RabenZeit

Auf der Suche nach dem goldenen Zeitalter.

Archive for Mai 14th, 2008

Erdbeben in China.

leave a comment »

Die letzten Jahren gab es nur wenige (Natur-)Katastrophen auf der Welt, die sich in unseren Medien niedergeschlagen hätten. Hatte es im Jahr 2005 – wenige Tage vor Jahresbeginn der Tsunami in Südostasien, im August der Hurrikan in New Orleans und im Oktober das schwere Erdbeben in Pakistan – noch einen wahren Boom gegeben, waren die folgenden Jahre doch von relativer Ruhe geprägt. Dieses Jahr scheint sich das wohl wieder zu ändern, denn innerhalb dieses Monats hat die Natur vor einigen Tagen zum zweiten Mal zugeschlagen: Nach dem Zyklon Nargis in Myanmar nun das Erdbeben in der Volksrepublik China.

Die Berichterstattung aus China ist überraschend gut und selbst die staatlichen Medien können relativ frei aus dem Katastrophengebiet berichten – ein Vorbild wohl auch für Myanmar. Zwar hat auch China die Hilfe durch ausländische Teams trotz diverser Angebote aus aller Welt (u.a. hatte auch Deutschland nach der gestrigen TV-Aussage des deutschen Botschafters in China angeboten Spezialisten des THW zu entsenden) in der aktuellen Lage abgelehnt – aber eine spätere Hilfe nicht ausgeschlossen. 100’000 Soldaten der chinesischen Armee sollen nach Regierungsangaben im Katastropheneinsatz sein, wenngleich sie oft nur auf dem Luftweg oder zu Fuß zu ihren Einsatzstellen kommen können. Derzeit klingt es so, als gäbe es nach der Lösung der logistischen Herausforderungen auch Einsatzoptionen für ausländische Hilfsorganisationen. Warten wir es ab.

Bei schlimmen Erdbeben denkt man an Japan, in jüngster Zeit an die Türkei und an Pakistan – aber weniger bekannt ist wohl die Tatsache, dass China in seiner Geschichte schon zwei große Erdbeben erlebt hat: die weltweit zwei Erdbeben mit der höchsten Opferanzahl. Das erste Erdbeben in der Provinz Shaanxi (grün) fand im Jahr 1556 statt und wurde von Chronisten beschrieben, das zweite Erdbeben im Jahr 1976 in der Provinz Hebei (dunkelrot) wurde von den Machthabern vertuscht. Während beim Erdbeben von 1976 die Regierung Chinas von ca. 240’000 Toten spricht gehen Schätzungen von 800’000 Todesopfern aus. In Bezug auf das aktuelle Erdbeben in der Provinz Sichuan (blau) spricht man derzeit von geschätzten 40’000 Toten und Vermissten – was aber erst nur grobe Zahlen sein können.

Durch die Art, wie China mit den Medien umgeht und wie schnell und koordiniert vor Ort in den Katastrophengebieten Hilfe geleistet und um jedes Menschenleben gekämpft wird unterscheidet sich stark von der Art, wie Myanmar mit den Folgen des Zyklons umgeht. Ein Unterschied in den Reaktionen, der im englischsprachigen Artikel „Two natural disasters, two different responses“ näher beleuchtet wird. Wer die englische Sprache nicht scheut und auf dem aktuellen Stand bleiben will kann auch bei dieser Katastrophe bei Reliefweb vorbei schauen.

Advertisements

Written by Rabe

14. Mai 2008 at 22:27

Warum helfen ???

leave a comment »

„Warum sollte ich in Myanmar helfen ? Die würden doch auch nicht kommen und mir helfen, wenn es mir schlecht geht.“

Diese Aussage habe ich zu hören bekommen, als das Thema „Hilfe für Myanmar“ angesprochen wurde. Eine Aussage, die mich überrascht hat, denn wenn es sich jeder so einfach machen würde, dann wäre das das Ende jeder humanitären Hilfe.

Bedeutet diese Aussage, dass man nur dem Helfen soll, der bereit und in der Lage ist auch mir persönlich im Notfall zu helfen? Kann ich also von einem Bewohner Zentralafrikas verlangen bei einem Hochwasser in Deutschland zu helfen? Kann ich voraussetzen, dass er überhaupt davon erfährt (der Zugang zu Medien ist ja nicht überall identisch)? Kann ich voraussetzen, dass er die finanziellen Mittel hat diese Hilfe leisten zu können – von den technischen Mitteln mal ganz abgesehen?

Ich denke die Antworten sind klar: Humanitäre Hilfe bedeutet denen zu helfen, die in Not sind und Hilfe bedürfen – ohne zu erwarten, dass sie genauso helfen können, wenn es uns mal schlecht geht. Wer Hilfe erfährt ist sicher auch schneller bereit Hilfe zu leisten – im Rahmen seiner Möglichkeiten. Möglichkeiten, die nicht überall identisch sind.

Gerade weil wir die technischen und finanziellen Möglichkeiten haben Hilfe zu leisten sollten wir dazu auch bereit sein, anstatt sich auf egoistische Plattitüden zurück zu ziehen. Aber wer bewusst Menschen in Not seine Hilfe verweigert, dem kann doch irgendwie nicht geholfen werden …

Written by Rabe

14. Mai 2008 at 21:43

Veröffentlicht in Global Denken

Tagged with , , , ,

In memoria: Frank Sinatra.

leave a comment »

Heute vor zehn Jahren verstarb der US-Entertainer, der trotz seines zweifelhaften Rufes in seinem Business zu den ganz großen des vergangenen Jahrhunderts zählt. Zumindest in meinem Freundeskreis kenne ich etliche, die gerne die Songs des Sängers und Schauspielers hören und mitsingen können (mich eingeschlossen). „My Way“ hat es sogar für viele Menschen zur Hymne gebracht und findet als Hommage an Frank Sinatra seinen Weg in mein Blog:

Written by Rabe

14. Mai 2008 at 16:42

Aktuelle Lage in Myanmar.

leave a comment »

Während das Team der SEEWA (Schnelle EinsatzEinheit Trinkwasseraufbereitung Ausland) der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk indessen in Myanmar eingetroffen ist und in Rangon die Ankunft und Übernahme der Trinkwasseraufbereitungsanlagen vorbereitet [Q], hat das WFP (World Food Programm) mit der Lieferung von Hilfsgüter, in erster Linie „High Energy Biscuits“ (HEB) und Reis, in die am schlimmsten betroffenen Regionen des Landes begonnen. Trotz der aktuellen Monsunzeit und der schlimmen Wettervorhersagen für die nächsten Tage werden von heute an genug Nahrungsmittel in das Irrawaddy-Delta entsandt, um 74’000 Menschen mit einer Erstration zu versorgen.

Problematisch ist noch der Transport der Nahrungsmittel in die Katastrophengebiete: Schwere Lastwagen können auf Grund der teilzerstörten Brücken und aufgeweichten Strassen nur unter schwierigen Bedingungen fahren, so dass das WFP derzeit bemüht ist eine Flotte von kleinen und leichteren LKWs aufzubauen (ergo: Fahrzeuge und Fahrer anzumieten). Daher prüft man derzeit die Einrichtung eines schwimmenden Depots, von dem aus die Versorgung mit kleinen Booten erfolgen soll. Doch auch hier ergeben sich Probleme: 90 % der kleinen Boote sind durch den Zyklon zerstört worden.

Eine Versorgung auf dem Luftweg ist die einzige Möglichkeit abgeschiedene Gebiete zu erreichen, doch stehen noch zu wenige Hubschrauber zur Verfügung, die auch in der Lage sein müssen trotz der schlechten Wetterverhältnisse zu fliegen. Das Drehkreuz für alle Hilfslieferungen ist natürlich der internationale Flughafen von Rangon, obwohl die Kapazität durch die aktuelle Anzahl von Flügen schon an ihrer Grenze ist. Zudem sind Geräte und Maschinen zum Entladen der Flugzeuge knapp oder nicht brauchbar. [Q]

Dass das Wetter die Hilfeleistungen behindert bestätigt eine heute von der UNO herausgegebenen Wetterwarnung: Durch die sintflutartigen Monsunregenfälle scheint die Möglichkeit der Entstehung eines neuen Wirbelsturms zu wachsen. [Q] Der Zyklon könnte sich nordwestlich des Fluss-Deltas bilden, wie UN-Sprecherin Amanda Pitt mitteilte – aber in den nächsten vierundzwanzig Stunden werden wir wohl mehr wissen. Wenn sich dieser Sturm aber bilden sollte, befürchtet man bei der UN eine „zweite Todeswelle“. Wenig verwundert es eigentlich, dass das staatliche Fernsehen von Myanmar bisher keine entsprechenden Meldungen verbreitet hat. [Q]

Im OCHA Situation Report No. 9 (hier) ist zu lesen, dass die offizielle Verlustzählung von 31’938 Toten und 29’770 Vermissten spricht. Nicht offizielle Schätzungen liegen deutlich höher. Während nach Regierungsangaben 975’858 Personen in den acht am stärksten betroffenen Gemeinden Hilfe benötigen sind gehen Schätzungen aktuell von 1,5 Millionen Menschen aus, die dringend mit Nahrungsmitteln, Unterkünften, medizinischen Vorräten und Trinkwasser versorgt werden müssen. Mit Hilfsflügen kommen immer mehr Hilfsmittel in das Land und eine wachsende Anzahl von Betroffenen erreicht man, aber die Anzahl der Hilfsgüter liegt noch unter dem Bedarf.

Am Schluß noch die Empfehlung für weitere Informationen heute um 22.45 Uhr im ZDF das „Auslandsjournal“ zu sehen, dass sich mit dem Thema Myanmar beschäftigen wird, zu sehen. [Q] Ich hoffe auf eine objektive und informative Berichterstattung ;) Die aktuellen Informationen findet man aber auch weiterhin direkt an der Quelle: Bei Reliefweb, dem Informationsportal der „Humanitarian Relief Community“ (natürlich in Englisch).

Written by Rabe

14. Mai 2008 at 13:30