RabenZeit

Auf der Suche nach dem goldenen Zeitalter.

Soziale Gerechtigkeit !?

with one comment

In den letzten Jahren ist die Weltwirtschaft gewachsen und Deutschland machte sich als „Export-Weltmeister“ einen Namen. Dabei wurde Geld erwirtschaftet (zumindest scheint das eine logische Schlussfolgerung zu sein). Aber ich habe Zweifel, ob davon die mittleren und kleinen Betriebe der Republik (unser Mittelstand) oder der normale Arbeiter* profitiert haben. Das Geld erwirtschafteten primär die global aufgestellten Firmen und damit die an ihnen beteiligten Aktionäre und die Geschäftsführer.

Zeitgleich sind die Kosten für Öl (und damit Sprit) und Lebensmittel auf dem Weltmarkt gestiegen. Jeder benötigt zum Autofahren Treibstoff und auch Nahrungsmittel sind für das Leben förderlich. Doch prozentual am monatlichen Gehalt gesehen ist es rein rechnerisch logisch, dass diese Kostensteigerungen gerade die geringer verdienenden Bevölkerungsschichten**, in erster Linie Familien, belastet. Das Einkommen der unteren Lohngruppen hat sich ergo im Verhältniss zu der Kostensteigerung und der Inflation in den vergangenen Jahren verringert.

Das Ergebnis ist, dass die Kluft zwischen den Einkommens- und Besitzverhältnissen in Deutschland weiter wächst. Es gibt politische Entscheidungen und gesellschaftliche Entwicklungen der letzten Jahre, die diese Tendenz weiter zu fördern scheinen bzw. fördern. Damit einher geht ein geringeres Vertrauen der Bevölkerung in die Marktwirtschaft. Aus diesem Verfall des Glaubens an unser System der „sozialen Marktwirtschaft“ jedoch zerfällt auch der Glaube an das gesamte System und letztendlich ist die Gefährdung der sozialen Gerechtigkeit auch eine Gefährdung der Demokratie.

Im aktuellen „Global Wage Report“ berichtet die internationale Arbeitsorganisation (ILO), eine  Sonderorganistation der UN, die einst zur Sicherung des Weltfriedens auf Grundlage der sozialen Gerechtigkeit gegründet wurde, dass Deutschland eines der Industrieländer ist, in denen die Schere zwischen den Einkommensklassen immer stärker auseinander klafft – während Frankreich es wohl geschafft hat diese Kluft wieder zu verringern.

2008-11-26-iloDer Report stellt fest, dass die Arbeiter nicht vom Wirtschaftswachstum der letzten Jahre profitiert haben. Zwischen 1995 und 2007 sind für jedes Prozent Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) die Löhne nur um 0,75 % gestiegen. In Abschwungphasen ist die Differenz noch stärker: für jedes Prozent Schrumpfung des BIP fielen die Löhne um 1,55 %. Der Reallohnzuwachs in Deutschland lag mit 0,51 % selbst im Vergleich mit anderen Industrienationen relativ niedrig. Somavia, Generaldirektor des ILO, warnt: „Wenn dieses Muster auf auf den gegenwärtigen Abschwung zutrifft, dann würde dies auf eine Vertiefung der Rezession und eine verspätete Erholung hinaus laufen“.

„Die Legitimität der Globalisierung und von offenen Volkswirtschaften und Gesellschaften hängt davon ab, dass wir zu einem fairen Ergebnis kommen“, sagt Somavia. „Ein zentraler Bestandteil dieser Fairness ist, dass erwerbstätige Männer und Frauen einen fairen Anteil des Reichtums erhalten, den sie erwirtschaften.“ [Q] Ein Bestandteil der Fairness in einer sozialen Marktwirtschaft, wie wir sie eigentlich in der Bundesrepublik haben, ist auch, dass sich jeder Teilnehmer am Markt seiner Verantwortung für den gesamten Markt und damit für alle Teilnehmer bewusst ist und entsprechend handelt.

Ziel der Wirtschaftspolitik sollte sein, dass nicht nur die „Oberschicht“ von wirtschaftlichem Aufschwung partizipiert, sondern auch die breite Masse der Bevölkerung. Gerade in einer Zeit, in der jeder über einen wirtschaftlichen Abschwung redet und damit diesen sicher auch ein gutes Stück herbei redet, stellt sich wieder einmal sehr laut die Frage, wie die soziale Gerechtigkeit in einer sozialen Marktwirtschaft realistisch und sinnvoll umgesetzt werden kann.

Eine interessante Frage, der ich mal auf der Spur bleiben werde …

—————————————————

*Auch wenn es sicher anderslautenden Meinungen gibt bin ich überzeugt davon, dass auch ein Bankmanager arbeitet und damit zur arbeitenden Bevölkerung zählt. Ich habe aber Zweifel, ob die Erhöhung von Lebensmittelpreisen bei ihm prozentual zum Gehalt ein ebensolches Loch reißt wie beim Normalverdiener, der ein statistisches Mittel darstellt und ähnlich ist dem „normalen Arbeiter“, der bei einem kleinen Betrieb arbeitet und darauf hofft, dass sein Arbeitsplatz noch in einem Jahr existiert, weil er keine großen Rücklagen besitzt.

**Man kann natürlich jetzt sagen, dass es jedem freisteht sich höher zu qualifizieren und damit auch mehr Geld zu verdienen, aber das ist reine Theorie. Zum Einen ist höhere Qualifizierung, z.B. durch ein Studium, immer auch eine Zeit, die finanzierbar sein muss und dies, vor allem in Zeiten von Studiengebühren, nicht immer ist. Zum Anderen braucht die Wirtschaft auch einen gewissen Prozentsatz an geringer qualifizierten Arbeitskräften, z.B. Lagerarbeiter und die viel zitierten Müllmänner. Ich glaube nicht, dass ihre Arbeit weniger wichtig und wert ist, auch wenn sie einen geringeren Lohn erhalten.

Advertisements

Written by Rabe

26. November 2008 um 13:39

Eine Antwort

Subscribe to comments with RSS.

  1. Ich bin zwar kein Müllmann, aber Gebäudereiniger und ich kann mich deiner Meinung nur anchsließen. Leider oder Gott sei Dank, kann es nicht nur Bankmanager in einer Volkswirtschaft geben. Aber diejenigen, die den Dreck der übrigen Menschen wegräumen und dafür sorgen, dass diese morgends einen sauberen Arbeitsplatz vorfinden (wenn sie noch einen haben, ich weiss), oder eine leere Mülltonne, in die sie ihren Abfall entsorgen können, werden nicht nur schlecht bezahlt (und zwar so schlecht, dass es kaum zu einem menschenwürdigen Dasein reicht!), sie stehen auch in der sozialen Rangordnung ganz am unteren Ende.
    Meist sieht man sie nicht, wenn sie arbeiten. Man merkt nur, wenn sie nicht da gewesen sind. Interessieren tut sich niemand für die vielen unsichtbaren Helfer. Das ist sehr schade, aber wohl nicht zu ändern, jedenfalls nicht kurzfristig.
    Mit den besten Wünschen für ein ruhiges und besinnliches Weihnachtsfest,
    andrejo vom Tempel der Gaia

    andrejo

    19. Dezember 2008 at 12:12


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: