RabenZeit

Auf der Suche nach dem goldenen Zeitalter.

Hilfe für Myanmar !?

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In den deutschen Medien flimmern die Bilder der Verheerungen in Myanmar (Birma bzw. Burma) durch den Wirbelsturm vor einigen Tagen über die Bildschirme und wecken in der Bevölkerung eine Betroffenheit wie nach der Tsunamikatastrophe vor einigen Jahren. Ein Beweis, dass Katastrophen in der heutigen, von der in Demokratien durch die öffentliche Meinung geprägten Zeit, erst durch die Medienpräsenz gemacht werden. Eine humanitäre Katastrophe ohne Medienecho wird keinen Cent an Spendengeldern und keine Sekunde politischer Aufmerksamkeit erhalten. Leider.

Auf Grundlage der Betroffenheit und humanen Solidarität mit den Opfern der Katastrophe habe ich heute morgen im Fernsehen den Spendenaufruf gesehen, der den rechtschaffenen und mitfühlenden Bundesbürger bittet für die Opfer vor Ort zu spenden. Aber: Jede Spende für Myanmar darf nur für Myanmar ausgegeben werden – selbst, wenn die Katastrophe rum ist und keine Gelder mehr benötigt werden. Nach dem Tsunami flossen so viele Spendengelder, dass nach einigen Monaten einige Organisationen händeringend nach Projekten suchten, weil sie zuviel Geld hatten. Zeitgleich verhungern woanders Menschen, weil man das Geld nicht umschichten darf. Daher kann ich nur Jeden, der spenden will (was sicher sinnvoll und richtig ist) empfehlen nicht projektbezogen zu spenden, sondern das zu fördernde Projekt der Organisation des Vertrauens zu überlassen.

Zu Recht wird starke Kritik wird an der Regierung von Myanmar geübt. Abgesehen davon oder gerade weil wir es hier mit einem antidemokratischen Militärregime mit allen damit in Verbindung stehenden Menschenrechtsverletzungen und der Unterdrückung zu tun haben, ist diese Junta internationaler Hilfe gegenüber nicht besonders aufgeschlossen. Man will die Hilfsmaterialien annehmen, aber nicht die Helfer, die Experten aus aller Welt – scheinbar aus Angst, dass die Regierungsgewalt durch deren Präsenz destabilisiert werden könnte. Als Helfer steckt man nun doch in einem Gewissenskonflikt:: Will man den Menschen im Land helfen sendet man besser Hilfslieferungen, als gar nichts zu machen. Doch dann werden diese Hilfsmaterialen wohl vom Militär ausgeteilt und entsprechend propagandistisch missbraucht. Und die so geartete Unterstützung und damit Stützung eines Militärregimes kann die Weltengemeinschaft auch nicht wollen.

Da wir gerade von Unterstützung reden: Ratet mal, aus welchem Land die Panzer und viele Flugzeuge des Militärs stammen. Richtig: China, das auch in Myanmar einige Militärstützpunkte betreibt, was mal wieder zeigt, das die Volksrepublik nicht nur in Afrika solche Regime stützt und damit Menschenrechtsverletzungen fördert. Es wundert sicher auch Niemanden, dass China sich an der internationalen Hilfe beteiligt und deren Flugzeuge heute morgen direkt auf dem Flughafen von Rangon landen konnten. Der stellvertretende, für die Hilfslieferungen zuständige Minister, Brigadegeneral Kyaw Myint hat China natürlich direkt seinen Dank für diese schnelle Hilfe ausgesprochen [Quelle]. Schnelle Hilfe, die auf den guten Kontakten zwischen der Volksrepublik China und der Militärjunta von Myanmar beruht.

„Ohne gute Kontakte zur Militärjunta hat man keine Chance“, heißt es dementsprechend bei den internationalen Organisationen, die schon länger in dem asiatischen Land aktiv sind, und die gerade aus diesem Grund keine Kritik am Regime des Landes äußern möchten. Sie wollen helfen – wie auch die Mannschaft einer Maschine mit Hilfsgütern, die aber wegen fehlender Einreisegenehmigung wieder voll beladen zurück geschickt wurde. Von den Vereinten Nationen wird dieses Verhalten als beispiellos in der Katastrophenhilfe kritisiert, denn viele andere Länder haben in den vergangenen Jahren gezeigt, wie es auch anders gehen kann. Eine Woche ist die Naturkatastrophe nun her und noch immer will die Militärjunta keine internationale Hilfe in erforderlichen Umfang zulassen [Quelle].

Dem ungeachtet sind die Träger der internationalen, humanitären Hilfe nicht untätig und unter Leitung der entsprechenden Agencies und Inter-Agencies der Vereinten Nationen (UN) auch vor Ort schon im Einsatz. Obwohl wegen fehlender Visen, die auch nur schleppend ausgestellt werden, nur Teile von Teams nach Myanmar einreisen konnten oder noch im benachbarten Bangkok warten, ist UNDAC (UN Disaster Assessment and Coordination) und das WFP (World Food Programm) mit dem zugehörigen UNJLC (United Nations World Food Programm) und deren LogisticCluster und viele andere Agencies der UNO wie auch etliche IGOs und NGOs schon vor Ort aktiv. Auch ein Logistikexperte des THW (Technisches Hilfswerk) ist vorgestern zur Unterstützung der UN in die Region gestartet und ein Trinkwasseraufbereitungsteam der Bundesanstalt steht schon in den Startlöchern.

Wie auf Reliefweb, der Internet-Plattform für Humanitäre Hilfe, zu lesen ist, hat die Junta dem US-Militär indessen die Erlaubnis erteilt Hilfsflüge durchzuführen. Die Vereinten Nationen haben angekündigt mindestens zehn Millionen Dollar aus dem Central Emergency Relief Fund bereitzustellen. Die ersten Hilfslieferungen mit Nahrungsmitteln sind indessen in den Städten im zentralen Katastrophengebiet angekommen. So auch in der Stadt Labutta im Irawadi-Delta, die durch Flüchtlinge auf der Suche nach Nahrungsmittel von 50.000 Einwohner auf 120.000 Menschen angewachsen ist [Quelle]. Das sind mehr Einwohner, als in einer Stadt wie Koblenz wohnen und macht das Ausmaß der Katastrophe deutlich.

Diese Katastrophe hat aber nicht nur Auswirkungen auf Myanmar und seine Bewohner. Schon mehrfach hatte ich über die Nahrungsmittelkrise geschrieben, die sich auch hier bei uns in Deutschland mit Preissteigerungen bemerkbar macht, aber gerade in den armen Ländern und im Bereich der humanitären Hilfe existentielle Auswirkungen hat. In Myanmar wird Reis angebaut und dieser wird nun, durch die zerstörte Ernte, auf dem Weltmarkt fehlen. Darüber hinaus wird Myanmar zur Ernährung der Bevölkerung Reis auf dem Weltmarkt zukaufen müssen. Reis wird also noch knapper und daraus resultierend auch noch teurer werden.

Die offiziellen Schätzungen sprechen von 23.000 Toten, 42.000 Vermissten und 93.000 Flüchtlingen [Quelle]. 93.000 Menschen, deren Häuser zerstört sind und innerhalb des Landes auf der Suche sind nach Nahrung und trinkbarem Wasser. Zahlen, die in vielen Medien aber noch höher eingestuft werden und erst die nächsten Tagen und Wochen wird sich zeigen, ob die Zahlen von 100.000 Toten und über 1 Millionen Binnenflüchtlinge, wie sie teilweise zu lesen sind, nicht doch realistischer sind.

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