RabenZeit

Auf der Suche nach dem goldenen Zeitalter.

Archive for Januar 2010

Ein paar Gedanken zum Projekt 52.

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Wie der fleißige Leser meines Blogs ja sicher mitbekommen hat, mache ich auch dieses Jahr wieder am Projekt 52 mit. Dazu gehört für mich auch, dass ich nur Bilder ins Netz stelle, die den Ansprüchen an mich und an meine Fotos genügen. Es gehört dazu, dass man sich mit den anderen Teilnehmern vergleicht und misst, um sich dadurch zu verbessern. Ebenso zählt dazu, dass man seine eigene Kreativität schult und sich bemüht mit seinen Figuren etwas Besonderes zu schaffen.

Dabei hilft einem natürlich schon die Auswahl einer guten Figur, wobei ich da einfach Glück gehabt habe. Man kann dabei auch Pech haben und die Figur ist in den Themen nur schwer umsetzbar. Doch wundert mich dabei die, zumindest subjektiv von mir so wahrgenommene, Plüschtierschwemme. Gerade wenn man jetzt noch zum Projekt hinzu kommt sollte man das meines Erachtens besser sein lassen und sich eine Figur bzw. ein Objekt suchen, das es noch nicht gibt.

Bei vielen Fotos fragt man sich auch, warum das Objekt bzw. die Figur überhaupt auf dem Bild ist. Es steht in keinem Zusammenhang mit dem Bildinhalt oder der Bildaussage und man weiß: Sie ist nur drauf, weil sie wegen den Projektvorgaben drauf sein muss. Ungeachtet dessen, dass das Foto vielleicht ohne das Objekt besser ausgesehen hätte. Fotos sind nicht nur plattes Abbild einer Wirklichkeit, sondern können Geschichten erzählen – und gerade das diesjährige Projekt 52 bietet sich doch dafür an.

Generell scheinen etliche Fotos gemacht worden zu sein ohne darüber nachzudenken und nur, weil man ja einen Beitrag machen muss. Ich glaube viele Teilnehmer hätten sich lieber etwas mehr Zeit genommen für ihre Kreativität und das Thema nachgereicht, als so auf Druck irgendein Ergebnis zu erzielen. Anders kann ich mir nicht einen Flecken Schnee im Garten erklären, auf das einfach das Objekt gepflanzt wurde. Oder die vielen Plüschtiere, die einfach im Schnee sitzen und sich den Allerwertesten ab frieren. Ebenso die vielen Figuren, die am Fenster sitzen und hinaus schauen. Spätestens nach dem zehnten Motiv dieser Art sollte man doch vielleicht mal überlegen, ob man Nummer 11 und 12 sein möchte.

Vielleicht ist es aber gut, dass es diese Beispiele gibt, weil dann die guten Fotos bzw. Fotoserien besonders aus der Masse heraus stechen. Ich bin bei meinen Betrachtungen der Ergebnisse besonders auf fünf Teilnehmer gestoßen, deren Fotos und Einfälle mich begeistert und berührt haben und ich jedem mit ihren Figuren nur ans Herz bzw. ans Auge legen kann: Woody, Little pink Monster, Stainboy, Stormtrooper und Ákunin.

Meine Beiträge findet man übrigens auf meinem Photoblog oder bei FlickR.

P.S. Auch wenn es jetzt sein kann, dass ich mir nicht viele Freunde gemacht habe, so spiegelt dieser Beitrag meine subjektive Wahrnehmung und Meinung wieder. Vielleicht erkenne ich auch in vielen Fotos die Kreativität einfach nicht – das kann ich nicht ausschließen. Aber vielleicht versteht man meinen Artikel ja auch für einen Aufruf nach mehr Kreativität. Wer weiß – vielleicht werde ich es ja durch die Kommentare erfahren ;-)

Written by Rabe

31. Januar 2010 at 10:47

Veröffentlicht in Fotografie, Kunst und Kultur, Projekt 52

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Mein Tag_Folge 002_30.01.2010

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Heute wusste das Wetter hier in Sinzig auch nicht, was es wollte. Die beiden Fotos wurden innerhalb von fünf Minuten von meiner Wohnung aus gemacht. Ich glaube mehr muss ich dazu nicht mehr sagen. Dabei habe ich aber heute festgestellt, dass ich der weißen Pracht immer noch nicht überdrüssig bin und Schnee einfach mein ästhetisches Empfinden anspricht. Ja, ich bin ein Wintermensch.

Zur Geburtstagsfeier meines Ältesten sind wir dann natürlich zu Fuß gegangen – sind ja nur etwa 10 Minuten. Draußen haben wir aber erst noch das Foto für das Projekt 52-Thema der Woche, „Wind und Wetter“, gemacht, dass man jetzt hier findet. Auf dem Weg haben wir die Abkürzung über den Friedhof genommen, der unter einer Schneedecke seinem Namen alle Ehre macht – und natürlich auch direkt für ein Foto herhalten musste [hier].

Als wir dann einige Stunden später wieder nach Hause gegangen sind war die Straße, die am Haus mit unserer Wohnung vorbei führt, dick mit Eis bedeckt. Natürlich hat es auch gekracht, weil ein Auto in ein anderes hinein gerutscht ist. Fast hätten wir kurze Zeit später das nächste Mal biegendes Metall gehört, als Jemand nicht verstanden hat, was ein Warnblinklich bedeutet und zu spät gebremst hat. Er konnte aber gerade noch rutschend ausweichen. Indessen ist auch die Polizei schon mehrfach vorbeigefahren.

Eigentlich wollten wir heute Abend ins Kino, in „Sherlock Holmes“, um genau zu sein. Auf Grund des Wetters und der Straßenverhältnisse haben wir uns aber für einen gemütlichen Abend daheim entschieden. Mit  Disneys „Tarzan“ oder Wagners „Siegfried“ und Amaretto-Apfelsaft. In dem Sinne wünsche ich Euch einen schönen Abend und Prost.

Written by Rabe

30. Januar 2010 at 20:52

Fotografie im Projekt 52 und im THW.

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Auch wenn ich beim Projekt 52 etwas hinterher hinken sollte, so bin ich zumindest nicht so abgeschlagen wie noch letztes Jahr. Aber wie ich schon zu Beginn gesagt hatte: Wichtiger als die Abarbeitung aller Themen ist mir die Veröffentlichung von Fotos, die meinem Qualitätsanspruch entsprechen. Und das betrifft Bildinhalt, Bildaussage, Komposition und die Technik. Wobei ich immer noch daran arbeite alle Funktionen meiner Kamera zu verstehen. Letztendlich präsentiere ich heute (in der 4. Woche) das Foto für das Thema der 3. Woche: „Freundschaft“ [hier]. Da hier in Sinzig wieder alles in weißer Pracht erstrahlt habe ich sogar die Hoffnung, dass ich noch im Laufe des Tages das Foto für die 4. Woche, Thema „Wind und Wetter“, machen kann.

Mein Foto zur 2. Woche vom Projekt 52 [hier] hat in den Kommentaren viel Lob erfahren, so dass ich mich nicht von einem Quentchen Stolz freisprechen kann. Darüber hinaus gibt es eine Projekt-52-Fansite, auf der drei verfolgende, kunststudentische Fans ihre persönliche Auswahl der 15 hochwertigsten Wochenbeiträge präsentieren [hier]. Mit meinen bisher zwei veröffentlichten Fotos bin ich (bei über 200 Teilnehmern an dem Projekt) zwei Mal in der Top-15-Liste gewesen, davon ein Mal sogar unter den Top-3-Favoriten. Auch wenn man erst mal sehen muss, wie das über das Jahr weiter geht, freut mich das natürlich.

Da wir gerade beim Thema Fotografie sind: Am Mittwoch haben sich das erste Mal die Fotobegeisterten aus der Helferschaft der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) in Sinzig getroffen. Dabei geht es primär nicht darum jetzt in einer Woche den Gerätekraftwagen zu fotografieren und in der nächsten Woche die Kettensäge aus allen Perspektiven. Wir wollen alle Themen anpacken, wenn wir uns regelmäßig treffen. An Wochenenden z.B. in Zoos, in Kirchen oder auf Blumenwiesen (natürlich erst in ein paar Monaten) und in der Woche zur Auswertung in der Unterkunft. Ich freue mich schon darauf und bin gespannt, wie dadurch meine fotografische Entwicklung gefördert wird.

Written by Rabe

30. Januar 2010 at 11:09

Zeichentalent.

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Meine Jungs scheinen mein Zeichentalent geerbt zu haben, auch wenn ich selber ehrlich gesagt in den letzten Jahren zu wenig geübt habe und gerade Menschen mir immer noch Probleme bereiten. Dafür finde ich aber das Fotografieren von Menschen um so interessanter und habe mich in den vergangenen Jahren eher auf die moderne Kunst gestürzt. Was mich daran erinnert, dass ich mich mit meiner Freundin mal wieder mit Acrylfarbe bewaffnet auf die Leinwand stürzen sollte.

Aber zurück zum Thema: Im Besonderen mein Ältester, der morgen seinen 13. Geburtstag feiert, ist derzeit fleissig am Malen und Zeichnen. Schon recht früh hat man gemerkt, dass er Spaß und Talent im Zeichnen von Comicfiguren hat – auch wenn eine zeitlang seine Motivation in erster Linie dem Abzeichnen und Entwerfen von Pokémons gegolten hat. Seitdem er aber zu Weihnachten ein Buch mit Erklärungen, wie man Manga-Figuren zeichnet, erhalten hat, gehen seine Zeichnungen einen neuen, den Manga-Style-Weg. Das Buch ist wirklich gut gemacht und ich denke an den hier gezeigten Beispielen (zwei von etlichen ihrer Art) kann man schon sehen, dass der Junge Talent hat.

Ich bin richtig stolz und freue mich schon was er und auch sein jüngerer Bruder (10 Jahre) noch so zeichnen werden. :-)

Written by Rabe

28. Januar 2010 at 13:26

Regelfetischisten marschieren.

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Kennst Du auch diese Menschen, die auf jeder noch so irrelevanten Regel rumkauen und jeden Verstoß anprangern, als ging es dabei um ihr Leben? Für die ein Regelverstoß eigentlich mit einer Todesstrafe oder zumindest lebenslanger Ächtung und Bann bestraft werden müssten? Leute, die scheinbar die Ansicht vertreten, dass unreglementierte Freiheiten des Individuums nur zu einem Untergang der Zivilisation führen können und Vertrauen in den gesunden Menschenverstand ja ganz nett ist, aber nur Gesetze und Regeln absolute Gewissheit bieten, dass es so läuft, wie es laufen soll? Die der unverrückbaren Ansicht sind, dass ihre Standards die einzige seeligmachende Art und Weise auf richtige und sinnvolle Weise zu leben darstellen und unbedingt auch für alle anderen Leute zu gelten haben?

Anders gesagt: Mir (und Dir) kann man nicht vertrauen selber eine gute und richtige Entscheidung zu treffen. Daher ist es zwingend erforderlich, dass man bevormundet und sich immer und überall an von irgendjemand aufgestellte Regeln zu halten hat. 

Oh, natürlich gibt es Regeln, die das menschliche Zusammenleben organisieren müssen, weil wir sonst als Gesellschaft nicht funktionieren können. Es gibt über viele Dinge einen gemeinsamen Konsens, welche Regeln einfach zwingend erforderlich sind, wie z.B. „Du sollst Niemanden töten“. Aber gerade in Deutschland scheint es oft, dass man einfach alles regeln muss. Im Endeffekt bleibt uns nur noch wenig Freiraum für Kreativität, denn alles ist normiert und festgelegt. Meist sogar über unsere Köpfe hinweg.

Und wenn dann diese Regelfetischisten mal anfangen sind sie ja auch kaum zu bremsen, oder !? Als wäre es nicht schlimm genug, dass unser Leben in den Bereichen Staatswesen, Arbeit und Finanzen schon mit tausenden von Regeln gepflastert wäre gilt es dann ja auch noch die vielleicht noch nicht bis in den letzten und kleinsten Winkel unseres Daseins mit Regeln ausgefüllten Bereiche unseres Lebens mit eben jenen zu füllen: Unsere Freizeit und unsere Hobbies. Und damit beziehe ich mich hier (wen wundert es?) auf das Liverollenspiel bzw. Larp.

Ich sehe Regelwerke als Richtlinien und nicht als festgeschriebene Gesetze, an der man sich auf Strafe im genauen Wortlaut des Wortes zu halten hat. Sie geben mir eine grobe Anleitung für ein Spiel, das aber erst durch die Kreativität des einzelnen Spielers wirklich Leben erhält. Mir ist dabei schönes Rollenspiel und eine tolle Show wichtiger als das sture Nacheifern vorgekauter Anleitungen.

Wenn ich mir im Zuge meiner Rezension zum neuen DragonSys-Regelwerk 3rd Edition (hier und hier) einige Diskussionen im Netz durchlese und ich mich dabei noch an eine Diskussion in einem Larp-Forum vor einigen Monaten erinnere, dann muss man feststellen, dass es im Larp Leute zu geben scheint, die der Ansicht sind, dass gutes Rollenspiel nur auf Grundlage von starren Regeln erfolgen kann und dass das Rollenspiel besser wird je mehr Sachen festgeschrieben sind. Und wehe man weicht auch nur einen Hauch von diesen Regeln ab, denn das Argument, dass es doch toll ausgespielt war ist hinfällig. Schließlich definiert sich gutes Rollenspiel nur durch strikte Einhaltung der Regeln.

Ohne dass man für den Zauber „Versteinern“ eine echte Fossilie nutzt und zerstört (Wer auf die Idee kam hat auch ein gestörtes Verhältnis zu Zeugnissen der Erdgeschichte, oder !?) und die vorgegebenen Wörter nach „Liber Magica“ aufsagt wird man nach diesen Leuten kein Ergebnis erzielen. Auch wenn der weitaus längere Zauberspruch viel besser ist und auch die Komponente gut aussieht. Aber der Spruch kann nicht schöner klingen und die Komponente besser zum Charakter und der Situation passen – wenn es im Regelwerk anders vorgesehen ist, kann und darf es kein besseres und stimmungsvolleres Rollenspiel sein.

Ich könnte das jetzt noch länger ausführen, denn es gibt genug Beispiele für den Klang der Marschmusik der Regelfetischisten und Du weißt sicher, was ich meine und worauf ich hinaus will. Zum Einen die Feststellung, dass mein Larp nicht das Larp von anderen Leuten sein muss. Ebenso wenig muss das Larp der Regelfetischisten mein Larp sein. Und darüber bin ich echt froh. Aber ich könnte kotzen, wenn ich während des Spiels von Regelfetischisten belästigt werde und sie mein Spiel stören. Ich will nicht während des Spiels, während einer laufenden Aktion belehrt und erst recht nicht bevormundet werden.

Ich will meinen Mitspielern nicht über Regeln diskutieren. Ich möchte mit ihnen interagieren und mich von gutem Rollenspiel überraschen und fesseln lassen.

Written by Rabe

27. Januar 2010 at 10:25

Veröffentlicht in Rollenspiel

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Was auf die Ohren: Do the Hustle.

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Lief gerade auf SWR1 und ist ja auch schon ein Klassiker:

Written by Rabe

27. Januar 2010 at 09:09

Veröffentlicht in Musik

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Rezension | DragonSys 3rd Edition | Teil 2

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Stand in der 2nd Edition von DragonSys noch ganz klar und unmissverständlich

Das Erlernen einer neuen Fähigkeit muss im Rollenspiel dargestellt werden und kann daher nur während der Spielzeit stattfinden.

findet man in der 3rd Edition jetzt zum selben Thema folgende Formulierung:

Der Spieler erhält eine gewünschte Fertigkeit für seinen Charakter automatisch, sobald er genügend Erfahrungspunkte investiert. Allerdings spricht nichts dagegen, das Erlernen einer neuen Fertigkeit auch im Spiel darzustellen.

Neben den nicht mehr erforderlichen Punkten für das Spiel eines Adligen, auf den ich schon im Teil 1 meiner Rezension eingegangen bin, steht die 3rd Edition des Larp-Regelwerks DragonSys vor allem wegen der oben zitierten Änderung und damit dem Wegfall des Lernzwangs in der Kritik, z.B. hier und hier. Da dieser Punkt in den Besprechungen so viel Beachtung findet und ich eine andere Meinung als die meisten Kritiker zu vertreten scheine widme ich ihm einen eigenen Teil in der Rezension.

Es war Intention der Verfasser der 3rd Edition das Regelwerk DragonSys Classic bzw. 2nd der im Laufe der Zeit veränderten Spielrealität anzupassen – und das hat es mit der oben zitierten Änderung auch gemacht. Ein Lernzwang würde an der Realität nichts ändern. Und ich kann an dieser Realität nichts Verwerfliches, Verdammenswertes und Schlimmes finden, weshalb ich auch die Formulierung im neuen DragonSys-Regelwerk im Sinne der Anpassung nur konsequent und richtig finde.

Wenn man sich über einen Lernzwang unterhält muss man dabei aber auch darüber sprechen, dass nur die wenigsten Charaktere einen Lehrmeister haben. Nur bei den Magiern ist das Lehrmeistersystem noch recht häufig anzutreffen. Doch nicht für jeden Charakter ist es stimmig sich einen Meister zu suchen und sollte man dann nicht ein konsequentes Charakterspiel über einen Lernzwang stellen? Und haben Charaktere nicht auch ein Leben zwischen den Liverollenspielveranstaltungen? Gerade Charaktere, die z.B. als Soldaten einem Land dienen,oder als Priester einem Orden angehören, werden in dieser Zeit in ihren Garnisonen bzw. ihrem Kloster ausgebildet, so dass neue Fähigkeiten Intime erklärbar sind. Noch stärker tritt das Problem bei den Klerikern auf, welche die höchsten bespielten Vertreter ihres Glaubens darstellen. Bei wem sollen sie lernen?

Abgesehen davon, ob das Lernen auf einem Con zum Charakter passt, benötigt man auch die Zeit dafür. Bei den normalen Abenteuercon, an denen man primär mit dem Plot beschäftigt ist, findet man selten die Ruhe und Zeit der 2-3 Tage, welche im DragonSys-2nd-Edition-Regelwerk vorgesehen sind, um eine neue Fähigkeit zu lernen. Was bleibt sind Akademie- und Ambientecons. Soll man nun Spieler, die Geld und Zeit investieren, um auf ein Con zu fahren und dort mit Action Spaß zu haben, durch den Lernzwang im Regelwerk zum Besuch von Ambientecons zwingen? Soll man mit einem Lernzwang jene Spieler bestrafen, die keine Lust auf Ambiente- und Akademiecons haben, aber sich auf Abenteuercons motiviert auf den Plot stürzen?

Ich habe auch Zweifel, ob das Lernen von Fertigkeiten über mehrere Stunden jedem Spieler Spaß macht. Wenn Jemand jeden Tag der Woche mehrere Stunden in einem Hörsaal sitzt oder in einem Büro vor dem Computer, dann kann ich nachvollziehen, dass man in seinem Hobby Larp die Abwechslung sucht und wenig Motivation hat sich stundenlang hin zu setzen, um etwas IT zu lernen. Darf man bzw. ein Regelwerk Jemandem über den Lernzwang verbieten sich in Abenteuer zu stürzen und so an unserem gemeinsamen Hobby Spaß zu haben, weil der Charakter auf diesem Weg nie neue Fähigkeiten erlangen darf?

Wer hat eigentlich etwas von dem Ausspielen des Lernens? Der Lehrende und der Lernende, wenn sie daran Spaß haben. Vielleicht noch die Zuschauer, die es aber seltenst gibt. Wovon aber alle Spieler etwas haben ist eine gut ausgespielte Fertigkeit. Und dabei spielt es keine Rolle, ob sie im Spiel erlernt wurde oder nicht. Wenn ich sehe, wie Jemand spielt, weiß ich das sowieso nicht. Einen Zauber zum Beispiel will ich je nach seiner Art mythisch, bombastisch, beeindruckend und stimmungsvoll – und dann interessiert mich auch nicht, wie der Charakter zu der Fähigkeit gekommen ist.

Interessanterweise implizieren die meisten Argumentationen gegen die Realitätsanpassung der 3rd Edition, dass es eine zwingende Verbindung zwischen dem Lernzwang und gutem Spiel gibt. Ich jedoch bezweifle dass ein schönes und stimmungsvolles Ausspielen einer Fähigkeit nur möglich ist, wenn man diese im Spiel lernt. Es besteht sogar die Gefahr, dass das schlechte Spiel eines Lehrenden weitergegeben wird, denn jeder von uns kennt sicher einen Meister, dessen Spiel nicht ganz den eigenen Qualitätsstandards nicht genügt. Wichtig ist mir, dass sich jeder Spieler Gedanken macht, wie er bzw. sie Fertigkeiten passend und als Vorführung für die Mitspieler ausspielen kann – und nicht mehr.

Unterm Strich kann ich nur wieder darauf hinweisen, dass Liverollenspiel ein Hobby ist und wie alle Freizeitbeschäftigungen, der man sich mit Begeisterung widmet, Spaß machen soll. Und statt die Leute zu etwas zu zwingen, an dem sie keinen Spaß haben, geht die 3rd Edition hier den Weg den Spielern ihre Freiheiten zu lassen und ihnen und ihrem Verständnis für gutes Rollenspiel zu vertrauen. Meiner Erfahrung als SL und als Spieler nach ein Vertrauen, das sich immer auszahlt.

Lange Rede, kurzer Sinn: Der Wegfall des Lernzwangs ist richtig und sinnvoll, stellt eine Anpassung an die Realität dar und wird schon nicht zum Untergang des guten Rollenspiels führen.

Written by Rabe

26. Januar 2010 at 21:59