RabenZeit

Auf der Suche nach dem goldenen Zeitalter.

Archive for Mai 26th, 2008

Fundstück 010: Miss Landmine.

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Vergangenen Monat wurden in Angola die ersten beiden Miss Landmine 2008 gewählt. Die 31-jährigen Augusta Hurica aus der Provinz Luanda wurde die Gewinnerin der Jury und die Siegerin der internationalen Abstimmung über das Internet wurde Maria Restino Manuel mit 29% aller 9’888 abgegebenen Stimmen aus über 30 Ländern. Sie konnte an der Krönung auf Grund ihrer Schwangerschaft nicht teilnehmen, erhielt aber ihren Preis, eine Beinprothese, in einer speziellen Feierlichkeit in ihrem Heimatort Cachoeiras.

Wie das Emblem (rechts) schon zeigt handelt es sich bei den angetretenen Frauen um Opfer von Landminen, die es in Angola noch mehr als genug gibt. Es ist auch interessant die entsprechenden Angaben bei den Teilnehmerinnen zu lesen. Um unsere Internet-Siegerin als Beispiel zu nehmen: Der 25-jährigen Maria wurde 1997 (also mit ca. 14 Jahren) ein Bein weggerissen – von einer Mine aus rumänischer Produktion, die 19 Euro kostet. Ihre Kleidung und der Schmuck, den sie auf dem Foto trägt, waren mit insgesamt 46 € übrigens teurer als die Landmine.

Diese Wahl mag vielleicht makaber sein, aber es ist meiner Ansicht nach eine gute Kampagne, um das Thema „Landminen“ wieder in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit (und damit vielleicht auch der politischen Entscheidungsträger) zu zerren. Darüber hinaus gebührt meiner Ansicht nach den Frauen, die sich selbstbewusst zu dieser Wahl gestellt haben, Respekt. Für jeden, der sich weiter über diese etwas außergewöhnliche Misswahl informieren möchte, hier die URL:

http://www.miss-landmine.org/

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Written by Rabe

26. Mai 2008 at 10:58

Gedanken zu den Morgennachrichten.

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An jedem Morgen eines Arbeitstages läuft bei mir das Frühstücksfernsehen bzw. Morgenmagazin. Man kann sicher trefflich darüber streiten, ob das mit den Nachrichten zu einem guten oder schlechten Start in den Tag verhilft. Unbestritten ist aber sicherlich die Tatsache, dass man viele Ideen für einen Blogeintrag erhält. Man mag sich jetzt fragen, warum dies aber dann mein erster Blogeintrag mit diesem Bezug ist – und ich kann es ganz einfach auf die morgendliche Müdigkeit abwälzen. Wenn man noch einem Zombie gleich durch die Wohnung schlurft ist es mir meist unmöglich alle Ideen bis zum Computer zu behalten. Heute aber habe ich zumindest einige Nachrichten und Eindrücke bis hier hin retten können:

Die Wahl des Bundespräsidenten – bzw. einer Bundespräsidentin. Scheinbar wird heute Gesine Schwan von der SPD gegen den amtierenden Bundespräsidenten Horst Köhler aufgestellt. Da sie nur mit den Stimmen der Grünen eine Chance hat gewählt zu werden folgte ein Interview mit derem Bundesvorsitzenden Bütikofer. Er ließ sich auf keinen Kandidaten festlegen und kündigte an, dass die Entscheidung über die Unterstützung eines der beiden Präsidentschaftskandidaten erst nach der Landtagswahl in Bayern erfolgen wird – unter Beachtung der daraus resultierenden Mehrheitsverhältnisse. Interessante Aussage, die zeigt, dass selbst die doch einst als basisdemokratische Partei mit Idealen angetretenen Grünen nicht danach urteilen, welche Person am besten für das Amt des Bundespräsidenten geeignet ist, sondern nach strategischen, parteipolitischen Gesichtspunkten. Er nannte nur noch einen weiteren Grund, der die Entscheidung beeinflussen könnte: Schon lange würden die Grünen ja eine Frau im höchsten Amt des Staates sehen. Da frage ich mich, ob das Geschlecht mehr über die Eignung einer Person aussagt, als die Fähigkeiten. Aber es ist wohl blauäugig zu glauben, dass politische Ämter nach Fähigkeiten vergeben würden.

Es ist 7.00 Uhr und es gibt die eigentliche Nachrichtensendung. Ich bin gespannt auf neue Nachrichten aus den Katastrophengebieten in Myanmar und China, wie auch darauf, was sonst so in der Welt passiert. Ich höre vom Wahlkampf um Horst und Gesine, vom Ausgang der Kommunalwahl in Schleswig-Holstein (für mich als Rheinland-Pfälzer nur bedingt von Interesse) und von der Siemens-Schmiergeld-Affäre. Auch der Brand einer Lagerhalle in Ulm (Nein, es gab keine Toten und Verletzten) war eine Meldung und damit Sendezeit wert. Aber keine Zeile über die Vorkommnisse außerhalb Deutschlands. Ich bin verwundert und frage mich, ob ein Freund von mir recht hatte, als er in einem Gespräch über unsere Medienlandschaft anmerkte, dass wir uns auf us-amerikanische Verhältnisse zubewegen: Es interessiert nur noch, was im eigenen Land passiert. Schlimm, wenn es so ist.

Ist denn heute nichts passiert, was interessant wäre? Nur im Radio hört man von der Landung der US-Raumsonde „Phoenix“, die nach fast zehn Monaten und einer 680 Kilometer langen Reise planmäßig auf dem Mars gelandet ist und die ersten, gestochen scharfen Fotos zur Erde gesendet hat. Fotos, die man übrigens auch auf der Seite der NASA betrachten kann. In Simbabwe hat der Diktator Mugabe seinem Wahlkampf um das Präsidentenamt nach Verhaftungen und Ausschreitungen der Sicherheitskräfte gegen die Opposition mit der Ankündigung zum „Krieg gegen die Ausländer“ eine außenpolitische Dimension gegeben [Q]. Vielleicht erinnern sich einige in diesem Zusammenhang an Ausschreitungen und Enteignungen weißer Bürger von Simbabwe und es wundert sicher auch nicht, dass die Opposition nur aus Agenten des Westens besteht.

Jetzt schaut man morgens schon Nachrichten und das Morgenmagazin auf einem für gute Berichterstattung bekannten öffentlich-rechtlichen Sender und ist dennoch nicht wirklich über die Lage der Welt informiert. Aber ich weiß jetzt von einem Lagerbrand bei Ulm. Wenigstens etwas.

THW-Hilfe kommt an.

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Drei Wochen ist es jetzt her, dass der Wirbelsturm „Nargis“ über die Küste von Myanmar hinweg gefegt ist. Vor (wenn ich mich nicht verzählt habe) elf Tagen ist das Team und das Gerät der SEEWA (Schnelle Einsatz-Einheit Wasser Ausland) der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) in Rangon mit weiteren deutschen Hilfsgütern entladen worden. Gestern Abend endlich wurden die ersten Trinkwasseraufbereitungsanlagen in das betroffene Irradwaddy-Delta, genauer gesagt nach Bogale, verlegt und in Betrieb genommen.

In der bisherigen Zeit in Rangon, in der die Helfer auf Grund der Vorgaben der Militärjunta nicht in das betroffene Gebiet reisen durften, wurden lokale Mitarbeiter der Malteser in die Handhabung der deutschen Trinkwasseraufbereitungsanlagen (TWAA) unterwiesen. Diese sollten dann die Anlagen im Katastrophengebiet betreiben. Auf Grund der öffentlichen auch in Myanmar durch die Medien verbreitete Erklärung der Regierung internationale Hilfe stärker als bisher zuzulassen, wird die TWAA in Bogale nun von deutschen Helfern betrieben. [Q]

Zeitgleich zeigt China, dass es auch anders gehen kann. Die Volksrepublik hat direkt internationale Hilfe angefordert und stellt über ihre staatliche Fluggesellschaft sogar kostenlose Flugkapazitäten zur Verfügung. Es mag bei dieser offensiven Organisation auch nicht wundern, dass das SEEWA-Team, das gestern mit Gerät nach China geflogen ist, dort schon die Einsatzräume mitten im Katastrophengebiet zugewiesen bekommen hat. Ohne große Zeitverzögerung wird dort, unter anderem in der Nähe eines Feldlazaretts des DRK (Deutsches Rotes Kreuz), die Produktion von frischem Trinkwasser beginnen können. [Q]

Da das THW eine deutsche Organisation ist, wird das Wasser dabei den deutschen Vorschriften entsprechen. Ein mitgeführtes Trinkwasserlabor wird dafür das produzierte Wasser ständig auf seine Bestandteile überprüfen. Diese ganzen Arbeiten erfolgen in der Mehrzahl durch die ehrenamtlichen Helfer des Technischen Hilfswerks, die von heute auf morgen ihren Arbeitsplatz und ihre Familie für einige Wochen verlassen haben, um den Menschen in Myanmar zu helfen. Entsprechend erfreulich ist es, die beiden Teams im Einsatz zu sehen.