RabenZeit

Auf der Suche nach dem goldenen Zeitalter.

Archiv für Mai 4th, 2009

Fantasy-Architektur: Realismus vs. Klischee.

mit einem Kommentar

Im Larp eine bespielbare Stadt darzustellen endet meist auf Grund der möglichen Ressourcen in einer Zeltstadt, wie man es von den Großcons Drachenfest und Mythodea her kennt. Doch vor unserem inneren Augen haben wir doch primär die Bilder von Ortschaften wie Bree und Hobbingen aus dem „Herr der Ringe“ und von Freilichtmuseen wie z.B. in Kommern oder das Ukranenland.

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Sie sind es, die unsere Vorstellung einer mittelalterlichen Ortschaft prägen. Dabei sind die Freilichtmuseen Ausdruck einer früheren, historischen Realität, während die heutigen Filme, seinen es Historienfilme als auch Filme aus dem Bereich Fantasy, bemüht sind eine möglichst realistische Architektur zu zeigen. Das bedeutet nicht nur eine Nähe zu der Realität, sondern auch eine Entwicklung einer logischen Architektursprache, die u.a. von den Ressourcen, Materialien sowie gesellschaftlichen und klimatischen Rahmenbedingungen beeinflusst wird.

2009-05-04-weltentor01Im Sommer dieses Jahres nun eröffnet zwischen Gera und Chemnitz der „Themenpark Weltentor„, der erste Fantasy-Themenpark im mittelalterlichen Ambiente mitten in Deutschland. Hier wird meines Eindrucks nach Liverollenspiel als Event im Stile eines Disney-Parks und Phantasialandes angeboten. „Das Gelände des Parks befindet sich auf dem Planeten Anwynor … Anwynor ist entwicklungsgeschichtlich ungefähr mit unserem 12./13. Jahrhundert vergleichbar. … eine an das Mittelalter angelehnte Fantasywelt, in der sich sowohl bekannte Elemente aus dem Früh- bis Hochmittelalter, als auch Elemente von Mythen, Legenden und Fantasien vereinigen. Das Zentrum dieser Welt ist eine Stadt mit unterschiedlichen Vierteln, wo ein jedes seinen ganz besonderen Charme und reizvolles Ambiente bieten wird.“

Besagte Stadt, die meinem Verständis nach eine auf dem Baustil des Mittelalters basierende Fantasy-Architektur beinhalten sollte, stellt jedoch nach Sichtung der Fotos die Mittelalter-Klischee-Kitsch-Ikone Neuschwanstein noch in den Schatten. Hier hat man von jedem Baustil etwas genommen, in einen Eimer geworfen, einmal geschüttelt und was raus kam irgendwie verbaut. Dabei sind Gebäude entstanden, die in dieser Art und Weise in der Realität nie gebaut worden wären. Auch nicht in einer Fantasy-Realität – wenn man sich mit der Thematik ein mal näher auseinander gesetzt hätte.

Ich will jetzt gar nicht mit dem architekturtheoretischen und architekturgeschichlichen Grundlagen anfangen oder näher in die technische Verarbeitung der Materialien eingehen (die man sicher so heute nicht mehr verarbeiten muss, aber es wäre doch schön, wenn es zumindest so aussehen würde)  bzw. ihre bauliche Zusammenstellung – es reicht schon ein Blick auf das Bild zu werfen und mit der Tragkonstruktion von Holzfachwerken zu vergleichen, um festzustellen, dass hier nur Fragmente der in vielen Köpfen als Klischee verhafteten vermeintlichen Stile als Patchwork realisiert wurden.

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Dass man heute nicht mehr die gleiche Art des Bauens realisieren kann (weil nicht mehr jeder diese Techniken beherrscht und es schlicht und ergreifend niemand bezahlen kann) ist mir bewusst, aber dennoch hätte man meines Erachtens eine realistischere Visualisierung erreichen können. Nicht nur eine Fassade an den britischen Tudor-Stil anlehnen und die anderen Fassaden vernachlässigen, sondern den Architekturstil durchgängig optisch darbieten hätte der Stadt einen Anschein von Realismus geben können, wo jetzt nur allzu offensichtlich Trugfassaden entstanden sind.

Schade um die verpasste Chance, die von Filmen und Museen in unserem Geist und unserer Phantasie geformten Bilder in eine realistisch anmutende Architektur, die wirklich auf der Historie und nicht auf Klischees basiert, umzusetzen.

Geschrieben von Der Rabe

4. Mai 2009 um 21:33

Besserwisserwissen: Der Stieglitz

ohne Kommentare

2009-05-04-blog-stieglitz01Da ich vorhin auf dem Parkplatz in Sinzig zwei Stieglitze, auch als Distelfinken bekannt, gesehen habe hier für alle, die bei einer identischen Sichtung ein paar nette Geschichten beitragen und den Ruf des Besserwissers und Klugscheissers fördern möchten, ein paar kleine Anekdoten über die wissenschaftlichen Fakten hinaus:

Die Sage über die Färbung des Stieglitzes
Als Gott allen Vögeln ihre Farben gab, blieb der Stieglitz bescheiden in der hintersten Ecke sitzen. Schließlich kam er als Letzter zu Gott, der keine Farben mehr hatte. Da suchte Gott aus jedem Topf noch einen kleinen Tupfer. So kamern der rote Schnabelgrund, der schwarze Scheitel, die schwarzen Flügel und der Schwanz zustande, die gelbe Binde über den Flügeln, die weißen Tupfen an Kopf, Flügeln und Schwanz, der lichtbraune Rücken und die gelbweiße Unterseite.

Der Stieglitz in der Medizin
1554 wurde sein Einsatz bei Erkrankungen in einem Vogelbuch erwähnt, z.B. in gebratenem Zustand als Heilmittel gegen Bauchgrimmen und Darmgicht. Aber schon vorher, im Mittelalter, verwandte man ihn als Talisman zum Schutz gegen die Pest. Auch weil man ihm die Fähigkeit zuschrieb Krankheiten anzuziehen wurden Stieglitze in das Zimmer von Schwindsüchtigen gehängt.

Der Distelfink als christliches Symbol
Der kleine, bunte Vogel gilt als Symbol für Ausdauer, Fruchtbarkeit und Beharrlichkeit. Wegen seiner Vorliebe zu den dornigen Disteln ist er im Christentum ein altes Symbol für die Passion und den Opfertod von Jesus Christus. Daher ist er auch auf vielen alten Gemälden ein Begleitvogel der Madonna bzw. der heiligen Familie, wo er für das Vorwissen der bevorstehenden Kreuzigung steht. Als „reiner“ Vogel wird er manchmal auch gemeinsam mit der Fliege, die für Sünde und Krankheit steht, dargestellt.

Mehr über diesen schönen heimischen Vogel findet man hier.

Geschrieben von Der Rabe

4. Mai 2009 um 12:04