Archiv für die Kategorie ‘Rollenspiel’
Larp-Prophezeiungen.
Mehr und mehr habe ich das Gefühl, dass die Liverollenspielgenres Endzeit und Steampunk derzeit die Trendsetter sind und immer mehr Zulauf erhalten, nachdem seit einigen Jahren das Fantasy-Larp immer stärker in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt und entsprechend Zulauf an neuen Spielern erhalten hat.
Anders gesagt: Endzeit und Steampunk sind das neue Fantasy-Larp.
Schon jetzt stelle ich mir die Frage was danach kommt, wenn auch diese beiden Genres so Hype geworden sind, dass man sich wieder nach etwas Neuem umschauen muss. Western, Gaslight, … – es gibt sicher noch weitere Genres im Angebot und mit genug Kreativität wird man auch noch bisher nicht bespielte Genres (er)finden. Oder es gibt eine Rückkehr zum alten, dann weniger populären Fantasy-Larp. Wir werden es erleben. Ich bin gespannt.
Fundstück 021: EndzeitLarp in Russland.
Das Fantasy-Larp hat in den vergangenen Jahren nicht nur immer mehr Zulauf erhalten, sondern auch sein Gesicht verändert. Gut ist, dass der Anspruch an Darstellung und Ausstattung gestiegen ist (auch wenn es immer noch Leute gibt, die immer noch meinen, dass eine Lederhose und ein Schnürhemd ein vollständige Gewandung ist). Schlecht ist, meines Erachtens nach, dass diese perfektionierende Tendenz bei einigen Mit-Larpern einen gewissen Fanatismus auslöst, der andere Meinungen oft nicht zulässt. Man muss sich nur einige Kommentare bzw. Diskussionen auf LarpeR.ning durchlesen um zu wissen, was ich meine.
Neben dem Fantasy-Genre gab es noch andere Genres, die aber als Nischenprodukte kaum ins Gewicht fielen. Doch seit letzten Jahr wachsen zumindest zwei dieser Nischengenres: Endzeit und Zombie. Da ich noch nie ein Fan von Zombie- und Splatterfilme dieses Genres war, kann ich mich auch für Zombiecons wenig erwärmen. Abgesehen davon, dass mir (wenn ich Zombie-NSC machen würde) das Schminken und vor allem das Abschminken echt annerven würde. Endzeit wollte ich vor zwei Jahren schon mal machen, bin aber nicht dazu gekommen. Indessen machen das so viele Leute, dass ich auch schon etwas wieder die Lust darauf verloren habe. Klingt komisch, ist aber so.
Aber wenn ich Fotos von Veranstaltungen aus dem Genre sehe (womit ich gut gemachte Fotos meine und nicht die Viele-kleine-Leute-die-mit-dem-Rücken-zur-Kamera-gegeneinander-kämpfen-Fotos, die man so oft in irgendwelchen Larpgalerien findet), dann ist das echt mal was Anderes und es würde mich reizen bei so einem Con mal als Larpfotograf rumzulaufen. Natürlich erst, wenn ich die Funktionen meiner Kamera soweit ergründet und auch noch ein paar Sachen dazu gekauft habe. Aber ich kann nicht verhehlen, dass ich begeistert bin, wenn ich solche Fotos sehe:

Weitere Bilder dieser russischen Endzeit-Cons: Hier und Hier.
Also: Wenn Jemand in ein paar Monaten einen Confotografen benötigt – einfach mal melden ;)
Projekt 52 | Wochenthema 32 | Wochenende
Am letzten Wochenende war ich auf einem der zwei großen Rollenspielveranstaltungen Deutschlands, dem Conquest of Mythodea, auf dem über 6.000 Liverollenspieler ihrem Hobby Larp nachgehen. Dabei kann man in die Stadt gehen, um Einkäufe zu tätigen, den Barden zu lauschen und die Tänzerinnen zu bewundern, in den Zubern zu entspannen und in den Tavernen zu feiern. In epischen Schlachten verteidigt man die elementare Ordnung der „1. Schöpfung“ gegen die Anti-Elemente der „2. Schöpfung“ oder unterstützt sie durch magische Rituale oder kümmert sich als Heiler um die Verletzten und von der Pestilenz Befallenen.
Hier kehren die Truppen des Reiches Dorlónien von einer Schlacht zurück – natürlich siegreich ;)

Das folgende Foto ist eine Aufnahme von der Schlacht vor dem Erdlager, bei dem die „Siedler“ gegen die Horden des Schwarzen Eises und des Untoten Fleisches bestehen müssen.

Ein Ritual mit einem „heiligen“ Szepter bzw. Streitkolben an der großen Rüstung des „Xerikan“, der im späteren Verlauf zum Leben erweckt wurde:

Nach der „Arbeit“ auf dem Schlachtfeld oder im Lazarett geht es dann in die Stadt, wo die Händler ihre Waren feilbieten:

Diese Bilder in höherer Auflösung und meine weiteren Fotos von der Veranstaltung findet man hier.
Larp-Charakterwahl: Lektionen gelernt.
Ein weiteres Larp-Wochenende liegt hinter mir und die Bewertung des Cons der Chaos-Larp-Orga fällt mir schwer wie selten zuvor. Das mag daran liegen, dass ich am Freitag morgen schon direkt nach dem Aufwachen den Wunsch geäußert habe, dass Sonntagabend und damit das Con vorbei sei. Sicher nicht, weil ich die Orga nicht mag (sonst wäre ich ja nicht Vereinsmitglied), sondern weil ich mich entschieden hatte meinen Reichsritter Mathras von Orktrutz zu spielen, zumal auch „meine“ Truppe dort stark war. Und damit die nicht auf mich verzichten müssen, bin ich dann auch hingefahren. Letztendlich kann ich nur sagen: falschverstandenes Pflichtgefühl.
Nicht nur, dass ich schlecht in meine Rolle hinein gefunden habe und auch an ihr keinen Spaß verspürt habe, weil ich auf der Arbeit genug Druck habe, dass ich nicht auch noch am Wochenende für das Licht und damit das Gute streitend Entscheidungen fällen muss, – nein, mich hat es auch noch gesundheitlich aus den Latschen gehauen. Direkt nebenan wurde die Wiese gemäht, weshalb meine Nase zu einer direkten Reaktion genötigt war. Dann bin ich bei einem Kampf hinterrücks mit dem Hinterkopf auf eine Asphaltkante gefallen (kann keiner was für, lässt trotzdem die Stimmung nicht steigen) und habe mir einen leichten Sonnenstich geholt. Wegen Letzterem habe ich die Endschlacht im Zelt auf meiner LuMa verbracht. Meine schwere Heuschnupfenattacke hat sich heute morgen übrigens als Bronchitis zu erkennen gegeben – ich sitze jetzt bei Antibiotikum zuhause.
All das hatte Nichts mit dem Con selbst zu tun, sondern mit mir – und ich habe zwei wichtige Lektionen gelernt (die man auch hätte früher lernen können, aber manchmal muss es wohl der Bihänder sein): 1. Spiele den Charakter, auf den Du Lust hast – unabhängig davon, ob andere Leute sich mehr über einen anderen Deiner Charaktere freuen würden. 2. Wenn Du keine Lust hast, dann lass es sein und mache Dir ein schönes Wochenende zuhause. Ergo: Mehr auf die innere Stimme hören.
Mir tun nur die Leute leid, denen ich durch meine Motivation und meine „Gebrechen“ kein schönes und stimmiges Spiel bieten konnte bzw. sie sogar genervt haben sollte … aber jeder hat mal ein schlechtes Wochenende – und das war definitiv meins.
Projekt 52 | Wochenthema 24 | Piraten Ahoi
Das Projekt 52 geht in die 24. Woche und Sari hat das neue Thema vorgegeben: „Piraten Ahoi“. Als ich es gelesen habe wusste ich direkt, welches Bild dazu passt, auch wenn ich auf mein Archiv zurück greifen musste:

Das Foto wurde auf unserer Liverollenspiel-Veranstaltung „Donnerholm 1″ an Ostern 2008 aufgenommen und zeigt einen Teil der Mannschaft des Schiffes „Cazadora“, wie sie das Lied „17 Mann auf des Totenmanns Kiste“ singen. Wer mehr Fotos sehen möchte: Location | Tag 1 + 2 | Tag 3 | Tag 4.
Larp: Mit Kindern auf Con.
Während Larp-Veranstalter wegen Haftungsängsten immer mehr dazu übergehen nur noch Cons ab 18 Jahre zu veranstalten und im LarpeR eine Gruppe mit dem reisserischen Titel „Wider Kinder auf Con“ eröffnet wird bekenne ich mich dazu gegen den Strom zu schwimmen:
Gestern haben meine Söhne (12 und 10 Jahre alt) das Feuerkind und mich, wie schon länger geplant, auf ein Con begleitet – das Schattenthal 3. Die Kinder hatten viel Spaß und waren fast die gesamte Zeit Intime (und wenn nicht, dann nur, wenn wir alleine waren) – und die Resonanz war auch durchweg positiv (zumindest bisher). Ein Ambientecon mit Ritterturney, Bogenschützenwettbewerb (an dem auch meine Kinder teilgenommen haben) und sonstigen Spielen war natürlich gerade für einen Einstieg gut geeigent.
Aus Sicherheitsgründen sind Kinder in der Schlacht fehl am Platz – da sind sich sicher alle einig. Auch hat es immer mit dem Alter zu tun, aber die Erläuterung der oben genannten LarpeR-Gruppe (Zitat: „Sie begreifen es nicht, sie können nicht damit umgehen, sie stören, sie nerven, sie behindern mich beim Rollenspiel. Kinder gehören nicht auf Con!“) ist schlicht und ergreifend Unsinn.
Dass sie Larp bzw. Rollenspiel nicht begreifen hängt zuerst einmal davon ab, wie man es ihnen erklärt – und wenn ich mir viele Mitspieler anschaue, dann hat das Begreifen von gutem Rollenspiel nichts mit dem Alter zu tun. Dass Kinder damit nicht umgehen können ist auch in den seltensten Fällen der Fall, denn sie wissen sehr genau, dass es nur gespielt ist und die Leute Masken tragen bzw. geschminkt sind. Und wer der Ansicht ist, dass Folter und Vergewaltigung zu einem konsequenten Rollenspiel dazu gehört, der sollte sich fragen, ob er sich nicht besser einen Psychiater sucht.
Es sollte selbstverständlich sein, dass sich die Eltern um ihre Kinder kümmern – aber ich fühle mich von Kindern weitaus weniger genervt oder in meinem Spiel gestört als von schlechten Rollenspielern, OT-Gesprächen am Lagerfeuer, unschönen Kämpfen, etc. In der Argumentation wurde genannt, dass man z.B. als Orkspieler auf die Kinder in Acht geben muss und sie nicht als Gerüsteter einfach umrennen kann – aber ich als Erwachsener erwarte ebenfalls, dass man auf mich Acht gibt und mich ebenfalls nicht einfach über den Haufen rennt. Nicht umsonst sollte ein Infight abgesprochen werden …
Mit Kindern auf Con? Wenn man die Kinder entsprechend betreut und sie auf das Larp vorbereitet.sowie das richtige Con aussucht kein Problem Wie konsequent ist zudem eine Welt ohne Kinder? Und was wäre Larp ohne Nachwuchs, der nicht erst mit dem coolen schwarzgewandeten Assasinen beginnt gutes Rollenspiel zu erfahren? Kinder sind eine Bereicherung und unsere Zukunft – auch im Larp.
Nachlese 6. Sinziger Rollenspiel-Wochenende.
Die Zeit von Freitag Abend bis heute Morgen um 4 Uhr stand bei meiner kleinen Hexe und mir ganz im Zeichen des Rollenspiels. Für uns war das 6. Sinziger Rollenspiel-Wochenende (SiRoWe) das Erste, an dem wir teilgenommen haben. Angeboten werden verschiedene Rollenspielsysteme aus dem Pen&Paper, Tabletop und Brettspiele, während die Teilnehmer mit gutem Essen und Getränken (Kaffee, Tee und Wasser) bei Kräften gehalten werden.
Auch wenn die Einteilung etwas chaotisch erscheint und mehr auf spontanen Absprachen vor Ort basiert als auf eine klare Einteilung der Runden nach Zeiten hat es besser geklappt, als ich Anfangs dachte. Nach netten Gesprächen hat es Freitags für uns mit einem Brettspiel bei einem Kampf um den eisernen Thron begonnen. Am Samstag dann kamen wir (nach einer kleinen Runde „Monopoly Star Wars“) endlich dazu Pen & Paper zu spielen: Boenie hat erst „Dark Heresy“ aus dem Warhammer-40k-Universum gemeistert und dann zu später Stunde einen Kriminalfall in der Eifel auf der Basis von „Cthulhu“ – wie immer großartig.
Auch wenn sich Rollenspieler oft noch gerne als Randgruppe sehen, so ist es doch indessen ein Hobby geworden, das von vielen Leuten betrieben wird, so dass die Anzahl von Nerds auf der Veranstaltung relativ gering war. Natürlich gibt es die Leute, die kein anderes Gesprächsthema haben und von denen man fast erwartet, dass sie sogar die Frage, was sie gleich essen oder trinken mit einem Würfelwurf entscheiden – doch man findet auch genug Leute, die mit beiden Beinen im realen Leben stehen und mit denen man sich auch über andere Sachen reden kann, als nur über Rollenspiel, wofür in den Pausen zwischen den Spielrunden immer Zeit blieb.
Viel stärker habe ich jedoch die meiner Erfahrung nach existenten Zweiteilung der P&P-Spieler in „Effizienzspielern“ und „Rollenspielern“ empfunden. Auf einer Veranstaltung wie dem SiRoWe findet man beide Spezies vor, die dann in den Runden zum gemeinsamen Spiel zusammen kommen – ein gemeinsames Spiel, das auf Grund unterschiedlicher Prioritäten nicht funktioniert. Ein Problem, das man bei den privaten Runden auf Grund eines gemeinsamen Konsenz nicht in dieser Art auftritt.
Dabei definiere ich „Effizienzspieler“ als die Spieler von Rollenspielen, die schon bei der Charaktererschaffung Wert auf Leistung und damit auf die Effizienz ihres Charakters legen. Für sie steht das möglichst schnelle und auf bestem Wege erfüllen der Queste im Vordergrund. Ihnen gegenüber stehen die „Rollenspieler“, die in erster Linie einen Charakter spielen und diesen mit den anderen Spielern und Meisterpersonen in der Queste interagieren lassen möchten, ohne dass die Werte im Vordergrund stehen, ggf. sogar die Schwächen des Charakters begrüßen.
Dabei gibt es zwischen beiden Arten kein „schlechter“ und „besser“, denn jedem Menschen bzw. Spieler seien seine persönlichen Vorlieben gegönnt – nur halte ich beide Arten in einer Runde nicht für kompatibel, da es für beide Seiten nur zu Frust führen kann. Die Effizienspieler sind genervt von den „Umwegen“ und langatmigen, ineffizienten Spielen der Rollenspieler, während diese durch die Einwürfe und Vorschläge zu einem effizienteren Agieren ihrer Charaktere und frustriert werden. Bevor Jemand fragt: Ich zähle zur zweiten Gruppe, die lieber eine Rolle spielen als „gewinnen“.
Diese Erfahrung der Inkompatibilität haben wir im speziellen in der „Dark Heresy“-Runde gemacht, in der oftmals das interaktive Spiel zwischen den Charakteren gebremst wurde. Während die „Rollenspieler“ miteinander sprachen, wie es auch die Charktere machen würden, gab es auch Einwürfe wie zum Beispiel „Ich erzähle Euch, dass …“. Als der Charakter, wie bei dem System nicht unüblich, während der Queste gestorben ist wurde von dem Spieler weiterhin Vorschläge gemacht, was wir machen bzw. wie wir agieren sollten. Wie es anders gehen kann haben wir dann bei der Cthulhu-Runde gemerkt, wo alle Spieler in ihren Rollen über den Fortschritt und die Gesellschaft der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts (in der Zeit, in der das Abenteuer gespielt hat) diskutiert haben – was zwar Nichts mit der Queste zu tun hatte, aber die Atmosphäre entsprechend gefördert hat.
SiRoWe gerne wieder, aber ich glaube ich werde mir zukünftig gut überlegen zu welcher Runde ich gehen werde und wer dort mit mir spielen wird – lieber (wie an sich nicht gewünscht) vorherige Absprachen, als dass ich während der mehrstündigen Runden nicht auf meine Kosten komme, weil meine Art des Spiels nicht mit denen meiner Mitspieler kompatibel ist. Und ich glaube, dass auch diese dann nicht die Freude bei meiner Art von Spiel haben …
„Mein Blut für Vashanka.“
Nachdem Bob (Ihr wisst schon: Der Typ, der mit dem Typen rumhängt, der früher mal mit Radieschen rumzog) in seinem Blog schon mit einigen Zeilen zum „Silvercrow 13.1″ vorgelegt hat und auch ein zweites Blog-Review existiert, möchte ich nicht nachstehen. Auch wenn ich noch immer groggy bin, denn wie Bob muss ich feststellen, dass ich für acht Tage Con in zehn Tagen langsam zu alt bin. Aber so lange ich (anders als mein Schatz, die mit einem leichten Schleudertrauma im Krankenhaus war) noch nicht kaputt gehe …

Zwar findet man mein (noch in Arbeit befindliches) Review und meine Fotos an anderer Stelle, aber ein paar Worte zum Con sind jetzt auch hier fällig – auch wenn die Bewertung des Cons für mich echt schwierig ist. Es gab einige Mängel in der SL-Kommunikation, bei der Ausstattung und bei der Einweisung bzw. dem IT-Wissen der NSCs, aber dennoch hatte ich meinen Spaß. Ich hatte immer zu tun (auch wenn ich weniger auf die Omme bekommen habe als Bob, dafür aber mehr um den Schutz des Ortes gebetet habe) und nie kam Langeweile auf, ich konnte meinen Charakter Bruder Anselm intensiv spielen und hatte schöne Spielsituationen.
Für das Con waren, meines Wissens nach, nur Charaktere zugelassen, die in irgendeiner Art und Weise für das Licht stehen, weshalb ich auch die Hoffnung hatte, dass Charaktere mit denselben Zielen auch für die Sache entsprechend zusammen arbeiten. Das war leider nicht der Fall, wobei ich bisher noch nicht ganz benennen kann, warum es so war. Vielleicht lag es daran, dass nicht von Beginn an Jemand die Verantwortung übernommen und alle koordiniert hat. Vielleicht aber auch, weil man mehr im eigenen Lager saß und sein Ding machte, anstatt sich mit anderen Gruppen auszutauschen.
Dabei habe ich mal wieder festgestellt, dass Charakter- oder Gruppenkonzepte, die stark auf ein gruppeninternes Spiel mit Mißtrauen gegen jeden Nicht-Gruppenangehörigen angelegt sind, einfach nicht mein Ding sind. Auch wenn es konsequent gespielt ist, so lebt Larp meiner Ansicht nach davon mit anderen, auch oder gerade unbekannten Menschen und Charakteren zu spielen und nicht ein künstliches Gegeneinander aufzubauen. Gerade durch meine Zeit im Skriptorium habe ich, insbesondere beim gemeinschaftlichen Übersetzen der Texte, bin ich mit mehreren guten Spielern in Kontakt gekommen. Das wäre sicher nicht möglich gewesen, wenn ich nur mit meiner Gruppe im Lager gesessen hätte und lediglich zum Kämpfen von meinem Stuhl aufgestanden wäre.
Trotzdem war ich nicht alleine dort und ich möchte mich bei meiner Gruppe, mit denen man sich für die Götter und das Licht aktiv einsetzten konnte, bedanken: beim Zottel, beim Bob, beim Tavernenspinner und natürlich auch beim Feuerkind sowie bei unseren Freunden und Verbündeten aus Drakenhain. Wir hatten (meines Erachtens nach) ein tolles und intensives Spiel – auch wenn wir uns (wie viele andere Spieler auch) manchmal echt dämlich angestellt haben. Wenn die SL nicht so flexibel auch andere Lösungsansätze zugelassen hätte, dann wären unsere Charaktere wohl alle draufgegangen.
Apropos draufgegangen: Am Samstag hatte ich schon mit meinem Charakter abgeschlossen und diese Zeit gehörte für mich zu den intensivsten Momenten des Cons. Schon früh am Tag hatte ich mit meinem IT-Ordensbruder Valgard über meinen Notfallplan zum Schutz der Reliquien gesprochen und als dann der Zugang zu ihrer Rettung für uns immer verschlossen schien, war ich kurz davor Vashanka zum Schutz dieser Reliquien anzurufen und dann dafür mein Blut und damit mein Leben zu opfern. Natürlich ist es schön, dass Anselm überlebt hat, aber es wäre sicher für einen Geistlichen Vashankas ein würdiger Tod gewesen.
Interessant waren auch die Kreise, die man bildete, um gemeinsam für den Schutz der Abtei und des Umlandes zu beten. Nur selten hat man das Vergnügen so viele unterschiedliche Gebete zu hören und zu sehen, was für Energie auch in Priestern steckt, denn auf den meisten Cons hört man doch eher die kurzen Sprüche der Magier. Jedoch scheinen kurze Gebete für Rituale in der prallen Mittagssonne bei einigen Damen und Herren des Klerus nicht im Handgepäck vorhanden zu sein. Ich hätte irgendwann jeden Geistlichen, der in diesem Kreis eine Liturgie vorträgt oder eine Messe hält anstatt ein einfaches Gebet zu sprechen am liebsten erschlagen. Aber mein Brevier mit den dorlónischen Gebeten habe ich mehrfach durchgebetet und bin gerade dabei neue Gebete zu schreiben ;)
Alles in Allem war es trotz der Defizite auf der SL- und NSC-Seite als auch bei der Zusammenarbeit und der Fehlerquote auf der Seite der Spieler für mich ein schönes und gelungenes Con. Auch weil ich die Silver-Crow-Leute (was natürlich die Schwanenkreuzer einbezieht) einfach mag wird es für mich nicht das letzte Con der Orga gewesen sein. Und erst recht, wenn sie wieder ein Con auf dem Jagdschloss Baum machen sollten. ;)
„Mein Leben für die Götter. Mein Blut für Vashanka.“
Pro Larp-Kämpfe in der Dunkelheit.
Die Liverollenspielveranstaltung „Drachenkrieger 1″ ist vorbei, die Review ist geschrieben – und jetzt beginnt das Sortieren und Säubern der Kleidung, das Trocknen des Zeltes und die Vorbereitung auf das nächste Con, das am Mitwoch beginnt. Passend zum Con habe ich auch den „Blutvogt-Mantel“ fertig gestellt, für den die ersten Skizzen ja schon im Januar entstanden sind. Aber die nächsten Nähprojekte warten schon. Aber zum eigentlichen Thema dieses Beitrages:
Als ich am Samstagabend die Wiese betrat, auf der wir den unheiligen Kreaturen entgegen treten sollten, um die Rüstung des Lichts vor ihnen zu bewahren, hatte die Abenddämmerung gerade eingesetzt. Erst nach der siegreich geschlagenen Schlacht kam mir in den Sinn, dass es dunkel wurde und man aus Sicherheitsgründen doch an sich eine Beleuchtung des Feldes benötigt hätte. Dann kam mir in den Sinn, dass es in der Nacht zuvor im Lager schon zu kleineren Kämpfen gekommen war und hier auch, bis auf einige vereinzelte Fackeln mit ihrem spärlichen Licht und zuweilen von der Spielleitung (SL) hochgehaltenen Taschenlampen, keine Beleuchtung zugegen war. Dabei war der Untergrund im Lager auf Grund des schlechten Wetters am Freitag wirdklich enorm rutschig.
Wenn ich nun an die letzten Cons zurück denke habe ich das Gefühl, dass die Qualität der Ausleuchtung immer mehr abnimmt. Waren früher zeitweilig viele Baustrahler auf Stativen im Einsatz und Elektro-Aggregate (wo es kein Stromnetz gab), so wirkten bei den letzten von mir besuchten Veranstaltungen diese Ausleuchtungen doch recht improvisiert. Im ersten Moment war ich innerlich entrüstet über diese Entwicklung, die ja auf Kosten der Sicherheit geht. Doch je länger ich darüber nachdenke, desto mehr zweifel ich daran. Ist dieses „Ich kämpfe nur auf einem ausgeleuchteten Platz“ vielleicht ein indoktriniertes Sicherheitsdenken, das aber nicht zwingend richtig ist!?
Die besagte Endschlacht in der Abenddämmerung hätte nie die Atmosphäre und Intensität haben können, wenn im Hintergrund das Rattern eines Aggregats zu hören und der Platz hell erleuchtet gewesen wäre. Licht hätte die Stimmung einfach zerstört und damit auch den intensiven Moment, der zum Rollenspiel einfach dazu gehören sollte.
Abgesehen von dem atmosphärischen Grund stellt sich aber immer noch die Frage, ob ein Ausleuchten den Kampf zwingend sicherer macht. Ich habe beim Kampf einen Kopftreffer kassiert und auf Grund eines Schwerhiebs auf meine Hand war diese später geschwollen. Aber auch Licht hätte im ersten Fall die falsche Schwerführung (von oben) nicht verhindert und dass beim zweiten Fall meine Hand zufällig vor meinem Torso war, ist einfach Pech gewesen – ein normaler Sportunfall sozusagen. Auf einem hell erleuchteten Fußballfeld kommt es meiner Erfahrung nach zu mehr Verletzungen.
Eine Wiese mit vielen Löchern verbietet sich auf Grund der Verletzungsgefahr eh für Kämpfe – unabhängig davon, ob sie beleuchtet ist oder nicht. Und wer schaut während des Kampfes schon ständig nach unten, um Stolperfallen zu suchen? Zumindest Niemand der erwartet in der Schlacht länger als eine halbe Minute zu bestehen. Und um den Gegner zu sehen und eine Unterscheidung zwischen Kopf und Torso zu treffen reicht das auch Nachts vorhandene Restlicht normalerweise aus.
Meiner Meinung nach ist eine Ausleuchtung des Kampfplatzes oftmals eher ein Sicherheitsrisiko. Beim THW haben wir zum Ausleuchten Systeme wie den Powermoon oder Fahrzeuge mit hoch ausfahrbaren Lichtmasten, womit man auch größere Plätze blendungsfrei ausleuchten kann. Da jedoch nur wenige Orgas sich ein paar Powermoons mit Stückpreisen über 700 € leisten können (vom Fahrzeug mal ganz abgesehen) muss man sich mit Baustrahlern auf den kleinen Stativen begnüngen – und erreicht nicht die für ein blendungsfreies Ausleuchten erforderliche Höhe. Geblendet sieht man jedoch weniger, als wenn man den Platz gar nicht ausleuchten würde – und damit sinkt trotz Beleuchtung die Sicherheit.
Daher ist meine Meinung: Wenn man keine blendungsfreie Ausleuchtung hinbekommt sollte man sie besser weg lassen. Der Platz sollte für Kämpfe geeignet sein – und dann sollte das natürlich Licht ausreichen. Schöner für die Stimmung ist es auf jeden Fall.
Larp: Ein Zwischenstand.
Nach langem Nachdenken und etlichen Skizzen steht endlich fest, wie der Mantel meines Blutvogtes, Bruder Anselm aussehen soll. Und gestern ist der Wollstoff in Rot und Schwarz bei mir angekommen und auch schon zur Vorwäsche gewandert. Heute abend werde ich dann wohl beginnen zu nähen – aber ob ich es bis zu diesem Wochenende schaffe den Mantel und eine Tunika fertig zu bekommen wird sich zeigen. Wenn nicht werde ich wohl noch mal Askir spielen und erst zum Wochenende danach Bruder Anselm, Klerus der Vashanka-Kirche, wieder für seinen Glauben in die Welt hinaus senden: „Mein Leben für die Götter, mein Blut für Vashanka!“.
Das kommende Wochenende werde ich auf das „Drachenkrieger 1″ bei Mannheim fahren und am Mittwoch danach geht es für fünf Tage auf ein Silvercrow-Con bei Hannover. Ich komme wieder rum, wie es scheint. Habe ich zur Eröffnung meiner Larp-Saison am 08. Januar 2009 noch überrascht festgestellt, dass ich im ersten Halbjahr auf 8 Liverollenspielveranstaltungen sein werde, so hat sich meine Planung indessen ausgeweitet. Aktueller Stand der Anmeldungen bis zum Jahreswechsel sind 20 Veranstaltungen mit insgesamt 60 Contagen, davon 3 als SL – sonst als Spieler. Wie es zu vermuten war wird es ein Rekordjahr. :)
Die bisherigen Cons des Jahres waren zumindest mehrheitlich dazu angetan diese Entwicklung nicht zu verfluchen, denn sie haben wirklich Spaß gemacht. Das „Amonlonder Akademiecon 3“ war die perfekte Bühne für meinen Professor und die theoretischen, zum Teil scheinwissenschaftlichen Diskurse mit den „Kollegen“ waren eine Erfüllung. Vom Zusammenspiel unserer Reisegruppe aus Dorlónien mit den Andachten und Gebeten (und dem leylindagefälligen Ellbogen) lebte das „Khumaritenmanöver 4.5„. Meine Entscheidung mit Askir statt mit Anselm zum „Amonlonde 9“ zu gehen habe ich nicht bereut – denn Anselm hätte das mit der Wiederbelebung weniger witzig gefunden. Aber zwei Mal auf einem Con mit dem selben Charakter sterben ist komisch, auch wenn der Rekord bei drei Mal lag. Wie krank Larp einen macht merkte man bei der „Zeitmeister-Taverne„, für die wir bis nach Aschaffenburg und tief in der Nacht wieder zurück gefahren sind. Viele nette Leute habe ich dann auf dem „Galladoorn 21“ kennen gelernt, auf dem ich über Ostern gewesen bin.
Fotos von diesen und anderen Veranstaltungen findet man übrigens auf meinem Picasa-Album und in der dorlónischen Galerie.