, der grundsätzlich alles lernen kann, die Hauptcharakterklasse darstellt. Da der universelle Charakter auf Grund der geringeren Punkte früher eher selten anzutreffen war ist der Unterschied zum spezialisierten Krieger oder Magier in der 3rd Edition geringer: 50 EP zu 60 EP beim Start und 5 EP bzw. 6 EP pro Contag (2nd Edition 50/70 und 5/7). Damit wird der universelle Charakter aufgewertet – ebenso wie mit der jetzt fehlenden Einschränkung, dass er keinen Meister bzw. Großmeisterstatus erreichen kann.

Rassenfähigkeiten gibt es, im Gegensatz zu DragonSys Classic, 2nd Edition und DNZ (Das neue Zeitalter), gar nicht mehr. Wer eine Fremdrasse spielen möchte erhält dadurch keine Vorteile, denn ausschließlich die Lust an der guten Darstellung der Fremdrasse sollte Grund sein ein solches Wesen zu spielen. Ebenso verhält es sich mit den Vor- und Nachteilen, die man sich bei vorherigen Regelwerken zulegen konnte. Jetzt startet jeder mit den selben Voraussetzungen und andere bzw. besondere Wesen zu spielen hat allein darstellerische Auswirkungen, was ich sehr begrüße. Gerade im Gegensatz zu dem stark reglementierten DNZ ist die Erstellung eines Charakters mit der 3rd Edition einfacher und schneller, ebenso ist die Heilkunde für alle Charakterklassen erlernbar. Apropos Heilkunde:

Mein wohl größter Kritikpunkt am Regelwerk betrifft die Fähigkeit Heilkunde. Zwar ist sie im Vergleich mit der 2nd Edition besser ausgearbeitet, wo diese Fertigkeit 30 EP kostet, aber insgesamt 60 EP für einen voll ausgebildeten Arzt ist einfach zu gering. Vor allem, wenn man mit 150 Punkten Meistermagier wird und auch beim Fachwissen 100 EP benötigt, um in seinem Fach meisterlich zu sein. Daher wäre meines Erachtens statt Heilkunde 1 (20 EP, Sanitäter), Heilkunde 2 (40 EP, Arzt) und Heilkunde 3 (80 EP, Chirurg) eine Abstufung in Heilkunde 1 (20 EP, Sanitäter), Heilkunde 2 (40 EP, Bader), Heilkunde 3 (100 EP, Arzt) und Heilkunde 4 (200 EP, Chirurg) als aufeinander aufbauende Fähigkeiten besser und gerechter gewesen. Zudem hätte es den meiner Erfahrung nach gespielten Realitäten eher entsprochen.

Ebenfalls kritisch sehe ich die Regenerationsstufen, die meines Erachtens gerade für menschliche Charaktere einfach zu stark sind. Man muss auch bedenken, dass jede höhere Regenerationsstufe das Spielpotential für die Heiler verringert. Auch die indessen oft gespielte Erfordernis der Reinigung der Wunden, bevor sie zugehen, ist nach dem Regelwerk nicht erforderlich. Gerade die Fähigkeit „Regeneration 4“ finde ich zu stark und glaube nicht, dass ich sie als SL zulassen würde. Heilung aller Wunden innerhalb von 15 Minuten und Nachwachsen abgeschlagener Körperteile innerhalb einer Stunde braucht (sozusagen) kein Mensch.

Eine gute Idee ist meiner Ansicht nach die Einführung der Fähigkeit „Fachwissen“. Es wird nicht mehr vorgegeben, dass es nur bestimmte Fachgebiete gibt (wie Geschichten und Legenden, Schriften, Spurenlesen, etc.), sondern jeder kann Fachwissen in gewissen Bereichen erwerben und auch weitere Fachgebiete dazu nehmen, wenn es zum Charakter passt (z.B. Rechtskunde, Werwolfskunde, Kryptozoologie, etc.).

„Niederschlagen“ heißt endlich nicht mehr „Pömpfen“ (ich frage mich noch immer, wer sich damals diese Wort hat einfallen lassen, was grausigerweise indessen sogar seinen Weg in die IT-Konversation gefunden hat). Aber warum es eine Fähigkeit „Niederschlagen“ geben muss und man nicht jedem Charakter zugestehen kann, jemandem mit einem stumpfen Gegenstand auf den Kopf zu hauen, verstehe ich ehrlich gesagt nicht.

Wer gemeuchelt wird, der verliert alle Lebenspunkte und sinkt ohnmächtig zusammen – aber er ist nicht tot und stirbt bzw. verblutet auch nicht schneller, als wenn man in einer Schlacht alle Lebenspunkte verliert. Erst durch einen angesagten Todesstoß (für den es meines Erachtens gegen SCs faktisch nie einen wirklichen Grund gibt) kann ein Charakter sterben. Ich wusste es erst gar nicht, aber diese Regel stand schon so in der 2nd Edition. Mir wurde die Funktionsweise des Meuchelns in den ganzen zehn vergangenen Jahren immer anders erzählt. Dabei ist diese Regelung wirklich gut.

Da wir gerade vom Sterben eines Charakters sprechen, bleiben wir doch direkt dabei. In der 3rd Edition wird klar auf die Verantwortung eingegangen, die man im Umgang mit dem Tod anderer Charaktere hat, denn es gibt „in fast allen Fällen und für beide Seiten elegantere und spielerisch wertvollere Lösungen als brutalen Mord.“ Außer in Fällen, in denen ein Todesstoß gesetzt wird oder ein Gift bzw. eine Falle eine entsprechend adäquate Wirkung hat, scheint das neue Regelwerk die Opferregel zu präferieren, was ich generell im Larp noch stärker befürworten würde.

In vielen Foren findet man bezüglich der 3rd Edition die Kritik, dass man keine Punkte mehr für einen Adelstitel ausgeben muss. Im DNZ war es anders: Hier musste man für gewisse Adelstitel bestimmte Fähigkeiten können. Im Endeffekt finde ich aber den kompletten Wegfall der Adelsfrage in der 3rd Edition gut, denn Adel definiert sich nie über Punkte, sondern über das Spiel. Und das heißt in erster Linie Kleidung, Ausstattung, Auftreten und Gefolge. Getreu dem alten Motto:

Gutes Spiel ersetzt Punkte, aber Punkte ersetzen nie gutes Spiel.

Und ich denke mit diesem guten Zitat (der übrigens nicht im Regelwerk steht) möchte ich den ersten Teil  beenden. Demnächst werde ich mich mit dem Tranksystem und mit dem Magiesystem der 3rd Edition von DragonSys beschäftigen. Und jetzt hoffe ich hier über die Kommentarfunktion auf eine rege Diskussion bzw. Eure Meinungen zu den angesprochenen Regeln.

Written by Rabe

25. Januar 2010 at 07:43

Conbericht: Amonlonder Akademie 4.

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Am Freitag ging es nach der Arbeit zur ersten Liverollenspiel-Veranstaltung 2010 in das Schullandheim Haus Dalbenden. Auch dank Tear’asel *, die mich mitnahm, und Cornelius, der  meine (OT-)Freundin Alanis sowie unser Gepäck, gefahren hat. Ich hatte mich, wegen meiner Phase der Conmüdigkeit, recht spät angemeldet und es ist nur der Freundlichkeit der Orga um Malglin geschuldet, dass ich überhaupt noch teilnehmen durfte – mit der Option auf einem Feldbett zu schlafen.

Letztendlich fand sich bei Myra und Cornelius noch ein freies Bett, so dass es dazu nicht kam. Sachen aufs Zimmer schleppen (natürlich im obersten Stockwerk), einrichten und auf zum Check-In. Bei Amonlondecons üblich, aber leider heute allgemein recht selten, gab es Startgeld: 3 Kupfermünzen pro Person. Damit glücklich gemacht begann vor dem Aufstieg ins Zimmer die übliche Begrüßungsrunde.

Man darf nicht unerwähnt lassen, dass amonlondische Cons immer etwas von einem „Familientreffen“ haben. Dabei gesellen sich auf jedem Con neue Spieler, die man kennen lernen darf, der dreckigen „Verwandschaft“ hinzu. Es spricht für sich, wenn Spieler aus Kiel, Berlin und Salzburg für das Akademiecon anreisen. Drei Geburtstage standen dabei auch noch auf dem Programm, daher hier noch mal herzliche Glückwünsche an Maglor, Antonio und Renirja.

Umziehen: Hagen geht, Askir kommt.

Während die Akademiker sich im Haupthaus zum förmlichen Empfang versammelten, haben Brin und ich ganz unförmlich einen durch eine Tasche „reservierten“ Tisch annektiert. Dabei haben wir eine gute Standortpolitik betrieben: Wir waren direkt neben dem Buffet. Essen und ab in die erste Vorlesung: Chiffren, gehalten von Aldwyn von Mahlenstig. Interessant, was es für etliche Arten der Verschlüsselung von Texten gibt, aber für einen Freitagabend wohl etwas komplex. Der Freude über das neu erlangte Wissen gesellte sich nach der Vorlesung die Freude über die noch freien Plätze in der Taverne hinzu.

Bald waren Brin und ich nicht mehr allein, sondern von Gleichgesinnten umgeben, die mit uns der hohen Kunst des Würfelspiels nachgingen und alkoholische Getränke verkosteten. Dabei hat sich Askirs Getränk (meine Wahl war auf ein „Bailey Mint Chocolate“ gefallen) als sehr süffiger Gaumenschmaus heraus gestellt, den ich sicher nicht das letzte Mal auf einer Reise dabei hatte. Unter den Mitspielern befand sich auch Ismael, den ich zuvor schon mal in Mythodea getroffen hatte – und sich ebenfalls als Aventurier heraus stellte:

Askir: „Und wo kommst Du her?“
Ismael: „Aus Havena.“
Askir: „Wirklich? Ich komme aus Orkendorf.“
Ismael: „Wo ist denn das? Liegt das in der Nähe der Orkenlande?“
Askir: „Orkendorf ist ein Stadtteil von Havena.“

Im Grunde hat nur noch Varik von Havena gefehlt, aber dafür saß ja sein anderes Ego Rashvan am Tisch. Es war eine lustige Runde, zu der sich später noch Magistra Kandra aus Winhall hinzu gesellte. Während dieser Stunden zeigte sich auch schon der praktischen Nutzen meines neuen Seesacks: Durch den Schokozwieback und die Schokolade, die ich mit hatte, gab es immer etwas für Zwischendurch. (ergo werde ich  auch in Zukunft nicht darauf verzichten). Habe ich auch etliche Münzen verloren, war es doch ein rundum gelungener, entspannter Tavernenabend, der erst spät in der Nacht endete.

Natürlich forderte die lange Nacht ihren Tribut und ich habe prompt die Vorlesung „Geheimschriften“ von Nyro Mythenreich verschlafen. Ärgerlich. Was für ein Glück, dass Brin früh genug wach war und mir später den Inhalt erzählt hat. Die Zeit bis zur nächsten Vorlesung habe ich mit einem Waffentraining mit Arnulf unter ergänzenden Erläuterungen von Ritter Algonkin vom Felsenturm überbrückt (bei dem ich mehr gelernt habe, als in den letzten Jahren Larp). Und natürlich dem Mittagessen, dass aus Nudeln mit Hackfleischsauce bestand.

„Schlösserkunde“ bei Gregor, Sohn des Grog, war die zweite (und letzte Vorlesung), die ich besucht habe. Anhand von verschiedenen Schlössern und improvisierten Werkzeugen probierte man sich theoretisch und praktisch im Öffnen von Schlössern – für den Fall, dass man man den Schlüssel verlegt hat *hüstel*  Da die restlichen Vorlesungen eher der höheren Magieanwendung bzw. -theorie galten hat Askir (ergo: ich) das gemacht, was er am Besten kann: In die Taverne sitzen und gut aussehen.

Apropos Taverne: die Taverne „Zum brennenden Tisch“ fand ich sehr stimmungsvoll und ich habe mich in ihr sehr wohl gefühlt. Die Musik war gut, aber nicht zu laut, als dass man sich nicht hätte unterhalten können. Meist waren nur Kerzen als Beleuchtung vorhanden. Und die Ausgelassenheit hat, zumindest an unserem Tisch, nie zu wünschen übrig gelassen. Vielleicht hätte man (vor allem am ersten Abend) etwas stärker lüften sollen – aber ich will gar nicht wissen, wie schlimm die Luft gewesen wäre, wenn man im Schankraum hätte rauchen dürfen. Pro Rauchverbot in Tavernen !!!

Aber ich bin immer noch überzeugt, dass es sinnvoll wäre die Taverne der Akademie etwas zu erweitern, auch wenn Akademieleiter Zylo meinte, dass das Akademiebudget dafür nicht ausreichen würde. In den Stoßzeiten (sprich: wenn es Essen gab) gab es zu wenig Sitzplätze, was nicht besser wird, wenn die Leute nach dem Essen noch sitzen bleiben, während Andere im Stehen essen müssen, oder die Barden ihre Instrumente auf einen Tisch legen und dann an einem anderen Tisch essen. Was ich auch nicht verstehe ist, warum es bei Larp-Tavernen scheinbar zum normalen Bier nicht auch Radler bzw. ein Mixgetränk als Alternativangebot geben kann. Wobei der Verkauf von „Baulaner“ auch eine interessante Idee war :-D

Das Abendessen stand unter dem Motto „Matsch für die Mittellande, Braten für Amonlonde!“: Hähnchenspieße, Spießbraten, Reis und etliche Salate standen reichlich bereit. So reichlich, dass ich noch nach Mitternacht ein Stück Spießbraten erobern konnte. Nach dem Essen konnte man Massagen buchen, noch einigen Vorlesungen lauschen, sich zu Diskussionrunden treffen, höfische Tänze einstudieren, in Separées feiern, … – oder den Abend in der Taverne verbringen. Ratet mal, wo Askir anzutreffen war ;-)

Doch zwischen dem Essen und dem Tavernenbesuch wurde zu meiner Freude ein Götterdienst abgehalten. Die erste „Messe“ für die aventurischen zwölf Götter, der ich beiwohnen konnte. Gehalten wurde die Andacht durch die Hesindegeweihte Gerjana Ares und dem Diener der Marbo innerhalb der Boron-Kirche zu Punin,  Jason Andravor. Dabei habe ich mich nicht nur über die rege Beteiligung gewundert, sondern auch über die doch große Anzahl an aventurischen Charakteren, die im Larp zu finden sind. Ich habe das Gefühl, dass deren Anzahl in den letzten Jahren stark gestiegen ist.

Es folgten einige Runden Würfelspiel in wechselnder Besetzung (Ariman, Baltharsar, Ivoreth, Don Wassily, Brin, …), bis sich die lustigste Runde des Wochenendes mit Brin, Ismael, Wiesel, M…aike, Baul tar Shar, Ivoreth und Askir zusammen fand. Wenn ich mich recht entsinne begann es damit, dass Baul die Mondelbe Ivoreth zu verführen suchte – und leider wäre jeder Versuch das sich daraus entwickelnde Gespräch hier wiederzugeben zum Scheitern verurteilt. Ich will nur soviel sagen: Mein Bauch schmerzte vor Lachen.

Nachdem ich mich in der Taverne verabschiedet habe hat es noch gut zwei Stunden gedauert, bis ich mal im Bett war, weil ich immer wieder Leute getroffen habe – ich glaube es muss gegen die 4. Stunde gewesen sein, als ich endlich zum Schlafen kam. Und damit verschwandt Askir erst mal wieder und am nächsten Morgen war packen angesagt, dann frühstücken – und gegen 11.30 Uhr war ich dann wieder zu Hause.

Mein Fazit: Ein schönes, entspanntes Wochenende mit netten Leuten, von denen man Einige schon lange nicht mehr gesehen hatte. Genau das Richtige für Askir (IT) – und für mich (OT): Liverollenspiel als Kurzurlaub von der Realität, um einfach die Seele baumeln zu lassen. Ich hatte sehr viel Spaß und mein Dank gilt den Menschen, die das Con organisiert und ermöglicht haben als auch denen, mit denen ich meine Zeit verbringen durfte. Schade nur, dass man nie genug Zeit für alle Leute hat – aber ich hoffe stark darauf, dass es auch 2011 wieder eine amonlondische Akademie gibt. Ich werde gerne wieder dabei sein, wenn ich es terminlich einrichten kann.

Meine Fotos von hier, weitere Berichte und Bewertungen (früher oder später) auf meinem Forum FantasticCulture, auf dem Forum Larp-Ahr und bei den Chaos-Larpern.

* Ich verzichte hier auf die Nennung der Real-Namen, sondern nutze die Charakternamen.

Auch wenn der Text lang ist, so ist doch nicht jedes Gespräch und jede Begebenheit enthalten. Aber zum Einen muss man Prioritäten setzen, zum Anderen muss man ja OT nicht Alles wissen ;-)