Archiv für April 16th, 2008
Besserwisserwissen: Hippopotomonstrosesquippedaliophobia.
Hippopotomonstrosesquippedaliophobia ist der Fachausdruck für die Angst vor langen Wörtern. Eine Liste mit weitere Phobien findet man hier.
Projekt 52, Woche 16: Geheime Orte
Als ich bei Sari das aktuelle Wochenthema gelesen habe, war ich erschrocken, denn mir wollte kein Bild vor den Augen erscheinen. Auch, als ich länger darüber nachdachte, welche Orte ich in meinem Leben besucht haben und die Eindruck auf mich machten – ein geheimer Ort war nicht dabei. Alle Orte waren gefüllt mit mehr oder weniger vielen Menschen und mit ihren Stimmen. Der Turmrest im Schlosspark, an dem sich meine frühere „Clique“ immer getroffen hat, ebenso wie die heimliche Raucherecke hinter den Büschen am Spielplatz oder der alten Bunker im Lehmberg, den ich mit zu erforschen trachtete – nie war der Ort so geheim, dass ich nicht mit Freunden dort gewesen wäre. Wenn mich diese Überlegungen auch nicht näher an eine Lösung der Aufgabe heran führte, so habe ich doch festgestellt, dass ich nie wirklich alleine war und immer von Freunden auf meinem Lebensweg begleitet wurde.
Doch gerade wenn man an diesem Punkt der Feststellungen ist und weiterdenkt kommt man auf den einen Ort, der selbst für die besten Freunde nicht betretbar und einsehbar ist: Der Geist mit meiner Phantasie, meinen persönlichsten Wünschen, meinen Tagträumen, meinen ureigensten Gedanken, meinen subjektiven Erinnerungen und meiner Sicht auf die Dinge. Meine Sicht auf die Dinge … ich bin ein visuell geprägter Mensch und so ist mein Auge wohl der Weg in dieses Reich der Phantasie, diesen geheimsten Ort meiner Persönlichkeit:
Foto wie immer in größerer Auflösung in meiner Projekt 52-Galerie.
Brennender Verlust.
Eineinhalb Wochen ist es her, als hier im Dachstuhl eines Wohnhauses ein Feuer ausbrach. Auch wenn die Feuerwehr schnell zur Stelle war und ein Ausbreiten des Feuers auf die benachbarten Häuser in der Innenstadt verhindern konnte, so ist doch das Gebäude auf Grund der Brandeinwirkungen, der daraus resultierenden statischen Probleme und des durch den Löscheinsatz unvermeidlichen Wasserschadens ersteinmal unbewohnbar. Die Familie ist, eine Woche vor der Kommunion eines ihrer Söhne, zu den Eltern des Mannes gezogen. Die Bilder habe ich heute in genau diesem Wohnhaus im Dachgeschoss gemacht und sie geben die Zerstörung gut wider (durch Klicken auf die Bilder bekommt man auch größere Ansichten).
Vom Tod (dem Eigenen und dem Anderer) oder schwerer Krankheit einmal abgesehen ist ein Wohnungsbrand so mit das Schlimmste, was ich mir vorstellen könnte. Noch nicht mal wegen den ganzen Möbeln und der Kleidung, den Büchern und (in meinem Fall) der Larpsachen, sondern wegen der persönlichen Erinnerungstücke, die man nicht ersetzen kann, weil sie einzigartig sind und immer bleiben werden. Selbstgenähte Gewandung kann man neu nähen, Bücher (auch alte) kann man nachkaufen, Bilder kann man neu malen – aber ich werde nie mehr ein Foto machen können, wie mein ältester Sohn gerade im Kinderbett den Schnuller sucht oder mein jüngster Sohn laufen lernt. Das sind Momente, die nie mehr wiederkehren und von denen alle Bilder einen Seltenheitswert haben, der sie für alle Zeiten einmalig machen. Das wäre für mich bei einem solchen Brand der größte Verlust: Diese Abbilder der Erinnerung. Wollen wir hoffen, dass es nie dazu kommt …
Entqualmtes Leben.
Gestern kam ein Paket mit Büchern an, die ich über Ebay ersteigert hatte. Ich machte das Paket auf und bin fast hintenum gefallen, denn es roch, als wäre ich in ein Raucherzimmer eingetreten. Als säße in dem Paket ein Kobold, der während des Versandes Kette geraucht hätte. Wahnsinn. Wenn man an den (indessen ausgepackten) Büchern riecht, kann man auch unmißverständlich feststellen, dass sie aus einem Raucherhaushalt stammen. Das ist das erste Mal, dass ich feststelle, dass Bücher wirklich so stark den Qualm und damit den Geruch von Zigaretten aufnehmen.
Ich habe sechzehn Jahre lang eine Packung pro Tag geraucht und am 03. August des letzten Jahres mit dem Rauchen aufgehört. Aber trotz allem, was man von Ex-Rauchern gehört hat, haben mich doch einige Sachen wirklich überrascht. Zum einen, was man plötzlich alles riecht, was man davor einfach wegen dem qualmbelegten Riechorgan nicht wahrgenommen hat. Aber auch die Erkenntnis, was man Nichtrauchern über die ganzen Jahre angetan hat. Wenn ich nur an die Klamotten denke, die man nach einem Kneipenbesuch ggf. am nächsten Tag noch mal angezogen hat, wo man heute angeekelt die Nase rümpft, weil sie einfach stinken. Oder den Mundgeruch nach einer Zigarette, bei dem ich heute, wenn ich ihn rieche, von der Person zurückweiche.
Selbst mein Argumentation aus meiner Raucherzeit, dass sich die Nichtraucher unter freiem Himmel nicht so anstellen sollen, da der Rauch ja sofort abzieht, kann ich nicht mehr aufrecht erhalten. Wenn Jemand raucht, dann rieche ich das je nach Wind mehrere Meter von der Person entfernt – und es stört. Auf dem Bahngleis, vor dem Eingang von Geschäften, auf dem Kirmesgelände, … Ich möchte nicht verhehlen, dass einige Pfeifentabake und auch Zigarren zuweilen gut riechen können, aber ich bin trotzdem froh über das Rauchverbot in Kneipen. Das auch nicht nur, weil ich den Gestank einfach ekelhaft finde, sondern auch, weil ich am Morgen danach mit Bronchien- und damit Atemproblemen zu kämpfen habe. Man raucht passiv mit und es geht auf die Gesundheit – an dem Fakt lässt sich nicht rütteln.
Als Fazit kann ich nach der gestrigen Erfahrung mit den verrauchten Büchern nur feststellen, dass sich die Lebensqualität steigert, wenn man mit dem Rauchen aufhört. Wie stark kann man aber auch erst wirklich ermessen, wenn man einige Monate auf Zigaretten verzichetet.
