RabenZeit

Auf der Suche nach dem goldenen Zeitalter.

Piraten und Piratenfischer vor Somalia.

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Angesichts der Auswirkungen auf den Welthandel und den daraus resultierenden wirtschaftlichen Einbußen hat sich die „Weltgemeinschaft“ überraschend schnell entschlossen dem Treiben der Piraten vor der Küste Somalias durch militärische Präsenz ein Ende zu bereiten. Im Hoheitsgewässer des Landes Somalia, das selber auf Grund des Fehlens vernünftiger staatlicher Strukturen keine eigene Küstenüberwachung für solche Aufgaben vorhält, wird der Schutz der Handelsschifffahrt sichergestellt – auch wenn die genaue Art und Weise noch nicht ganz geklärt zu sein scheint. Dass die Piraterie nicht hinnehmbar ist und als indessen organisierte Kriminalität auch von Hintermännern außerhalb Somalias organisiert wird, steht auf einem breiten Konsens. Die militärische Präsenz und das entsprechende Handeln ist auch wichtig, um etwaige Nachahmer in anderen Teilen der Welt abzuschrecken.

Diese Operation vor Somalia und die Präsenz von Stärke ist aber eine reine Reaktion ohne die eigentliche Ursache der Piraterie zu bekämpfen. In den Medien bisher nur wenig vermittelt werden die Gründe, warum die Bevölkerung eines Landes sich der Piraterie zuwendet. Erst diese ursächlichen Gründe haben zu einer Änderung des Berufes vom Küstenfischer zum Piraten und damit der Entdeckung dieses scheinbar lukrativen Geschäftszweiges geführt. Es ist klar, dass ohne Beseitigung der Ursachen auch die Piraterie in diesen Gewässern nicht endgültig zu beseitigen ist.

Wenn unter Billigflagge fahrende Fischereitrawler aus europäischen und asiatischen Ländern, die sich an keine Fangquoten und an keine Maßnahmen der nachhaltigen Fischerei halten, vor Somalias Küsten jährlich 300 Millionen US-Dollar Verlust für die heimische Fischerei verursachen und die Fischbestände der Region an den Rand ihrer Existenz bringen, können die Küstenfischer ihren Lebensunterhalt nicht mehr auf legalem Wege sicherstellen. Der Fang dieser Piratenfischer werden auch in Häfen der EU umgesetzt, ohne dass sich die „Weltgemeinschaft“ wirksam um eine Eindämmung dieser illegalen Praktiken kümmern würden.

2008-11-28-piratenfischer

Ein Viertel der von uns verspeisten Meerestiere kommen indessen von Piratenfischern und die Menge hat in den letzten Jahren zugenommen. Fische, die zur Ernährung der Bevölkerung Somalias fehlen. Wäre man mit dem Enthusiasmus, mit dem man sich heute gegen die Piraterie wendet, in den vergangenen Jahren gegen die Piratenfischer vorgegangen, wäre die Piraterie in Somalia wahrscheinlich nicht so stark geworden, wie sie sich heute darstellt. Auch die illegale Verklappung von unter anderem belasteten Abfällen vor den afrikanischen Küsten hat ihren Anteil an der Zerstörung der Lebensgrundlage der Somalis.

Der Grund, warum die „Weltgemeinschaft“ sich nicht auf die Ursachen, die Piratenfischer und die illegale Verklappung, vorgegangen ist, sich jetzt aber bei der Bekämpfung der Piraterie stark engagiert, liegt auf der Hand: Die illegale Fischerei schädigt nur die afrikanische Wirtschaft, während der von diesen Schiffen kommende Fisch das Angebot in den Industrieländern verbessert. Die Piraterie schädigt aber die Wirtschaft der Industrieländer, so dass diese nun unter der Prämisse die Seewege für den Welthandel frei halten zu wollen, militärische Präsenz zeigen. Wie schon so oft ist die afrikanische Bevölkerung und damit eine zukunftsfähige und nachhaltige Entwicklung des afrikanischen Kontinents nur dann ein Thema der internationalen Politik, wenn sich dadurch wirtschaftliche Vorteile für die Industrienationen ergeben.

Einen entsprechenden Artikel findet man bei der Zeit und eine kurze Einführung in die Thematik der Piratenfischer bei Greenpeace.

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Written by Rabe

29. November 2008 um 00:49

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