RabenZeit

Auf der Suche nach dem goldenen Zeitalter.

Früher war Alles besser.

with 3 comments

Moderne Zeiten: diese Jammerei über den Schnee und das fehlende Salz in den Straßenmeistereien. Früher gab es das nicht. Da war der Schnee aber auch noch Schnee und Salz hatte man sowieso nicht. War ja viel zu teuer und wurde für das Pöckeln gebraucht. Damals wurde mit Asche gestreut – wenn überhaupt. Denn damals konnte man auch noch Auto fahren. Oder man blieb halt zu Hause. Bei Kerzenschein, denn während heute Glühbirnen verboten werden, versuchte man sie damals gerade zu erfinden. Und nah am Ofen, denn Niemand wäre auf die Idee gekommen im vereisten Boden nach Erdwärme zu graben. Abgesehen davon, dass wir in der Eifel eh steinreich sind – im wahrsten Sinne des Wortes.

Und wir waren früher viel reicher an Erfahrung. Zum Beispiel an der Erfahrung, dass die großen Hunde im Wald nicht mit dem Ball spielen wollen.  Das Wolfsrudel hat lieber mit einem selber gespielt. Damals konnten wir übrigens gut laufen und Haken schlagen. Die gemeinen Feldhasen haben das nur kopiert. Wir waren fit. Schließlich haben wir die Kühe von einem Feld zum anderen getragen, bis wir festgestellt haben, dass die auch selber laufen können. Wir sind jeden Winter in den Wald, um Holz zu schlagen. Wir haben unsere Häuser noch selber gebaut und noch öfter wieder aufgebaut.

Es war aber auch eine gefährliche Welt, geprägt vom ständigen Kampf des Lebens. Abgesehen von den Bäumen, die einmal im Jahr ausgeschlagen haben und der Kohl, der irgendwann anfing zu schiessen, gab es ständig Krieg. Auch Kriesch genannt. Nach dem Krieg war vor dem Krieg. Kartoffelkrieg, Kuchenkrieg, Rübenkrieg, … Damals drehte es sich viel ums Essen, denn einfach mal in einen Supermarkt gehen fiel infolge der Nicht-Existenz von Supermärkten aus. Kein Onkel-Aldi- oder Tante-Lidl-Laden auf jeder ehemals grünen Wiese. Wenn wir Fleisch essen wollten gingen wir nicht zum Metzger, sondern mit einem Messer und einer Axt in den Stall. Und Gemüse haben wir sowieso nur angebaut, damit unsere Viecher etwas zu essen haben.

Sowas wie Cholesterin gab es damals ja auch nicht. Es wäre Niemand auf die Idee gekommen sowas zu erfinden. Und selbst wenn es das gegeben hätte: Wir hätten es im Kriesch sicher besiegt. Wie damals die Kalorien, diese widerwärtigen Viecher, die als Schrankbesetzer die Klamotten enger nähen.  Der Fettrand am Fleisch wurde ja auch nicht weggeschnitten, sondern galt als Delikatesse. Wir haben das Recycling erfunden und nix weggeworfen: Sogar die Knochen konnten noch für den Geschmack in der Suppe sorgen. In den Zeiten der Not haben wir festgestellt, dass sogar die Pappe von Verpackungen schmackhaft sein kann.

In diesen Notzeiten konnten wir, während wir frierend vor dem Ofen und neben dem immer kleiner werdenden Holzstapel saßen, von der Klimaerwärmung nur träumen. Und wenn es uns schlecht ging, dann halfen uns die Nachbarn, anstatt uns zu verklagen, weil ein Blatt über den Zaun geflogen ist. Man lebte nicht nebeneinander, sondern miteinander. Gemeinsam wurden auch die Feste gefeiert, wie sie fielen. Damals waren Feste aber auch noch Feste. Dabei wurde dann auch nicht geziert am Wein genippt, sondern das selbst gebrannte Zeug gesoffen. Wenn man am dann am nächsten Tag ausschlafen wollte, wurde am Abend davor nicht der Handywecker ausgeschaltet, sondern der Hahn gefesselt und geknebelt.

Früher, ja früher war Alles besser. Und vielleicht fällt Jemandem ja noch was ein, was früher besser war …

Advertisements

Written by Rabe

11. Februar 2010 um 11:46

3 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Früher wurde ALLES verarbeitet :D Früher war im Hühnerfrikassee noch Herz, Leber, Magen und mehr! Die Sehnen wurden als Garne verwendet, Stoff wurde selbst gewoben, man trug zu jeder Jahreszeit selbstgestrickte Wollsocken.

    Kisi

    11. Februar 2010 at 12:23

  2. ah, das gefällt mir:)
    das mit den knochen erinnert mich an meine oma, die hat sie so oft ausgekocht, bis sie freiwillig zerbröselt sind.
    du fragst, was früher noch alles besser war:
    #mein opa, der mit dem luftgewehr auf die zigeuner geschoßen hat, weil sie unseren aufgesezten schnaps geklaut haben,
    #sauerkraut heimlich aus dem fass stibitzen*hmnlecker*
    #die gehäuteten kaninchen, die zum ausbluten im kirschbaum hingen-ich bin früher vor vielen kindern weggelaufen, aber bei uns zu hause war ich in sicherheit, da traute sich so schnell keiner her, wegen der kaninchen und dem luftgewehr,
    #meine mutter,die die hühner mit himbeeren gefüttert hat, die hatten irgendwie ne sehr symbiotische beziehung:)hach ja, früher…
    ach, und zum schnee:meine omahat uns kinder aus der straße damals auf den schlitten gepackt, unsere schulranzen über die eine schulter, und das seil vom schlitten über die andere, so hat sie uns zum bus gezogen.wenn ich heute meinen sohn zum kindergarten bringe, mit schlitten und schneegestöber, dann weiss ich erst, was das für ne leistung war

    Anita Wagner

    11. Februar 2010 at 13:12

  3. Ja, früher, als wir noch mit dem Böllerwagen durch die Eifel gefahren sind…

    Derek

    11. Februar 2010 at 13:32


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: