RabenZeit

Auf der Suche nach dem goldenen Zeitalter.

Martin Luther King: Antizionismus = Antisemitismus.

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Derzeit wird das Wort „Antizionismus“ wieder inflationär gebraucht und das Wort „Zionismus“  klingt in vielen Beiträgen wie „Imperialismus“.  Ich frage mich, ob sich die Autoren immer der  Bedeutung und des Hintergrundes des Begriffes Zionismus bewusst sind, oder wirklich gegen einen Staat Israel und damit gegen einen eigenen Staat für die Juden eintreten. Antizionismus kann doch nur die Forderung bedeuten, den Staat Israel aufzulösen und die Juden zu vertreiben – in die Verbannung zu schicken, wie es die letzten Jahrhunderte der Fall gewesen ist.

Im August 1967 schrieb zu diesem Thema der US-amerikanische Bürgerrechtler Martin Luther King jr. folgenden „Brief an einen antizionistischen Freund“:

Du erklärst, mein Freund, daß Du kein Judenhasser, sondern bloß ‘Antizionist’ bist. Und ich sage, lasse die Wahrheit von hohen Berggipfeln erklingen, lasse sie in allen Tälern der grünen Erde Gottes wiederhallen: Wenn Menschen Zionismus kritisieren, meinen sie Juden – dies ist Gottes eigene Wahrheit.

Antisemitismus, der Hass auf das jüdische Volk, war und bleibt ein dunkler Fleck auf der Seele der Menschheit. In dieser Hinsicht sind wir einer Meinung. Und Du sollst wissen: Antizionismus ist dem Wesen nach antisemitisch und wird es immer sein.

Warum? Du weißt, daß Zionismus nichts Geringeres als der Traum und das Ideal des in sein eigenes Land zurückkehrenden jüdischen Volkes ist. Das jüdische Volk, lehrt uns die Heilige Schrift, lebte einst glücklich in einem blühenden Staat im Heiligen Land. Von dort ist es von Römischen Tyrannen vertrieben worden, von den gleichen Römern, die Unseren Herrn grausam ermordet haben. Vertrieben aus seiner Heimat, sein Land in Schutt und Asche gelegt, gezwungen, durch die ganze Welt zu wandern, litt das jüdische Volk unter der Knute jedes Tyrannen, der gerade über es herrschte.

Das Volk der Schwarzen, mein Freund, weiß, was es bedeutet, die Qualen der Tyrannei von Herrschern, die wir nicht gewählt haben, zu ertragen. Unsere Brüder in Afrika haben um die Anerkennung und Verwirklichung unseren natürlichen Rechts, in Frieden unter unserer eigenen Souveränität in unserem eigenen Lande zu leben, gefleht, um sie gebeten, sie gefordert – nach ihr VERLANGT.

Wie einfach sollte es doch jedem, der dieses unveräußerliche Recht aller Menschen schätzt, fallen, das Recht des jüdischen Volkes, in seinem alten Land Israel zu leben, zu verstehen und zu unterstützen. Alle wohlwollenden Menschen jubeln über die Verwirklichung des Versprechens Gottes, Sein Volk in Freude zurückkehren zu lassen, um sein geplündertes Land wiederaufzubauen. Dies ist Zionismus, nicht mehr und nicht weniger.

Und was ist Antizionismus? Die Verweigerung dem jüdischen Volke eines Grundrechts, das wir mit Recht für die Völker Afrikas verlangen und allen anderen Völkern der Welt zugestehen. Die Diskriminierung von Juden, mein Freund, weil sie Juden sind. Kurz gesagt, es ist Antisemitismus.
Der Antisemit freut sich über jede Gelegenheit, seiner Bosheit freien Lauf zu lassen. In der westlichen Welt ist es mit der Zeit aus der Mode gekommen, sich zum Hass auf Juden offen zu bekennen. Der Antisemit muss deshalb ständig nach neuen Formen und Zuhörerschaften für sein Gift suchen. Wie sehr er diese neue Maskerade genießt! Er hasst keine Juden, er ist bloß ‘Antizionist’!

Mein Freund, ich beschuldige Dich nicht des absichtlichen Antisemitismus. Ich weiß, daß Du, genauso wie ich, eine aufrichtige Liebe für Wahrheit und Gerechtigkeit und eine Abscheu gegen Rassismus, Vorurteile und Diskriminierung empfindest. Aber ich weiß, dass Du – wie manche andere – in Deinem Glauben, zugleich ‘Antizionist’ sein und den Grundsätzen, die Du und ich teilen, treu bleiben zu können, fehlgeleitet bist. Lass meine Worte in den Tiefen Deiner Seele wiederhallen: Wenn die Menschen Zionismus kritisieren, meinen sie Juden – Du sollst hier keinen Fehler machen.

(M. L. King Jr., Letter to an Anti-Zionist Friend, Saturday Review XLVII (Aug. 1967), S. 76.)

Einen ebenfalls interessanten und ebenfalls zum Nachdenken anregenden Beitrag über „Judenhass heute“ von Arno Lustiger vom 29. November 2008 (also vor den aktuellen Kämpfen geschrieben) findet man bei der Welt.

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Written by Rabe

12. Januar 2009 um 10:46

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