RabenZeit

Auf der Suche nach dem goldenen Zeitalter.

Einige meiner Gedanken zu Haiti.

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Wo kommen eigentlich die ganze Journalisten her, die für ein gelungenes Motiv fast auf den Verletzten rumkrabbeln? Kommen die über den gleichen, überlasteten Flughafen wie die Rettungskräfte? Wieso ist die Presse scheinbar näher am Geschehen, als die eintreffenden Helfer, die nur schleppend in die Einsatzgebiete kommen? Es wundert mich immer wieder – und trotzdem weiß ich, dass das sein muss. Warum? Weil erst die Medien eine Katastrophe machen. Ohne die erschreckenden Bilder, welche durch die Medien eingefangen werden und damit uns erreichen, würde die internationale Hilfe nicht in der Größe erfolgen und auch das Spendenaufkommen wäre geringer.

Apropos Spendenaufkommen. Mich nervt jetzt schon der Aufruf für Haiti zu spenden. Also mit der Angabe des Verwendungszweckes. Denn das bedeutet, dass das Geld auch nur für Haiti ausgegeben werden darf. Beim Tsunami vor einigen Jahren führte das letztendlich dazu, dass ein Jahr später die Organisationen wie bescheuert nach Projekten gesucht haben, weil noch Geld im Tsunami-Topf war. Geld, dass man sinnvoller woanders hätte ausgeben können, es aber nicht durfte. Daher: Wenn Ihr spendet, dann spendet der Organisation Eures Vertrauens – aber ohne Angabe des Verwendungszwecks. Es wird auf jeden Fall bei Menschen ankommen, die Hilfe nötig haben.

Da bleibe ich gerade beim Thema nötiger Hilfe. Denn es ist wieder schön zu sehen, wie ein Erdbeben ein sonst vergessenes Land und damit sonst vergessene Menschen in den Fokus der Öffentlichkeit bringen können. Und plötzlich sind diese Menschen auch wichtig. Der französische Minsterpräsident hat vorgeschlagen eine Haiti-Konferenz einzuberufen, wie man dieses ärmste Land der Erde aufbauen kann. [Q] Das hat ihn vor dem Erdbeben nicht interessiert – aber jetzt bringt es Sympathiepunkte in der Bevölkerung. Wie ich schon geschrieben habe: Eine Katastrophe entsteht an sich erst durch die entsprechende Medienpräsenz.

Der Kreis schließt sich und wir sind wieder beim Thema „Medien“. Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, wie sehr mich gerade BILD nervt mit ihrem „Killer-Erdbeben“. [Q] Kann sich Jemand erinnern, ob wir damals in Indonesien einen „Killer-Tsunami“ hatten oder in Myanmar einen „Killer-Wirbelsturm“? War das große Erdbeben in China eigentlich kein „Killer-Erdbeben“? Aber es klingt ja viel cooler und schlimmer, als wenn man nur von einem normalen, popeligen Erdbeben spricht, oder !?

Äh … da ich gerade Myanmar erwähne. Seit dem Wirbelsturm ist es um dieses Land auch wieder sehr still geworden, oder!? Damals, als viele Helfer die meiste Zeit auf dem Flughafen sitzen mussten, weil sie nicht helfen durften, gab es sogar Stimmen in der deutschen Presse, die über einen Einmarsch nachdachten, um die internationale Hilfe in dem Land durchzusetzen. Und heute interessiert Niemand mehr, dass das Land noch immer von den gleichen Leuten diktatorisch und menschenverachtend beherrscht wird. Und ich glaube nicht, dass das bei Haiti anders sein wird. Vielleicht wird nach der Katastrophe ein Aufbau durch Projekte stattfinden (was dem Land zu wünschen wäre), aber in spätestens zwei Jahren wird Haiti wieder vergessen sein …

Oder was meint Ihr?

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2 Antworten

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  1. Natürlich ist es schlimm, dass sich die Presse am Unglück anderer bereichert, doch das darf jetzt nicht interessieren. Es muss den Menschen geholfen werden und aus diesem Grund möchte ich alle, die diese Zeilen lesen, bitten den Opfern mit Spendengeldern zu helfen. Gisele Bündchen spendete sogar 1,5 Millionen US Dollar und ging mit gutem Beispiel voran.

    Lina

    15. Januar 2010 at 10:33

  2. Jepp. Nicht, dass das falsch verstanden wird: Spenden ist wichtig und nötig, um den Menschen zu helfen. Nur halt ohne Verwendungszeck meist sinnvoller ;-)
    Wo man sich sicher sein kann, dass die Spenden auch ankommen, ist z.B. bei der Aktion Deutschland hilft und der Welthungerhilfe oder dem Roten Kreuz.

    Der Rabe

    15. Januar 2010 at 10:45


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