RabenZeit

Auf der Suche nach dem goldenen Zeitalter.

Reisende in Sachen Simbabwe.

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Mit einer Reisesondergenehmigung ist Morgan Tsvangirai, der politische Gegner Mugabes bei der Präsidentschafswahl und designierte Ministerpräsident Simbabwes, derzeit in Europa unterwegs. Einen Reisepass hat der Mann bisher von der amtierenden Regierung des Landes nicht erhalten. Trotzdem hat man ihn nicht wie viele andere Afrikaner an der europäischen Außengrenze interniert bzw. abgeschoben, doch sprach er in Paris von einer katastrophalen Lage in seinem Heimatland, die nicht eine Folge einer Naturkatastrophe ist, sondern von Missmanagement und Korruption. [Q]

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Gestern traf Tsvangirai dann in Berlin ein, wo er mit Hermann Gröhe, Staatsminister bei der Bundeskanzlerin, ein Gespräch über „die schwierige innenpolitische und erschreckende humanitäre Lage Simbabwes“ führte. [Q] Im Sommer wurde ein möglicher US-Präsidentschaftskanidat von der Bundeskanzlerin persönlich empfangen – aber der designierte Premierministers eines Staates, der Hilfe zur Demokratisierung nötig hat und in diesem Entwicklungsprozess auch symbolische Unterstützung gebrauchen kann, wird nur von einem Staatsminister empfangen. Ein klares Symbol für den geringen Stellenwert, den die demokratische Entwicklung Afrikas in Berlin hat.

Im Juli 2007, anläßlich des 89. Geburtstags von Nelson Mandela, wurde der Ältestenrat, „The Elders“ gegründet, zu denen auch die Nobelpreisträger Desmond Tutu (Erzbischof), Kofi Annan (ehemals UN-Generelsekretär) und Jimmy Carter (ehemals US-Präsident) zählen. Diese Gruppe international anerkannter, altgedienter Politiker und Menschenrechtler versucht nach eigenem Verständnis in schwierigen Situationen auf Grundlage ihrer Erfahrung zu vermitteln und mit Rat weiterzuhelfen. Wenn man die Situation in Simbabwe betrachtet kann man sicher davon sprechen, dass in dem Land guter Rat teuer und hilfreich wäre.

Daher machten sich die beiden Friedensnobelpreisträger Jimmy Carter und Kofi Annan mit der Menschenrechtlerin Graça Machel auf um am vergangenen Samstag das afrikanische Land zu besuchen, um sich ein Bild über die humanitäre Lage zu machen. Doch in Harare, der Hauptstadt Simbabwes, schrieb die staatlich kontrollierte Zeitung „The Herald“ am Donnerstag von „The Elders“ als „Clique von Persönlichkeiten, die dem Land feindlich“ gesinnt seien. Aus Regierungskreisen verlautete, dass die Visite ungelegen komme und die Presse stellte sich die Frage, in welchem Auftrag die Gruppe einreise und wem sie Bericht erstatte. [Q] Kommentare, die sowohl die Presse- als auch die Meinungsfreiheit in Simbabwe in Frage stellen – was aber nicht wundert in einem Land, das die Menschenrechte nicht achtet und in dem Demokratie nur eine Farce ist.

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Carter, Annan und Machel sind enttäuscht, „dass die Regierung von Simbabwe uns die Einreise nicht erlaubt und nicht kooperiert“. Jimmy Carter stellt fest, dass es das erste Mal sei, dass er für eine Mission kein Visum erhalte und Annan erläutert: „Wir haben unseren Besuch abgesagt, weil die Regierung von Simbabwe uns deutlich zu verstehen gegeben hat, dass sie nicht mit uns zusammenarbeiten möchte“. [Q] Daraufhin haben sich die Drei mit Flüchtlingen und Exilanten aus Simbabwe sowie mit Botswanas Präsidenten, einem Kritiker Mugabes, getroffen.

Das Fazit: Das Land könne in einigen Monaten zusammen brechen. Nach Hyperinflation und Hungersnot ist indessen die Cholera ausgebrochen, der laut Angaben der UNO schon 313 Menschen zum Opfer gefallen sind. Die medizinische Versorung des Staates ist ebensowenig in der Lage die Cholera sinnvoll zu bekämpfen, wie Anthrax (Milzbrand), an dem im Südwesten schon zwei Menschen und 150 Tiere verstorben sind. [Q] Ich bin gespannt, ob „The Elders“ mit ihrer Einschätzung recht behalten …

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Written by Rabe

25. November 2008 um 22:39

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