RabenZeit

Auf der Suche nach dem goldenen Zeitalter.

Der Hunger, die Ausbeutung und Olympia.

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Vor etwas über einem Monat habe ich die Problematik der steigenden Nahrungsmittelpreise auf dem Weltmarkt in einem kurzen Artikel schon mal thematisiert. Indessen hat diese Entwicklung auf Haiti schon zu schweren Ausschreitungen geführt und auch außerhalb von den sich mit der humanitären Hilfe primär befassenden Organisationen und Institutionen hat man diese Fakten öffentlich angesprochen. Selbst der Präsident der Weltbank, Robert Zoellick, hat die Industrieländer aufgefordert 500 Millionen Dollar für die Hilfsprogramme des Welternährungsprogrammes (World Food Programm = WFP) bereitzustellen. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben für mich überraschend schnell reagiert und stellen 200 Millionen Dollar als Soforthilfe bereit und auch das deutsche Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unter Frau Wieczorek-Zeul stockt ihre Zahlung um insgesamt 13 Millionen Euro auf.

Das Bundesministerium stockt die Zahlungen richtigerweise auf – und wird zeitgleich von unserem Bundesfinanzminister gerügt, der die Geldansprüche des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung für den Haushalt 2009 für zu überzogen hält. Es ging ja soweit, dass Bundesfinanzminister Steinbrück schon angedroht hat die Etatforderungen zum Anlass zu nehmen dem Ministerium von sich aus einen Betrag zuzuweisen, mit dem das Entwicklungshilfeministerium dann auskommen muss. „Ihr habt die Großunternehmen mit fünf Milliarden Euro entlastet, warum wollt ihr keine 700 Millionen Euro für die weltweite Bekämpfung von Armut und Hunger einsetzen?“, sagt Wieczorek-Zeul (Quelle). Es bleibt also noch offen, ob der Exportweltmeister Deutschland weiter an der Bekämpfung der Armut in der Welt beteiligen wird oder nur noch ein Almosen gewährt.

Fakt ist, dass Hunger immer noch ein Problem in weiten Teilen der Welt ist, wie man auf der Welthungerkarte des WFP gut erkennen kann. Ein Problem, dass aber durch Geldzahlungen und Hilfslieferungen nur kurzfristig in den Griff zu bekommen ist bzw. durch diese Art der Hilfe den „Patienten“ nur für ewig von den Industrienationen abhängig macht (was sicher einigen Wirtschaftslenkern gar nicht mal so unrecht wäre). Diese Hilfe kann nur Übergangsbehelf sein, bis sich die betroffenen Länder selber helfen können. Ein Zustand der natürlich erst mittel- bis langfristig zu erreichen ist und dessen Realisierung von vielen Faktoren abhängt, wovon etliche gerade durch die Industrienationen wie Deutschland stark beeinflussbar sind.

Man hört zuweilen die Stimmen, dass man Afrika (um den Kontinent mal stellvertretend für alle hungernden Regionen der Welt zu nehmen) schon seit einer halben Ewigkeit helfen und unterstützen würde, dass aber das Ergebnis gleich Null ist und hier eine große Schuld bei den Afrikanern selbst liegt, die bedingt durch die Hilfe gar nicht mehr die Motivation haben sich selbst zu helfen. Sicher gibt es Mentalitätsunterschiede, die sich gerade in der Arbeitsauffassung unterscheiden, aber wie kann ich einen afrikanischen Milchproduzenten zur Arbeit motivieren, wenn europäische Trockenmilch billiger verkauft und besser vermarktet wird !? Wie kann ich einem Tomatenbauer sagen er soll fleissiger sein, wenn die aus den Niederlanden importierten Tomaten auf den Märkten günstiger angeboten werden !? So günstig, dass der afrikanische Bauer nicht davon leben könnte !? Wir, die Industrienationen, zahlen Entwicklungshilfe und zerstören viele Entwicklungen direkt wieder.

Zeitgleich fordert die Welthandelsorganisation (WTO) die Öffnung der afrikanischen Märkte als Grundlage für Hilfe und in den Industrienationen wachsen gleichzeitig als Schutz der heimischen Märkte die Handelshemmnisse. Anders: Die Industrieländer schotten sich und damit ihre Märkte ab, während von den armen Ländern eine Öffnung der Märkte gefordert wird. Die Rohstoffe, an denen Afrika ja reich ist, müssen privatisiert werden – und da einheimische Unternehmen nur selten genug Investitionsgelder haben werden diese nun von ausländischen Firmen aufgekauft. Das Ergebnis ist wieder einmal die Ausbeutung des afrikanischen Kontinents durch Ausländer – nur dieses Mal nicht so offensichtlich und ohne entsprechende Berichterstattung in den Medien auch von dem Großteil der Weltbevölkerung unbemerkt.

Hier spannt sich dann auch der Bogen nach China und den olympischen Spielen, die für viele in der humantiären Hilfe engagierten Organisationen, z.B. Genocide Alter und die Initiative „Rettet Dafur„, auch einen direkten Bezug zu der Situation in Afrika haben. In Afrika vollzieht sich auf dieser wirtschaftlichen Ebene eine Rekolonialisierung, die auch im Wesentlichen von China betrieben wird. Einige der Rohstoffvorräte werden nämlich nach der Privatisierung durch chinesische Firmen ausgebeutet. Viele Arbeiter werden direkt aus China eingeflogen, so dass die Bevölkerung vor Ort nicht von dem Abbau ihrer Bodenschätze profitiert, und wie ich gelesen habe sind die Arbeitsbedingungen mit denen zur Zeit für die Ausbeutung der Arbeiter bekannten Industrialisierung zu vergleichen. Das ist auch der Grund, warum China auch als Protegé des Sudan gilt. China ist dort dick im Ölgeschäft tätig und mit 10 Milliarden Dollar an Investitionen involviert – 64% des sudanesischen Handelsvolumens stellt der Handel mit China. Auch Waffen verkauft China an den Sudan, Waffen die sicher auch irgendwann in der Region Darfur auftauchen dürften.

Wenn man diesen Bogen nun zu Ende verfolgt, kommt man wieder an den Punkt, an dem die wirtschaftlichen Interessen die politischen Vorgehensweisen vieler Staaten bestimmen und die wirtschaftliche Entwicklung in der Heimat und vor der eigenen Haustür von weitaus größerer Wichtigkeit ist als die Menschenrechte und das pure Überleben in anderen Teilen unserer Welt. Nur auf politischer Ebene und mit einer sinnvollen global angelegten Wirtschaftspolitik, die allen nutzt, kann diese Herausforderung langfristig gelöst werden. Diese Politik aber wird erfahrungsgemäß nur gemacht, wenn eine informierte Bevölkerung einen solchen Weg fordert. Daher ist es so wichtig, dass wir uns dieser Probleme bewusst werden und als Multiplikatoren dienen. So prägnant unsere eigenen Probleme sind – uns geht es noch vergleichsweise gut.

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Written by Rabe

15. April 2008 um 08:02

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