RabenZeit

Auf der Suche nach dem goldenen Zeitalter.

Olympiaboykott für ein freies Tibet !?

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In der Blogwelt ist viel über ein etwaiges Boykott der olympischen Spiele an den heimischen Fernsehern die Rede und auch ich mache mir aktuell Gedanken, ob das Sinn macht. An erster Stelle steht jedoch die Frage, wofür man die olympischen Spiele in China boykottieren sollte – und gerade durch die Ereignisse der letzten Wochen, den Aufstand in Tibet und die Übergriffe auf die Läufer mit der olympischen Fackel, hört man immer öfter den Ruf nach einem Boykott für ein freies Land Tibet. Einige haben dazu aufgerufen und, von einer großen Sympathie für die Tibeter unter der Führung des in Deutschland beliebten Dalai Lama getragen, hört man diesen Ruf derzeit immer öfter. Grund genug, um sich darüber näher zu informieren und darüber nachzudenken.

Mein Weg führt mich bei der Suche von Hintergrundinformationen als erstes zu Wikipedia. Tibet ist zuerst ein ausgedehntes Hochland in Zentralasien, zu dem auch das „Autonome Gebiet Tibet“, ein Verwaltungsgebiet der Volksrepublik China, zählt. Die Geschichte des Landes ist über eine lange Dauer von einer absolutistisch-monarchistischistischen Herrschaftsform geprägt, durch die wohl bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts mehr als die Hälfte aller Tibeter als vom Adel und den Klöstern abhängige Bauern tätig waren. Ein Jahr, nachdem die Bundesrepublik Deutschland gegründet wurde, existierte dort noch ein Regierungswesen, wie es in Europa im Mittelalter geherrscht hat. Die Verklärung des guten, alten, friedlichen Tibets, wie er weltweit zu finden ist, spiegelt sich in diesen Fakten zumindest nicht wider.

Über die gleiche Quelle erfahren wir, dass China über einen Zeitraum von fast 200 Jahre Tibet als Protektorat zumindest in der Außenpolitik mit vertreten hat (mit einer kleinen Unterbrechung, währenddessen Tibet britisches Protektorat war). Erst 1913 erklärte der damalige Dalai Lama Tibet für unabhängig – doch kein anderer Staat hat Tibet in den Jahren bis zum Einmarsch der Chinesen 1950 als unabhängige Nation anerkannt. Aus diesem Grund ist auch der völkerrechtliche Status von Tibet international umstritten. Indessen sind aber seit der Angliederung Tibets an China über fünfzig Jahre vergangen und im tibetischen Hochland leben heute (nach Schätzungen der tibetischen Exilregierung) sechs Millionen Tibeter und 7,5 Millionen Chinesen.

Ob man es wahr haben will oder nicht: Das Tibet, das es vor 1950 gegeben hat, existiert nicht mehr. Wenn man nun bedenkt, dass das Land zuvor kein so friedliches Idyll, wie es oft und gerne dargestellt wird, war, sondern ein eindeutig undemokratisches Regierungssystem hatte, kann sich wohl kein freiheitlich denkender Demokrat wirklich für ein freies Tibet unter den damals herrschenden Bedingungen engagieren. Eine sehr kritische Auseinandersetzung über den Dalai Lama und die Situation Tibets findet man als weiterführende Information mit einer der öffentlichen Meinung konträr laufenden Sichtweise hier. Zeitgleich ist der Dalai Lama Besitzer des Friedensnobelpreises und auch in der Exilregierung Tibets hat es wohl indessen demokratische Ansätze gegeben. Wie so oft liegt die Wahrheit wohl, für uns nicht klar erkennbar, genau dazwischen.

Man darf aber nicht die Augen verschließen vor den Verletzungen der Menschenrechte, die China im tibetischen Gebiet verübt. Die Unterdrückung der tibetischen Kultur, die Behinderung der Religionsausübung und den Raubbau an der Natur des Landes sind ebenfalls Vorgänge, die man nicht einfach so hinnehmen sollte. Ob Tibet jetzt ein unabhängiges Land ist oder ein autonomes Gebiet Chinas, ist für mich erstmal von sekundärer Bedeutung, wenn innerhalb der Landesgrenzen die Menschenrechte gewahrt würden. Das dies nicht der Fall ist, ist keine Neuigkeit – beschränkt sich aber nicht nur auf Tibet, sondern auf das ganze Land China.

Mein Fazit an dieser Stelle: Wenn ich die olympischen Spiele boykottiere, dann werde ich das wohl nicht für ein freies Tibet machen – aber die Menschenrechte (in Tibet und im restlichen China) wären ein echt guter Grund.

Ergänzung am 19. Mai 2008: Einen ergänzenden und weiterführenden Artikel zu diesem Thema findet man hier.

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Written by Rabe

19. April 2008 um 22:09

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