RabenZeit

Auf der Suche nach dem goldenen Zeitalter.

„Cowboy und Indianer“ und der Amoklauf.

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Amokläufern möchte die Bundesregierung keine Chance bieten. Nach dem „School Shooting“ von Winnenden sollen solche Ereignisse für die Zukunft verhindert werden. Dabei ist die Medienwirksamkeit der vermeintlichen Lösungen unter Vermeidung von Verärgerungen bei der Masse des Wahlvolkes wieder wichtiger als praktikable Vorgehensweisen. Somit wird auch der Vereinfachung eines eigentlich komplexen Themas der Vorzug gegeben. Hauptsache man kann sich auf die Schultern klopfen und klopfen lassen, dass man etwas getan hat.

Und man hat etwas getan. Man hat eine Lösung gefunden: „… vernünftige Änderungen beschlossen, die einen Gewinn an Sicherheit bringen, ohne Sportschützen und Jäger über Gebühr zu reglementieren“, sagte Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) [Q]. Dazu zählen auch sinnvolle Maßnahmen wie die Reduzierung von illegalen Waffen durch eine Amnestie (auch wenn Zweifel bleiben, ob nicht rechtschaffene bzw. kriminelle Bürger diese abgeben werden) und der Einführung eines bundesweiten Waffenregisters (wobei ich mich wundern muss, dass es das noch nicht gibt).

Zukünftig sollen Waffen und Waffenschränke mit biometrischen Systemen gesichert werden, die aber noch nicht serienreif sind und ergo erst in einigen Jahren flächendeckend eingeführt werden können. [Q] Wenn dann aber der Sportschütze seine Waffe nicht im Waffenschrank, sondern in der Nachttischschublade aufbewahrt, wie beim Vater des Amokschützens von Winnende geschehen, dann ist das nur „eine vernünftige Änderung … ohne Sportschützen und Jäger über Gebühr zu reglementieren“!? Und es wäre ja auch zuviel verlangt wenn man die Waffen nicht mit nach Hause nehmen würde – wie ja auch alle Reiter ihre Pferde zuhause in der Garage parken.

Gut klingt auch im ersten Moment, dass zukünftig auch ohne Verdachtsfall Kontrollen durchgeführt werden sollen. Aber scheinbar ist noch nicht geklärt, ob diese Kontrollen nicht doch voher angekündigt werden. [Q] Was sollen die bitte angekündigt kontrollieren? Ob Jemand illegale Waffen unter dem Kopfkissen hat? Ob die Waffen ordnungsgemäß eingeschlossen sind? Und selbst wenn die Kontrolle unangekündigt stattfinden würden – wie umfassend muss dann eine Hausdurchsuchung sein, um versteckte (illegale) Waffen zu finden? Aber gegen diese Kontrollen gibt es ja schon die ersten Stimmen aus der CDU [Q] – wahrscheinlich, weil dies eine über Gebühr gehende Reglementierung der Sportschützen und Jäger wäre.

Ein Verbot großkalibriger Waffen für Sportschützen wird dagegen nicht eingeführt. [Q] Gut, dass eine solche Waffe, wie sie beim Amoklauf von Winnende eingesetzt wurde, auch zukünftig in einem deutschen Haushalten liegen darf. Abgesehen davon kann ich doch nicht der Einzige sein, dem aufgefallen ist, dass alle mir bekannten Amokläufer und selbst die Mörder von der Eislinger Bluttat ehemalige oder aktive Mitglieder in einem Schützenverein waren, oder !? Wäre die logische Konsequenz nicht alle Schützen unter Generalverdacht zu stellen und ihre Vereine zu verbieten?

Da bei einem solchen Schritt aber zu viele Wähler Amok Sturm laufen würden geht man einen einfacheren Weg und verbietet den international in Ligen organisierten Mannschaftssport Paintball. „Paintball ist sittenwidrig. Das wird es in Zukunft nicht mehr geben“, sagte der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dieter Wiefelspütz, der «Berliner Zeitung».[Q] Warum sittenwidrig? „Dabei wird das Töten simuliert“, begründete der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach (CDU) das geplante Verbot in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. [Q]

Mein Vater war heute schockiert: Wenn er schon früher gewusst hätte, dass er bei den „Cowboy-und-Indianer“- bzw. „Räuber-und-Gendarm“-Spielen mit selbstgeschnitzten Bögen und Pfeilen in seiner Kindheit in einem kleine Eifeldorf sittenwidrig gehandelt hätte, dann … dann wäre aus seiner Generation wahrscheinlich keine Masse von Amokläufern geworden !? Kinder,  mit Wasserpistolen schiessend, von Büchern zu Ritterkämpfen animiert, bei Karneval mit Waffen aufeinander zielend, … – ganze Volksscharen von potentiellen Amokläufern sind um uns. Das muss ganz dringend verboten werden !?

Ich glaube man merkt schnell, dass vermeintlich monokausale Erklärungsansätze hier nicht greifen können. Aber warum wird Jemand zum Amokläufer? „Als Auslöser eines Amoklaufs gelten eine fortgeschrittene psychosoziale Entwurzelung des Täters, der Verlust beruflicher Integration durch Arbeitslosigkeit, Rückstufung oder Versetzung, zunehmend erfahrene Kränkungen sowie Partnerschaftskonflikte.“ [Q] Ergo: Niemand wird durch sogenannte „Killerspiele„, durch „Cowboy und Indianer“ bzw. Paintball oder Actionfilme a lá Rambo zum Amokläufer. Es braucht in erster Linie Impulse aus dem gesellschaftlichen Umfeld, das man aber nicht gesetzlich reglementieren kann. Aber es ist Wahljahr und da müssen schnelle Ergebnisse her …

Weiterführendes: Angehörige von Winnenden halten Verschärfung des Waffenrechts für nicht ausreichend | Verhindert Amoklauf | Werden bald auch Wasserpistolen verboten? | Sittenwidrig | Studie zu Amokläufern: Risikomerkmale bei allen Taten

Nachträge: Polizei und Opposition wettern gegen geplantes Paintball-Verbot | Mit Spatzen auf Kanonen schießen | Verdachtungsunabhängige Hausdurchsuchung | Da wird das Töten gelernt!!

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Written by Rabe

7. Mai 2009 um 14:18

3 Antworten

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  1. Sehr guter Artikel zu dem Thema. „Leider“ keine Einzelmeinung, was die Politiker aber konsequent ignorieren. Die setzen lieber auf den Rentner-Tross, von denen bestimmt noch einige bis zur Wahl den Ar*** zukneifen, aber hey: wir werden immer älter, da liegt also die Zukunft…

    thearcadier

    8. Mai 2009 at 10:12

  2. So gut ist dieser Artikel nicht. Er erinnert eher an den guten St. Florian. „Lieber Gott, zünd lieber das Haus des Sportschützen an, aber lass mein Paintballhaus in Frieden…“

    Und das für Waffenbesitzer das Grundgesetz ausgehebelt wird, interessiert anscheinend auch nicht?
    Kriminelle dürfen die Polizei ohne Durchsuchungsbeschluß wegschicken, aber der brave steuernzahlende Bürger muss jeden Vollpfosten in sein Schlafzimmer lassen?

    Zu kurz gedacht mein Lieber….was kommt als nächstes, was wird verboten wenn schon alles verboten ist?

    Siegfried

    9. Mai 2009 at 11:18

  3. @Siegfried:

    Es scheint, als wäre die Intention meines Artikels missverständlich.

    Ich selber spiele kein Paintball und in meinem Freundes- und Bekanntenkreis herrschen Jäger und Schützen vor.

    Die „Forderung“ alle Jäger und Schützen unter Generalverdacht zu stellen und die Vereine zu verbieten ist ironisch zu verstehen und diente nur als Vergleich, um die Idiotie der derzeitigen Pläne unserer Regierung verdeutlichen.

    Wir sind uns sicher einig, dass Waffen nicht offen rumliegen sollten (wie es in Winnenden der Fall war), aber jeder Schweizer hat seine Militärwaffe zuhause und es erreichen uns dennoch nicht ständig Botschaften von Amokläufen. Was ich in meinem Artikel sagen will: Amokläufe lassen sich nur durch Verbesserung des sozialen Umfeldes verhindern, nicht durch aus Aktionismus geborene Verbote.

    Und was meine Meinung zu der fortlaufenden Einschränkung unserer Freiheiten angeht kann man hier feststellen: https://rabenzeit.wordpress.com/2009/05/08/08-mai-1945-tag-der-freiheitsrechte/

    RabenZeit

    10. Mai 2009 at 10:10


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