RabenZeit

Auf der Suche nach dem goldenen Zeitalter.

Olympia: Kontrolle vor Freiheit.

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Was höre ich heute in den Morgennachrichten? Zukünftig wird ein olympischer Fackellauf nicht mehr um die ganze Welt gehen, sondern nur noch durch das Gastgeberland. Interessant die Wortwahl in den Nachrichten (welche ich heute morgen gehört habe), die diese Entscheidung begründen sollen: Dieser Beschluss wurde vom olympischen Komitee gefasst, weil es beim letzten Fackellauf (wir erinnern uns) zu Ausschreitungen gekommen ist

Ein wirklich gutes Beispiel, wie man mit einer Veränderung der Worte die öffentliche Meinung zu manipulieren versucht – und es wahrscheinlich auch schafft. Hätte man statt dem Begriff „Ausschreitungen“ das Wort Demonstration genutzt und auf die Hintergründe der Demonstrationen, die sich ja nicht gegen Olympia, den olympischen Gedanken und den Fackellauf an sich gerichtet haben, sondern gegen das Gastgeberland China und die dortigen Menschenrechtsverletzungen.

Indessen wird die Entscheidung in den Nachrichten relativiert, in dem man darauf hinweist, dass erst seit 2004 der Fackellauf weltweit durchgeführt wird. Eine eindeutig falsche Information, denn schon beim ersten Fackellauf 1936 wurde die Fackel von Griechenland nach Deutschland getragen – also durch mehrere Länder. Damals hat es übrigens auch schon im Rahmen des Fackellaufs Proteste gegen das Nazi-Regime gegeben und in Prag gelang es den Demonstranten sogar die Fackel zu löschen. Auch damals hat man vielleicht von „Ausschreitungen“ und „Zwischenfällen“ gesprochen, bei denen „professionelle Demonstranten“ den Fackellauf „ausnutzen“.

00-fackellauf011

Die in den Nachrichten suggerierte Mitteilung, dass die Fackel schon vor 2004 nur durch das Gastgeberland getragen worden wäre, ist schlichtweg falsch. Richtig ist, dass seit 2000 die Stationen weltweit und seit 2004 auf jedem Kontinent ausgewählt werden. Mehr über die Fackerlläufe und ihre internationalen Stationen findet man bei Wikipedia.

Ergo ist der aktuelle Beschluss des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) keine Rückbesinnung auf frühere Fackelläufe, indem man zukünftig den Fackellauf nur noch auf das jeweilige Gastgeberland der Spiele beschränkt. Gilbert Felli (Direktor der Olympischen Spiele): „Es ist besser, den Fackellauf auf das Gastgeberland zu beschränken. Das macht es für die Organisatoren und die Regierung einfacher, alles zu kontrollieren.“ [Q] Worte, die vor allem Staaten und Diktatoren, die keine Meinungsfreiheit zulassen, gerne hören. Kontrolle geht über die Freiheit und damit über Menschenrechte. Das ist also die gegenwärtige olympische Idee.

Noch ein Nachtrag zu den Olympischen Spielen in Peking: Die Hoffnungen aller Befürworter einer Olympiade in der Volksrepublik China, dass durch die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit die Menschenrechte besser gestellt würden, dürfte nach dem letzten Bericht von amnesty international eines Besseren belehrt worden sein. China ist Weltmeister bei der Hinrichtung von Menschen. [Q]

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Written by Rabe

27. März 2009 um 09:37

2 Antworten

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  1. Ja, das habe ich heute morgen auch gehört und genauso reagiert wie Du. Was für eine traurige Entscheidung!!!

    tavernenspinner

    27. März 2009 at 10:00

  2. Jaja, die Macht der Worte und die Gefahr, wenn man sie unkritisch aufnimmt.
    Diese Recherche ist da doch ein sehr interessantes Beispiel.

    Gut, vom IOC hat man ja nach der Olympiade eh nichts anderes mehr zu erwarten gehabt, als eine Fortsetzung der Demontage der olympischen Idee. Von daher verwundert dieser Schritt einen eher weniger. Und mal ehrlich, dass die Menschenrechtslage nach der Olympiade besser werden würde, daran hat doch höchstens ein Narr geglaubt. Aber als Propaganda-Argument von Seiten des IOC hats wohl trotzdem hier und da seinen Zweck erfüllt.

    Aber schön, jetzt können sich sicher auch mal Mugabe oder Kim Yong-Il ganz stressfrei um eine Olympiade bewerben.

    Seppelsche

    27. März 2009 at 10:09


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