RabenZeit

Auf der Suche nach dem goldenen Zeitalter.

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Fantasy-Architektur: Realismus vs. Klischee.

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Im Larp eine bespielbare Stadt darzustellen endet meist auf Grund der möglichen Ressourcen in einer Zeltstadt, wie man es von den Großcons Drachenfest und Mythodea her kennt. Doch vor unserem inneren Augen haben wir doch primär die Bilder von Ortschaften wie Bree und Hobbingen aus dem „Herr der Ringe“ und von Freilichtmuseen wie z.B. in Kommern oder das Ukranenland.

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Sie sind es, die unsere Vorstellung einer mittelalterlichen Ortschaft prägen. Dabei sind die Freilichtmuseen Ausdruck einer früheren, historischen Realität, während die heutigen Filme, seinen es Historienfilme als auch Filme aus dem Bereich Fantasy, bemüht sind eine möglichst realistische Architektur zu zeigen. Das bedeutet nicht nur eine Nähe zu der Realität, sondern auch eine Entwicklung einer logischen Architektursprache, die u.a. von den Ressourcen, Materialien sowie gesellschaftlichen und klimatischen Rahmenbedingungen beeinflusst wird.

2009-05-04-weltentor01Im Sommer dieses Jahres nun eröffnet zwischen Gera und Chemnitz der „Themenpark Weltentor„, der erste Fantasy-Themenpark im mittelalterlichen Ambiente mitten in Deutschland. Hier wird meines Eindrucks nach Liverollenspiel als Event im Stile eines Disney-Parks und Phantasialandes angeboten. „Das Gelände des Parks befindet sich auf dem Planeten Anwynor … Anwynor ist entwicklungsgeschichtlich ungefähr mit unserem 12./13. Jahrhundert vergleichbar. … eine an das Mittelalter angelehnte Fantasywelt, in der sich sowohl bekannte Elemente aus dem Früh- bis Hochmittelalter, als auch Elemente von Mythen, Legenden und Fantasien vereinigen. Das Zentrum dieser Welt ist eine Stadt mit unterschiedlichen Vierteln, wo ein jedes seinen ganz besonderen Charme und reizvolles Ambiente bieten wird.“

Besagte Stadt, die meinem Verständis nach eine auf dem Baustil des Mittelalters basierende Fantasy-Architektur beinhalten sollte, stellt jedoch nach Sichtung der Fotos die Mittelalter-Klischee-Kitsch-Ikone Neuschwanstein noch in den Schatten. Hier hat man von jedem Baustil etwas genommen, in einen Eimer geworfen, einmal geschüttelt und was raus kam irgendwie verbaut. Dabei sind Gebäude entstanden, die in dieser Art und Weise in der Realität nie gebaut worden wären. Auch nicht in einer Fantasy-Realität – wenn man sich mit der Thematik ein mal näher auseinander gesetzt hätte.

Ich will jetzt gar nicht mit dem architekturtheoretischen und architekturgeschichlichen Grundlagen anfangen oder näher in die technische Verarbeitung der Materialien eingehen (die man sicher so heute nicht mehr verarbeiten muss, aber es wäre doch schön, wenn es zumindest so aussehen würde)  bzw. ihre bauliche Zusammenstellung – es reicht schon ein Blick auf das Bild zu werfen und mit der Tragkonstruktion von Holzfachwerken zu vergleichen, um festzustellen, dass hier nur Fragmente der in vielen Köpfen als Klischee verhafteten vermeintlichen Stile als Patchwork realisiert wurden.

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Dass man heute nicht mehr die gleiche Art des Bauens realisieren kann (weil nicht mehr jeder diese Techniken beherrscht und es schlicht und ergreifend niemand bezahlen kann) ist mir bewusst, aber dennoch hätte man meines Erachtens eine realistischere Visualisierung erreichen können. Nicht nur eine Fassade an den britischen Tudor-Stil anlehnen und die anderen Fassaden vernachlässigen, sondern den Architekturstil durchgängig optisch darbieten hätte der Stadt einen Anschein von Realismus geben können, wo jetzt nur allzu offensichtlich Trugfassaden entstanden sind.

Schade um die verpasste Chance, die von Filmen und Museen in unserem Geist und unserer Phantasie geformten Bilder in eine realistisch anmutende Architektur, die wirklich auf der Historie und nicht auf Klischees basiert, umzusetzen.

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Projekt 52, Woche 27: Alte Gemäuer.

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Was das Projekt 52 angeht bin ich wohl etwas ins Hintertreffen geraten, aber ich hoffe, dass ich nach dem Umzug wieder etwas mehr Zeit finden werde. Bei der Sichtung der Themenliste habe ich zumindest schon einige Ideen, die ich hoffentlich schon bald hier veröffentlichen kann. Direkt ins Auge gesprungen ist mir das Thema der 27. Woche, das mit „Alte Gemäuer“ ja durchaus bei mir auch berufsbezogen ist. Zu diesem Thema steuere ich ein Foto aus Verden bei, das ein altes Fachwerkhaus zeigt und bei dem im Hintergrund der gotische Dom von Verden zu sehen ist. Ein Ort, der durch seine schöne Altstadt wirklich einen Besuch lohnt. Ich hoffe, dass ich bei meinem nächsten Aufenthalt in Verden auch in den Genuß eines Besuches im Inneren des Domes kommen werde.

Das Bild in einer höheren Auflösung findet man hier.

Written by Rabe

21. September 2008 at 11:31

Auf dem Mittelaltermarkt nichts Neues.

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Am Sonntag war ich auf dem Mittelaltermarkt „Spectaculum“ in Oberwesel. Jede zwei Jahre findet dieser Mittelaltermarkt statt und trotz der Liebe zum Detail, den strikten Vorgaben an die Schausteller, was deren Gewandung und ihren Stand angeht, und der Kulisse in der schönen Altstadt des Ortes am Mittelrhein musste ich feststellen, dass letztendlich alle diese Märkte sich doch stark gleichen und auch das Angebot überall an sich identisch ist. Dabei wird auf diesen Veranstaltungen ein mit vielen Klischees behaftetes Mittelalter gezeigt, das mit den historischen Fakten nur rudimentär etwas zu tun hat. Ein Mittelalter, wie es der von Hollywood geprägten Geschichtsauffassung und dem touristenkonformen Mainstream (und damit dem Kommerz) zuträglich ist.

Es beginnt mit der Taverne, in der Niemand daran denken würde den Wein wie in früheren Zeiten anzubieten. In den Schenken viel Fleisch (wer konnte sich das früher schon leisten) und gut abgeschmeckt mit Gewürzen, die sicher nicht nur aus Europa stammen. Irgendwo steht auch immer ein Badezuber rum, in dem sich manchmal einige Wagemutige unter den spöttischen Blicken des prüden und hygienegewohnten Publikums hinein wagen. Die Verkäufer von pseudomittelalterlichem Schmuck (von Symbolen der Mayas über die der Kelten und Wikinger bis zum modernen Gothic ist alles dabei) und von indessen durch den Mittelalterboom in Serie hergestellten Gewandungen dürfen dabei natürlich auch nicht fehlen (und von der Wikingertunika bis zum Dreispitz aus dem 18. Jahrhundert fehlt auch wirklich wenig).

Die Gruppen, die normal Reenactment machen und bei solchen Veranstaltungen gerne als Rahmenhandlung gebucht werden, oft als Schaukämpfer und für das Ritter- bzw. Landsknechtlager, sind dabei wohl die wenigen Personen, die wirklich Ahnung haben von den historischen Hintergründen und sich um wirkliche, einer Epoche zugehörigen Authentizität bemühen. Darüber hinaus gibt es aber dann noch weitere Mittelalterinteressierte, die ihre Zugehörigkeit mit dem Erscheinen in mittelalterlicher Gewandung für jeden sichtbar zum Ausdruck bringen müssen – und das selbst in Oberwesel, wo man durch diese Kleidung keinen Preisnachlass erhalten hat.

Ich für meinen Teil finde unsere moderne Kleidung sowohl bequemer als auch praktischer – aber da mag man unterschiedlicher Meinung sein. Aber wenn, dann bitte nicht in Gewändern aus Pannesamt, die aus den alten und schlechten Historienschinken aus den 50ern entstiegen scheinen. Keine Larper, die meinen als Fantasy-Barbar in Lederkilt mit Fellresten hier richtig zu sein. Nicht stolz mit Larp-Polsterwaffen oder dem Baum von Gondor auf dem schwarzen Umhang umher stolzieren. Das sind nur einige Beispiele, wie man sich krampfhaft bemühen kann sein Ego zu streicheln, weil man ja angeblich „dazu gehört“ und von den „normalen Touristen“ bewundernd angeschaut wird, während man sich vor allen, die sich ernsthaft um etwas Authentizität bei Mittelalterveranstaltungen bemühen, lächerlich macht.

Seit einigen Jahren entdecken immer mehr Gemeinden das Mittelalter für ihre Festivitäten für sich und entsprechend häufiger sieht man Werbeplakate für Mittelaltermärkte. Wenn ich an die Besuchermassen in Oberwesel denke muss ich verwundert feststellen, dass dieser Boom trotz eines größeren Angebotes ungehindert anhält. Eine Tendenz, die man auch im Liverollenspiel findet, das sich meines Erachtens in den letzten Jahren auch von einer Subkultur in ein Massenphänomen gewandelt hat. Ob das ein Ausdruck für Wehmut nach einer einfacher strukturierten Zeit war halte ich für etwas zu oberflächlich, aber warum gerade diese Epoche so starken Zulauf findet wäre doch mal eine nähere Betrachtung wert – irgendwann später vielleicht ;)

Doch es wäre ungerecht, wenn ich nicht ehrlicherweise zugeben würde, dass ich eine interessante Stunde auf dem Markt hatte: Ein Fachgespräch über den Bau und die Sanierung von alten Fachwerkbauten. Etwas, was aber wohl nur wenige Besucher des Marktes wirklich interessiert hat. Als Fazit kann ich nur feststellen: Ich für meinen Teil werde wohl so schnell keinen Mittelaltermarkt mehr besuchen, denn da gibt es selten etwas Neues.