RabenZeit

Auf der Suche nach dem goldenen Zeitalter.

Berichterstattung auf Lücke

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Die Berichterstattung in den deutschen Medien, die besonders gegenüber den US-amerikanischen oft als so umfassend und objektiv gelobt wird, wundert mich doch zuweilen und lässt viele Fragen offen. Fragen, die aber die Mehrheit der Deutschen, von der seichten Nachmittagsunterhaltung im deutschen Fernsehen abgestumpft, gar nicht stellen. Stattdessen werden die in der Presse kurz dargelegten Sachverhalten unreflektiert übernommen ohne den sicher manchmal auch zeitraubenden Versuch zu unternehmen weiterzudenken und sich darüber hinaus zu informieren. Im täglichen, hektischen Leben in unserer komplexen Welt sicher ein unmögliches Unterfangen ist es, wenn man den Ehrgeiz hätte über alle Themen mit den erforderlichen Hintergründen informiert zu sein. Das sollte aber Niemanden daran hindern sich eine Meinung zu bilden, mitzureden und vor allem – und das kostet nur wenig Zeit – nach- und weiter- und mitzudenken.

Als Beispiel berichtet n-tv auf ihrere Webseite heute unter der Überschrift „Eskalation im Gaza-Streifen – UN ernsthaft besorgt“ über die jüngsten Operationen der israelischen Armee. In einem Abschnitt heißt es: „Zuvor waren im Gazastreifen bei israelischen Militäreinsätzen 60 Palästinenser getötet und 200 weitere verletzt worden. Auch zwei israelische Soldaten kamen ums Leben. Israel reagierte mit den Militäreinsätzen auf den Raketenbeschuss seiner Grenzgebiete durch militante Palästinenser.“ Eine Berichterstattung über die gerade laufende Militäroperation gegen die Hamas erfolgt mit genauer Auflistung der Opfer, doch über die Opfer, die durch die Raketenangriffe auf israelischer Seite zu beklagen sind, habe ich noch nichts gelesen. Nur ein von vielen Lücken in der Berichterstattung, die aber nicht davon abhalten die israelische Militäroperation zu verurteilen.

Das die UN besorgt ist über eine Eskalation der Gewalt ist auch nett gesagt, wenn man über eine Region spricht, die schon seit gut einhundert Jahren diesen Konflikt beherbergt. Ein Konflikt, zu dessen Beilegung immer wieder Hoffnungen geweckt werden, aber keine wirkliche Bewegung zu erkennen ist. David Ben Gurion, der erste Premierminister Israels, sagte schon 1919: „Jeder erkennt das Problem in den Beziehungen zwischen den Juden und den Arabern. Aber nicht jeder erkennt, dass dieses Problem keine Lösung hat. Es gibt keine Lösung!“.

Trotzdem darf und sollte man wohl auf eine Lösung hoffen, sich aber in seiner Meinungsbildung hier wie auch in anderen Themenfeldern nicht alleine auf die Medien, sondern auch auf seine eigene Kritikfähigkeit verlassen.

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Written by Rabe

2. März 2008 um 09:20

Veröffentlicht in Politik in Deutschland

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